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Duftstoffe gegen die Zikade

Pflanzenbau06.08.25

Mit umweltverträglichen Signalstoffen wollen Forscher:innen die Schilf-Glasflügelzikade von Zuckerrüben fernhalten.

Schadinsekten wie die Schilf-Glasflügelzikade an Zuckerrüben gezielt zu züchten, gehört zur Forschung am Julius Kühn-Institut. (Foto: C. Gerbert/JKI)

Den Anbau von Zuckerrübe bedrohen derzeit zwei Bakterien. Die beiden Erreger (Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus und Candidatus Phytoplasma solani) nutzen dabei die Schilf-Glasflügelzikade (SGF) als Taxi: Indem sie an den Pflanzen saugt, schafft sie den Erregern eine Eintrittspforte, um die Pflanzen zu infizieren.

Gesucht sind nun Methoden, die verhindern, dass sich das Insekt vermehrt und weiter verbreitet. Das Julius Kühn-Institut (JKI) in Dossenheim sucht im Projekt Beet-Protect nach Duftstoffen, die das Verhalten der Zikaden steuern. Welche Infochemikalien an dem Zusammenspiel zwischen Zuckerrübe, Schilf-Glasflügelzikade und Bakterien beteiligt sind, soll das Projekt aufklären. „Wir verfolgen einen mehrstufigen Ansatz, um sowohl die sehr mobilen paarungswilligen erwachsenen Insekten als auch junge Nymphen, die sich an den Wurzeln entwickeln, vom Saugen an der Pflanze abzuhalten“, erklärt Prof. Jürgen Gross, der das Projekt am JKI koordiniert.

Manchmal reagieren Pflanzen auf Schadorganismen, indem sie vergrämende Düfte aussenden. Insekten wiederum kommunizieren untereinander mit Infochemikalien, um sich zu paaren. Auch gibt es Duftsignale, die Insekten zu dem Pflanzen hinlocken. So können Viren und Bakterien, die auf den Transport durch Insekten angewiesen sind, das Duftbouquet einer Pflanze ändern, um die benötigten Insekten-Taxis anzulocken. 

Die vormals eher harmlose Zikade (Pentastiridius leporinus) breitet sich seit fünf Jahren in den Zuckerrübenanbaugebieten aus. Zudem saugt das Insekt an weiteren Pflanzen und kann sich mit deren Hilfe vermehren: Auch an Kartoffeln kann sie sich vom Ei über Nymphenstadien zum erwachsenen Insekt entwickeln. Die von ihr transportierten Bakterien wurden inzwischen auch in Gemüsesorten, wie Rote Bete und Zwiebeln, nachgewiesen.

Der Verband der deutschen Zuckerindustrie fördert das Forschungsprojekt bis 2028 mit 940.000 Euro.
Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft forscht ebenfalls an der Bekämpfung der Zikade.