05.03.2015 Goldenstedt/Rhauderfehn

Brot soll für Klimawandel sensibilisieren

Forschungsprojekt bringt Bioland-Erzeuger und -Verarbeiter zusammen

Neuerdings bietet die Bioland-Bäckerei Diekhaus aus Goldenstedt etwas Neues an – ein Brot aus Urroggen. Es soll den Verbraucher für die Schwierigkeiten und Herausforderungen des Klimawandels sensibilisieren. Manfred Diekhaus ließ sich von der Begeisterung des Biolandwirts Heiko Freese anstecken.
Geboren ist die Idee aus dem 2009 gestarteten und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsprojekt „nordwest 2050“ der Metropolregion Bremen-Oldenburg. Projektpartner waren unter anderem die Universität Oldenburg und Bremen. Mit dem Ziel der Anpassung an den Klimawandel und Steigerung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit wurde das Projekt auf fünf Jahre angelegt. In den drei Clustern Ernährung, Energie und Hafen/Logistik sowie im politisch-administrativen System arbeiteten die Projektpartner mit regionalen Wirtschaftsunternehmen an klimaangepassten Innovationsprozessen.
Im Cluster Ernährung engagierte sich neben 11 weiteren Praxispartnern auch Bioland-Bauer Heiko Freese vom Biolandhof Freese GbR aus Rhauderfehn. „Uns hat der wissenschaftliche Hintergrund und die Zusammenarbeit mit der Universität Oldenburg gereizt. Wir hatten richtig Lust etwas auszuprobieren und uns mit anderen Unternehmen darüber auszutauschen.“
Der 50 ha große Betrieb, seit 1985 Bioland-Mitglied, begann mit der Mutterkuhhaltung und dem Getreideanbau, setzt aber mittlerweile seinen Schwerpunkt auf den intensiven Gemüseanbau mit einer starken Direktvermarktung. Seit 2005 bewirtschaftet Heiko Freese gemeinsam mit seiner Mutter den Betrieb. Rund 25 Mitarbeiter unterstützen sie in ihrer täglichen Arbeit. 2009 hatte Heiko Freese begonnen, sich intensiver mit der Vermeidung von Treibhausgasen und der Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels auseinanderzusetzen. Er sanierte seine Entwässerungsgräben und plante ein weiteres neues Gewächshaus, denn der geschützte Anbau schafft mehr Sicherheit.
Untersuchungen bestätigen eine zukünftig vielfältige Einflussnahme des Klimawandels auf den Nordwesten. Die Rede wird sein von trockeneren und wärmeren Sommern, feuchten und wärmeren Wintern, höheren Sturmflutwasserständen und extremeren Wetterereignissen. Indirekt wird der Klimawandel in der Küsten- und Hafenregion damit auch Einflüsse auf globale Transportwege, Warenströme und die Rohstoffversorgung nehmen. Für den Ackerbau bedeutet das Wassermangel im Frühjahr, eine späte Einsaat des Sommergetreides und Staunässe-Gefahr im Winter. Die Folgen können Nährstoffverluste, ggf. ein Mehr an Krankheiten und Schädlingen sowie Ernteausfälle sein. Vermehrte Eingriffe von außen, wie z.B. durch künstliche Bewässerung, haben Einfluss auf die Kosten. Längere Vegetationsphasen könnten aber auch die Produktionsmenge steigern. Die Landwirtschaft muss sich auf neue Anbaumethoden und Fruchtfolgen vorbereiten. „Meine Großeltern hatten ihre Bauernregeln, aber die stimmen nicht mehr so genau“, sagt Heiko Freese. Ziel des Forschungsbereichs sollte es demnach sein, klimaangepasste Anbau- und Zucht- sowie Verarbeitungs- und Vermarktungsstrategien zu finden. Konkret bedeutete das für Heiko Freese, gegenüber extremen Witterungsbedingungen robuste Nutzpflanzen-Sorten im Anbau zu testen und über diese Produkte am Markt auf den Klimawandel aufmerksam zu machen. Er baute Gemüse verschiedenartig in Freiland und unter Folie an und experimentierte dabei mit einer lichtdurchlässigen Folie aus Japan, der F-Clean-Folie. Sie sorgt durch eine Lichtdurchlässigkeit von 96 % für freilandähnliche Verhältnisse und schützt vor Wetterextremen. Zudem baute er versuchsweise einen robusten, staudenartigen Urrogen, den Waldstaudenroggen an – einmal als Sommer- und Winterzwischenfrucht. Er wächst schnell, wird erheblich größer als übliches Getreide und wurzelt dabei tief. Seine Wurzeln können mehr als 2 m lang sein. Dadurch ist der Waldstaudenroggen resistenter gegen lange Trockenphasen und sorgt für eine gute Bodengare, wodurch der Boden besser Wasser binden kann. Staunässe wird größtenteils verhindert. Durch das schnelle Wachstum unterstützt die Pflanze auch in der Unkrautunterdrückung. Der Ertrag der kleinen Körner war zufriedenstellend, auch wenn der hohe Wuchs zu Ernteproblemen führen kann. Das Stroh konnte Heiko Freese für die Mutterkühe verwenden. „Der Kornertrag ist unterdurchschnittlich, weil die Körner so klein sind. Allerdings machen der hohe Strohertrag und die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten,  bspw. auch in der Biomasseproduktion oder als Futterpflanze, die Kultur interessant.“  

