29.04.2019 Fulda/Höringhausen

"Biolandbau für Mensch und Natur"

Regionalgruppe Korbach lud Bio-Pionier Sepp Braun ein

Die Bioland-Regionalgruppe Korbach lud letzte Woche ihren süddeutschen Bioland-Kollegen Josef Braun zu einer Vor-tragsveranstaltung in das Bürgerhaus Höringhausen ein. Er berichtete anhand seiner langjährigen Erfahrungen als Biolandwirt über die Bedeutung des Biolandbaus für Mensch und Natur. „Wir müssen uns alle Gedanken machen, wie wir die anstehenden Probleme wie Verlust der Artenvielfalt oder das Verschmutzen von Wasser und Luft in unserer Umwelt bewältigen können und uns und der Natur eine Zukunft ermöglichen“, sagte der Biopionier, der bereits seit den 80iger Jahren ökologischen Landbau betreibt. Er fokussierte in seinem weitreichenden Vortrag die Bedeutung des fruchtbaren Bodens für die Landwirtschaft und für Mensch und Umwelt und betonte, welche positiven Auswirkungen die Beseitigung der allseits herrschenden Ungleichgewichte in der Landwirtschaft haben würden. So führte er verschiedene Möglichkeiten auf wie zum Beispiel ganzjährige Bedeckung von Flächen, tierwohlgerechte Viehhaltung, Verringerung des Bodendruckes bei landwirtschaftlichen Maschinen, um die Lockerheit des Bodens zu gewährleisten.

Braun betreibt mit seiner Familie nördlich von München seit 1986 einen Bioland-Hof mit 22 Kühen und Ackerbau. Er interessierte sich von jeher für die Vorgänge im Boden und hier besonders für die Tätigkeit der Bodenorganismen und der Regenwürmer. Braun ging in seinem Vortrag auf den Aufbau von Humus ein, der sowohl als Nährstoffspeicher, Wasserspeicher, Wärmespeicher als auch CO2-Speicher wirkt und wie durch den Aufbau von Humus und den Anbau einer vielfältigen Fruchtfolge, wie sie im Biolandbau üblich ist, der Boden in seinen vielfältigen Aktionen gestärkt werden kann. Wichtig hierbei ist der Anbau von Pflanzen mit langen Wurzeln, die den Boden durchwurzeln, stärken und so auch für Regenwürmer beste Lebensvoraussetzungen schaffen. Denn Regenwürmer erzeugen Wurmhumus (Nährstoffe für die Feldfrüchte) und in ihren Röhren kann Luft und Wasser in den Boden gelangen. „600 Regenwürmer pro m² erzeugen 80 t Regenwurmhumus und das sind 280 kg N pro ha/Jahr. Somit haben wir bei genügend vitalen Regenwürmern im Boden einen fruchtbaren Boden!“ erklärt der als „Regenwurmpapst“ bekannte Sepp Braun. Die durchschnittliche Regenwurmdichte in bayrischen Böden liegt bei 16 Regenwürmern pro m². Braun selbst hat auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb die Konsequenzen gezogen und wirtschaftet pfluglos mit Mischpflanzenanbau, d.h. auf seinen Feldern wachsen abwechseln Flach-, Mitteltief- und Tiefwurzler. Die Wurzeln tragen dazu bei, dass Mineralstoffe für die Pflanzen verfügbar werden, was sich im Mineralstoffgehalt der Feldfrüchte niederschlägt – Sepp Braun zeigte eine Übersicht, in welchem starkem Maß die Mineralstoffgehalte von Pflanzen der menschlichen Ernährung in den letzten Jahrzehnten gesunken sind. Um uns alle gesund zu ernähren, brauchen wir einen gesunden Boden, der gesunde und nährstoffreiche Pflanzen hervorbringt. „Was sich im Boden tut, ist für unsere Gesundheit essentiell“, erklärte Braun. Er zitierte Peter Rusch, den Begründer des ökologischen Landbaus, dessen Kernsatz lautete: Gesunder Boden bedeutet gesunde Pflanzen und in deren Folge gesunde Menschen. „Wir müssen die Böden wieder fruchtbar machen!“ rief Braun die Anwesenden auf, „denn gesunde Böden führen zu körperlich und geistig gesunden Menschen und dann haben wir alle als Menschen wieder eine gute Zukunft.“

m Ende überreichte die Regionalgruppe Korbach einen Scheck über 200 Euro an Josef Braun für die Bioland-Stiftung. Braun ist im Vorstand der neu gegründeten Stiftung, die sich der Förderung des Biolandbaus verschrieben hat.

Über Josef Braun

Josef Braun bewirtschaftet einem Bioland-Betrieb mit Milchvieh und Saatguterzeu-gung nördlich von München. Er hat diesen Hof seit 1986 nicht nur konsequent biologisch bewirtschaftet, sondern auch weitgehend energieautonom. Sepp Braun hat sich ganz der Erforschung der Bodenfruchtbarkeit verschrieben. Seit 1984 wendet er die pfluglose Bodenbearbeitung an, seit 1994 Minimal- Bodenbearbeitung ohne Bodenlockerung und ohne Unkrautbekämpfung. Er integriert Wildpflanzen in seine Anbausysteme, praktiziert Mischfruchtanbau und hat ein Agroforstsystem im Kurzumtrieb angelegt. Seine Wirtschaftsweise leitet er aus der Beobachtung der Pflanzen und Bodentiere und ihrer Ansprüche ab. Sein Ziel ist es, wenig einzugreifen und der Natur abzuschauen, wie es geht. www.biolandhofbraun.de

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