10.09.2019

Interview: Axel Hilckmann, unser neuer Geflügelberater im Landesverband

Axel, heute ist dein erster Tag bei uns, willkommen! Allerdings nicht dein erster Tag im Bioland, wie lange bist du schon dabei?

Ich bin seit Juni 2009 im Bioland Verband unterwegs! Was treibt dich nach Rheinland-Pfalz?

Nach zehn Jahren Beratung in Süddeutschland, die mir sehr viel Freude gemacht haben, zieht es uns einfach wieder in die Heimat. Meine Frau Sabine ist aus der Südeifel, und unsere Kinder sind mittlerweile einigermaßen groß, deshalb sind wir vor kurzem nach Wittlich gezogen. Aber trotzdem möchte ich die Beratung gerne weiter-machen und sehe da auch in der Weiterentwicklung des Bioland Verbandes einen großen Sinn.

Hast du denn einen landwirtschaftlichen Hintergrund? Wie bist du zur Beratung gekommen?

Ja, ich habe eine landwirtschaftliche Ausbildung gemacht. Danach habe ich eigentlich immer auf landwirtschaftli-chen Betrieben gearbeitet, auch auf dem elterlichen Betrieb, der sich vom Gemüsebau- zum Geflügelbetrieb gewandelt hat. Dann habe ich noch ein landwirtschaftliches Studium abgeschlossen und die Ausbildung zum Tierwirt in der Fachrichtung Geflügel absolviert.

Woher kommt deine Begeisterung für Geflügel, warum gerade diese Fachrichtung?

Das liegt denke ich einfach in den Wurzeln - ich bin ja auf einem Geflügelbetrieb groß geworden und da liegt das dann nahe und es hat mir auch schon immer Freude und Spaß gemacht. Und Geflügelfleisch ist das Produkt der Zukunft, da gibt es noch so viel Potenzial im Bio-Bereich!

Spannend! Welche Entwicklungen siehst du denn auf dem Geflügelmarkt?

Man sieht ja, dass die Anzahl der Menschen in unserem Land, die sich Gedanken um das Tierwohl machen, wächst. Und diese Menschen sind bereit für ein ordentliches Produkt, das ordentlich erzeugt worden ist, auch das entsprechende Geld zu zahlen. Die Leute sind mittlerweile bereit, das zu honorieren. Ich bin ein großer Verfechter von weniger Fleischkonsum, aber dafür höherwertigerem. Und das ist auch möglich! Gerade was die Eier angeht ist die Umstellung auf Bio ja schon voll erfolgt. Da sind wir bei mittlerweile 19 bis 20 % und das wird im Geflügelfleischbereich auch noch kommen!

Im Bereich Milch ist es so, dass der limitierende Faktor für mehr Bio-Milch die fehlenden Verarbeitungsmöglichkeiten ist. Wo siehst du die Knackpunkte auf dem Geflügelmarkt?

Im Geflügelbereich ist es ähnlich - wo sind die Verarbeiter die sich die Umstellung auf die Verarbeitung eines hö-herwertigen Produkts zutrauen und wie viele Erzeuger sitzen noch in der Warteschleife, bis die Möglichkeiten der Verarbeitung da sind? Deshalb ist es unsere Aufgabe, die Verarbeiter und die Erfasser zu unterstützen und aufzubauen, damit Geflügel-Verarbeiter in das Bio-Geschäft einsteigen.

Was meinst du, kann jeder bisher viehlose Betrieb in die Geflügelhaltung einsteigen? Was würdest du einem interessierten Betrieb raten?

Das kommt natürlich ganz auf den individuellen Betrieb an! Die zehn Jahre Beratung haben mir gezeigt, dass auch komplett Geflügel-fremde Betriebe in die Geflügelhaltung einsteigen können. Aber bitte nicht zu blauäugig, gewisse Sachen gehören einfach dazu. Und es ist wie bei jeder anderen Sparte auch: Je mehr man davon versteht, umso mehr Spaß macht es auch. Eine gewisse Begleitung gehört dazu: Das bieten wir über die Bioland Beratung an, aber dazu gehören auch zuverlässige Partner und ein betreuender Tierarzt. Aber ja, prinzipiell kann jeder Betrieb einsteigen!

