13.03.2018 Rodenkirchen/Visselhövede

Wolf und Weidehaltung in Niedersachsen

In Rodenkirchen diskutierten am 21. Februar Praktiker und Politikvertreter Möglichkeiten des Zusammenlebens mit dem zurückgekehrten Raubtier

In 2016/2017 waren in Niedersachsen neun Rudel mit insgesamt 42 Welpen unterwegs, dazu streiften noch ein weiteres Paar und ein Einzeltier durch die Landschaft. Mittlerweile ist die Zahl auf 14 Rudel angestiegen. Da der Wolf in Deutschland eine durch das Bundesnaturschutzgesetz streng geschützte Tierart ist, darf er nicht gejagt werden. Wird ein Nutztier gerissen, erhält der Landwirt Billigkeitsleistungen zum finanziellen Ausgleich. Der Wert getöteter Tiere wird zu 100 Prozent erstattet, indirekte Kosten wie die Rechnung des Tierarztes bei Verletzungen oder die Tierkörperbeseitigung im Todesfall zu 80 Prozent. Voraussetzung für die Zahlung ist allerdings, dass der Vorfall amtlich protokolliert wird. 140 Wolfsrisse wurden 2017 in Niedersachsen gemeldet, dafür flossen etwa 40.000 Euro an Ausgleichszahlungen – im Vergleich zu anderen Ausgaben im Naturschutzbereich eine verschwindend geringe Summe. Seit dem 6. 12. 2017 gilt für das gesamte Landesgebiet Niedersachsen die „Förderkulisse Herdenschutz“ für Schafe, Ziegen und Gatterwild. Damit haben die Viehhalter sechs Monate Zeit, entsprechende Schutzmaßnahmen für die Herden zu treffen. Bis zu 80 Prozent der Kosten für Aufrüstungen und einmalige Neuanschaffungen von Schutzzäunen nebst Zubehör zur Erreichung eines wolfsabweisenden Grundschutzes sowie die Anschaffung von Herdenschutzhunden können sie erstattet bekommen. Ab Sommer 2018 fließen Billigkeitsleistungen dann nur noch bei ausreichendem Grundschutz. Für Rinder besteht die „Förderkulisse Herdenschutz“ bislang nur in den beiden Landkreisen Cuxhaven und Wietzendorf, in denen es vermehrt zu Übergriffen auf Rinder kam. Nur hier werden Zaunbaumaßnahmen gefördert. Ausgleichszahlungen für Rinder- und Kälberrisse werden aber, auch im Cuxland oder in Wietzendorf, immer getätigt - egal ob ein Grundschutz besteht oder nicht. Wolfsabweisenden Grundschutz bieten beispielsweise mobile Zäune von mindestens 90 cm Höhe oder Knotenflechtzäune von mindestens 1,20 m Höhe, jeweils vollständig geschlossen und elektrisch geladen. Die niedrigste Litze dürfe durchgehend nicht mehr als 20 cm vom Boden entfernt sein, sonst kann der Wolf sich darunter hindurchzwängen.

Der Verzicht auf Weidehaltung kann jedenfalls keine Alternative sein. Das betont auch Dirk Scholz vom Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES): „Grundsätzlich müssen Pflanzenfresser Zugang zu Weideland haben, wann immer die Witterungsbedingungen und der Zustand des Bodens dies erlauben. Denkbar ist die Duldung einer befristeten Aufstallung im begründeten Fall einer akuten Bedrohungslage. Eine Duldung gilt immer nur im Einzelfall. Eine allgemeine Genehmigung zur dauerhaften Stallhaltung von Weidetieren vor dem Hintergrund der Gefährdung durch den Wolf sieht die EG-Öko-Verordnung jedoch nicht vor.“ Bei einer akuten, nachgewiesenen Bedrohungslage könne im Einzelfall befristet eine Einstallung kurzfristig geduldet werden, wenn gleichzeitig Maßnahmen zur Gefahrenabwehr ergriffen werden. Für eine dauerhafte Genehmigungen zur Aufstallung besteht keine gesetzliche Grundlage. 

Bioland  Niedersachsen/Bremen e.V.
Bahnhofstr.15, 27374 Visselhövede

Harald Gabriel - Geschäftsführer
Angelika Franz - Presse-/Öffentlichkeitsarbeit

Tel. 04262 95900
Fax 04262 959050
E-Mail: info-niedersachsen(at)bioland.de

Zurück zur Übersicht