16.09.2019 Fulda/Morschen

„Bei uns blüht´s das ganze Jahr!“

Durch vielfältige Fruchtfolge bietet Biolandwirt das ganze Jahr Futter für Insekten

„Auf unseren Flächen blüht es das ganze Jahr über. Wenn die Insekten normalerweise schon ab dem Frühsommer auf den Feldern keine Nahrung mehr finden, blüht es durch unseren Leguminosenanbau das ganze Jahr“, berichtet Biolandwirt Hubert Hirschle aus Morschen, „Das heißt, durch unsere ökologische Wirtschaftsweise bieten wir den Insekten ganzjährig Nektar und Pollen an. Jetzt blüht bei uns zum Beispiel der Ölrettich, eine Zwischenfurcht, und die Luzerne, ein Klee als Futter für die Rinder.“ Durch seine Wirtschaftsweise unterstützt Hirschle die Vielfalt auf dem Acker und bietet den Insekten eine Nahrungsgrundlage. Dafür nutzt er eine ausgeklügelte mehrjährige Fruchtfolge und baut für gesunde und fruchtbare Böden nacheinander wechselnde Pflanzen an. Mit Früchten wie dem Kleegras, das quasi jeder Biolandwirt anbaut, erstreckt sich ein Anbauplan bis zu 8 Jahre. Auf blühenden Äckern und in Hecken finden Insekten das ganze Jahr über Nahrung – und wenn es Insekten gibt, profitieren auch die insektenfressenden Vögel von dem Nahrungsangebot. Das ist auch wissenschaftlich nachgewiesen: auf einem Quadratmeter Fläche finden sich auf einem Biofeld im Durchschnitt 277 Blüten (Quelle: Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen). Auch Beikräuter blühen, das heißt, es gibt also mehr Pollen und Nektar auf Bioflächen. „Es ist mittlerweile nachgewiesen, dass die Insektenzahl bei uns in Deutschland stark abnehmen. Insekten brauchen Blüten und haben es immer schwerer, sie zu finden. Viele andere Insekten wie Schmetterlinge, Wildbienen oder Schwebfliegen nehmen in ihrem Bestand ab“ so Hirschle weiter.

Besondere Bio-Ackerkulturen wie zum Beispiel Erbsen-Roggen-Gemenge und Leguminosen wie Ackerbohnen, Luzerne oder Rot-und Weißklee bereichern das Landschaftsbild. Durch die ganzjährige Blüte der verschiedenen Früchte auf den Biofeldern finden Insekten reichlich Futter. Das wirkt sich auch positiv auf Insektenfresser wie manche Käferarten, Spinnen oder Vögel aus. So bleibt die Artenvielfalt in der Landschaft erhalten. „Wir haben es doch in der Hand!“, ruft Hirschle auf, „Es kann jeder ein paar Blumen im Garten anpflanzen, die bei uns heimisch sind und früher angebaut wurden, traditionelle Pflanzen, die in verschiedenen Zeiträumen blühen. Das sieht auch noch schön aus und macht Spaß. Außerdem kann jeder durch den Kauf von möglichst regionalen Bioprodukten den Erhalt der Artenvielfalt in unserer Landschaft fördern.“

Neuestes Projekt des umtriebigen Biolandwirtes: zwei Stöcke mit Wildbienen, die im Hof stehen und bei ihm genug Futter finden werden.

Hintergrund: Auslöser für die aktuelle Debatte über das Insektensterben war die sogenannte Krefelder Studie. Diese kommt auf Grundlage von regionalen Langzeitmessungen zu dem Ergebnis, dass die Biomasse der Insekten über einen Zeitraum von gut 25 Jahren um 76 Prozent ab-genommen hat. Trotz teilweise deutlicher Kritik an den Messverfahren und an einigen sys-tematischen Mängeln wird die grundsätzliche Aussage der Studie nicht mehr bezweifelt.

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