Bienen navigieren präzise
Honigbienen verstehen es, den Schwänzeltanz einer anderen Biene in sehr genaue und individuelle Flugrouten umzusetzen.

Bienen wählen individuelle Flugrouten, denen sie sehr exakt folgen. Eine Drohne und Sender ermöglichten die Beobachtung. (Bildquelle: Andrew Straw)
Honigbienen fliegen über viele Flüge zum gleichen Ziel äußerst präzise und nutzen individuelle Routen entlang markanter Punkte in der Landschaft. Das hat ein Forschungsteam der Universität Freiburg mithilfe eines drohnenbasierten Tracking-Systems beobachtet. Die Ergebnisse zeigen, dass jede Honigbiene auf ihre ganz eigene Weise navigiert und diese individuellen Routen sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückflug beibehält. Dabei nutzen die Tiere markante Punkte in der Landschaft als Orientierungshilfe. Die Forschenden folgten den Honigbienen mit einer Drohne auf ihrem Flug zwischen Bienenstock und einer rund 120 Meter entfernten Futterquelle.
Die analysierten 255 Flugrouten führten durch eine Landschaft am Kaiserstuhl, mit Hecken, einem Maisfeld und einem Baum, der den direkten Weg zwischen Bienenstock und Futterquelle blockierte. „Wir konnten eine sehr hohe Präzision der Flugbahnen innerhalb der gewählten Wege ermitteln. Einzelne Bienen haben ihre individuellen Flugwege bei mehreren Flügen genau wiederholt. Oft fliegen sie nur wenige Zentimeter von ihren vorherigen Routen entfernt vorbei“, betont Prof. Dr. Andrew Straw, Neuro- und Verhaltensbiologe an der Universität Freiburg.
Bäume geben Orientierung
Am geringsten wichen Flüge voneinander ab, wenn sich in der Nähe markante Landschaftsmerkmale wie der Baum befanden. Die größte Variabilität wurde dagegen über dem Maisfeld gemessen, einem Bereich mit einer sehr gleichförmigen visuellen Struktur. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass visuelle Orientierungspunkte die Navigation der Bienen unterstützen und die Präzision ihrer Flugbahnen erhöhen“, erklärt Straw. Unsicherheiten der Bienen steigen dagegen in visuell monotonen Umgebungen.
Um die Bienen auf ihrer jeweiligen Route gezielt beobachten zu können, verwendeten die Wissenschaftler:innen das von der Arbeitsgruppe um Straw entwickelte „Fast Lock-On (FLO) Tracking“. Dabei wird ein kleiner, stark reflektierender Marker am Insekt befestigt. Ein Bildsensor richtet sich darauf aus und beleuchtet ihn mit Infrarotlicht. So kann eine einfache Bildauswertung die Biene innerhalb weniger Millisekunden zuverlässig finden und im Blick behalten.