Das sieht man ja auch an den Zahlen der Mobilställen, die gerade richtig in Mode sind. Woran liegt das?

Ja! (lacht) Alleine die Darstellung der Hühnerhaltung im Mobilstall ist einfach super. Das zeigt den Verbrauchern wie toll Hühnerhaltung sein kann, Mobilstallhaltung ist ja genau die Idealvorstellung der ökologischen Tierhaltung, obwohl es natürlich viele Freiland-Betriebe genauso machen.

Gibt es denn auch Betriebe, die mit einem Mobilstall anfangen, das Potenzial erkennen und dann im großen Stil in die Geflügelhaltung einsteigen?

Ja, das gibt es schon! Allerdings gibt es hier einen Fehler, der häufig gemacht wird: Die Mobilstalleier werden enorm nachgefragt, man hat immer zu wenig davon. Dann kauft man sich das zweite Hühnermobil, das geht auch noch. Aber dann macht man den großen Fehler und kauft sich das dritte und vielleicht das vierte kleine Hühnermobil und man geht unter in Arbeit. Dann ist der bessere Weg mit einem Hühnermobil anzufangen, zu schauen wie die Nachfrage ist, und nach zwei Jahren kann man mit mir zusammen vielleicht einen 3000er Stall bauen oder noch größer einsteigen!

Wie sieht es denn mit der Arbeitsbelastung bei einem Hühnermobil aus? Man holt sich mit der Tierhaltung ja doch eine ganz andere Verantwortung auf den Betrieb. Was kommt da auf einen Landwirt zu?

Die Arbeitszeit für ein Hühnermobil zu erfassen ist sehr schwierig. Einfacher ist es bei einem Feststall, der selbst die Eier produziert, selbst eine Packstelle betreibt oder die Eier an einen Bündler verkauft. Die Vorgänge sind hier fester. Bei Mobilställen ist es schwierig – der eine steht vielleicht direkt am Hof, der andere steht 8 km weit weg und ich muss jeden Tag mindestens zwei Mal zum Stall fahren. Die Erfahrung ist, dass Mobilställe mehr Arbeit machen wie gedacht, weil man eben auch die Direktvermarktung betreiben muss – für Mobilstalleier lohnt es sich nicht, diese an eine Packstelle zu verkaufen. Also schwer zu sagen! Aber der Nutzen vor allem bei der Kundengewinnung ist natürlich enorm. Allerdings kenne ich auch viele ehemalige Milchviehbetrieb in Bayern, die auf Hühnerhaltung umgestellt haben und so zufrieden mit ihren etwas flexibleren Arbeitszeiten. Und Arbeiten wie Einsammeln, Stempeln, Packen und so weiter, die kann man auch mal vergeben, das muss nicht unbedingt der Betriebsleiter jeden Tag selbst machen.

In den nächsten Wochen wirst du in den Regionalgruppen unterwegs sein und dich vorstellen, aber wie genau kann man dich denn nun buchen? Wie bekommt man dich auf den Betrieb?

Den ersten Kontakt machen wir am besten immer am Telefon, entweder über die Geschäftsstelle in Mainz oder direkt an mich. Und dann vereinbaren wir zeitnah einen Termin für einen Betriebsbesuch und besprechen dann alles weitere direkt vor Ort. Über die Beratungsförderung gibt es hier ja eine tolle Möglichkeit für die Betriebe, Beratungen in Anspruch zu nehmen: Im Saarland die 100 % Brutto-Förderung und in Rheinland-Pfalz entweder über die Beratungspakete oder über die neue ELER-EULLE-geförderte Beratung, bei welcher den Landwirte nur die Mehrwertsteuer in Rechnung gestellt wird.

Axel Hilckmann ist ab sofort erreichbar unter axel.hilckmann(at)bioland.de oder unter 0176-600 300 30.

Interview: Lukas Boersen, Foto: Axel Hilckmann 

Bioland Rheinland-Pfalz/Saarland e.V.
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Lukas Boersen - Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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