Mit der Ernte stand die Frage nach der Vermarktung im Raum. Ein Großteil der hofeigenen Produkte wird direkt vermarktet – über Wochenmärkte, Lieferservice, den eigenen Hofladen und Naturkostladen in Leer. Der Rest geht an Wiederverkäufer und Großhändler.
Das Getreide sollte zu einem Brot verbacken werden und eine zierende Banderole auf die Hintergründe aufmerksam machen. Heiko Freese und Manfred Diekhaus kannten sich bereits aus Geschäftsbeziehungen. Die Bioland Bäckerei Diekhaus belieferte auch den Naturkostladen des Betriebs. Der Landwirt trug seine Idee an den Bäcker heran. Manfred Diekhaus ließ sich anstecken und experimentierte mit dem für ihn neuen Getreide. Der Bäcker und Lebensmittelingenieur übernahm 1981 die elterliche Backstube. Seitdem brachte er bereits 50 Bio-Brote auf den Markt. Die Bäckerei wuchs, mittlerweile beschäftigt er 55 Mitarbeiter und die Backwaren werden über die acht Verkaufsstellen und Märkte hinaus in rund 120 Geschäften im Raum Osnabrück, Ostfriesland, Bremen verkauft. Er schuf ein dunkles, sehr aromatisches, lange saftiges Brot auf Sauerteig-Basis. Heiko Freese schuf die passende informierende Banderole. „Wir wollten beim Verkauf möglichst viel Aufmerksamkeit für das Brot und das dahinter stehende Forschungsprojekt erzeugen. Wie sich herausstellte, haben wir mit der Banderole ein gutes Kommunikationsinstrument gewählt, denn die Informationen werden gut von den Kunden aufgenommen“. Manfred Diekhaus etablierte das Brot schließlich erfolgreich in seinem Sortiment, die Kunden nahmen das neue Brot dankbar an. 

Das Ergebnis des Projekts war zufriedenstellend, so dass Heiko Freese die Anbaufläche für seinen Waldstaudenroggen ausweitete und Manfred Diekhaus das Brot auch weiterhin vertreibt. „Wir haben den Anbau des Waldstaudenroggens bereits ausgeweitet und werden die Bäckerei Diekhaus auch in Zukunft mit Waldstaudenroggen versorgen. In unserem Betrieb ist und bleibt das Urgetreide eine sinnvolle Kultur.“  

Es zeigte sich aber im Projekt auch, dass altes Saatgut nicht zwangsläufig resistenter gegen Witterungen und Krankheiten ist. Es muss mit altem Genpool für robuste, standortangepasste Sorten geforscht werden. Versuche und Erfahrungen helfen den Landwirten flexibler zu reagieren und ihre Jahresplanung anzupassen.  

Das Forschungsprojekt wurde in weiteren 6 Regionen Deutschlands durchgeführt und 2012 sogar als offizielles Projekt der Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen“ ausgezeichnet. Auch weitere Bio-Betriebe waren beteiligt, wie z.B. Biohof Bakenhus und die Bakenhus Biofleisch GmbH.

Bioland  Niedersachsen/Bremen e.V.
Bahnhofstr.15, 27374 Visselhövede

Harald Gabriel - Geschäftsführer
Angelika Franz - Presse-/Öffentlichkeitsarbeit

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