Bioland-Milchviehtage

Fast 400 Teilnehmende lernten an drei Online-Milchviehtagen aktuelles Wissen für die Praxis.

Augsburg, 03. Dezember 2020. Für Milchviehbauern sind die Bayrischen Bioland-Milchviehtage ein fester Termin im Jahreskalender. Auch dieses Jahr durften sie nicht fehlen: An drei Tagen Anfang Dezember informierten sich über 400 Teilnehmer online über aktuelle Themen der Bio-Milchviehhaltung.
Neben Landwirten nahmen auch ganze Fachschulklassen sowie Vertreter von Landwirt-schaftsämtern und Landesanstalten an den Online-Veranstaltungen teil. Dank des Online-Formats konnte man sich aus jeder Region flexibel zuschalten, über Bayern hinaus von der Nordsee bis nach Südtirol. Etliche Teilnehmer nahmen an allen drei Tagen teil und belegten so eine komplette Online-Fortbildungsreihe. Das zeigt: ökologische Weiterbildung funktioniert auch virtuell gut.

Mit Melkroboter Kühe auf die Weide schicken

Der erste Bio-Milchvieh-Fachtag widmete sich der Verbindung Weidegang und automatisches Melksystem. Wie Weidegang mit Melkrobotern funktioniert, erklärte Uwe Eilers aus dem landwirtschaftlichen Zentrum Baden-Württemberg, Aulendorf. Er zeigte: Weidegang muss nicht zu einer geringeren Auslastung des Automatischem Melksystems führen, im Gegenteil! Es kann sich sogar positiv auf Funktion und Auslastung des Melkroboters auswirken, wenn die Kühe auf die Weide gehen.
Wie sie Weidegang mit Melkroboter auf ihrem Betrieb umsetzen, berichteten zwei Bioland-Landwirte. So habe Hans-Jürgen Bauer, ein Neueinsteiger in die Bioland-Milchviehhaltung im sommertrockenen Mittelfranken, nur positive Erfahrungen mit der Kombination aus Weide und AMS gemacht. Er freute sich, dass er nicht mehr Arbeitsaufwand mit dem Nachtreiben der Kühe habe, trotz ganztägigen Zugang 24 h zur Weide. Weiterhin motiviere ihn die sehr positive Rückmeldung aus der Bevölkerung, die wertschätzt, dass seine Kühe nun auf die Weide dürfen.
Konrad Stöger, langjähriger Bioland-Milcherzeuger aus dem niederschlagsgesegneten Allgäu, erklärte, wie er die Ziele Weidegang, Futter und Milchleistung miteinander in Einklang bringt. Er legt Wert auf größtmögliche Futteraufnahme aus dem Weidegras. Deswegen nutzt er auch Flächen, die nicht direkt zum Stall zugänglich sind und nimmt eine etwas geringere Auslas-tung des Melkroboters in Kauf.
Rüdiger Brügmann von der Bioland-Milchkoordinationsstelle stellte die Entwicklung des Bio-Milchmarktes in Zeiten der Corona-Pandemie vor. So halte sich der Bio-Milchpreis auf stabi-lem Niveau. Die Nachfrage nach Bio-Milch steige weiterhin kontinuierlich und man kann da-von ausgehen, dass sich diese Entwicklung weiter fortsetzt.

Wie Milchbauern die Kuhgesundheit fördern können

Der zweite Bio-Milchvieh-Fachtag zeigte an vielen Beispielen, wie man den Stall und die Haltungsbedingungen an die Bedürfnisse von Milchkühen stärker ausrichten kann.
Aufbauend auf seiner langjährigen Expertise und Praxiserfahrung erklärte Christian Manser vom landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen auf unterhaltsame Weise, wie man Kuhsignale erkennen und die Haltung mehr auf die speziellen Bedürfnisse der Tiere einstellen kann. Kleine Details können hierbei entscheidend sein.
So erläuterte Manser: Wenn die Kühe ihre Füße schüttelten, so sei das zum Beispiel ein Signal dafür, dass sie nicht gut stünden, entweder weil der Untergrund zu hart oder zu rutschig ist oder sie schon zu lange stehen müssen. Entspannung bringen gute Liegeboxen mit den richtigen Maßen, in die sich die Kühe gerne legen.
Bio-Landwirt und Klauenpfleger Christoph Reichenwallner schilderte ganz praktisch, worauf es ihm bei der Klauenpflege ankomme: So wenig wie möglich von den Klauen abtragen, von der hinteren Innenklaue nur das Nötigste, um die Trachtenhöhe zu erhalten.
Die entscheidenden Merkmale einer Liegebox mit hohem Liegekomfort erläuterte Uwe Eilers vom landwirtschaftlichen Zentrum Baden-Württemberg, Aulendorf. Bauform, Größe, Länge, Höhe der verschiedenen Elemente wie die Bugschwelle bewirken, dass bestimmte Verletzungen vermieden und Kuhkomfort erhöht werden kann. Eine Umfrage unter den Teilnehmern der Online-Veranstaltung ergab: 85% der Teilnehmer waren nach dem Vortrag von Uwe Eilers motiviert, den Liegekomfort im Stall einmal selbst zu beurteilen.
Bioland-Landwirt Josef Friedl aus Niederrieden (Allgäu) berichtet von seinen Erfahrungen mit der Ammenkuhhaltung: Neben den vielen Vorteilen dieser Haltungsform für Kuh und Kalb entspricht sie auch sehr den Verbrauchererwartungen. Dadurch kann Friedl einen guten Milchpreis erlösen.
Nicolas Barthelmè, Gründer des Vereins „Die Verbrauchergemeinschaft“, erläuterte die Milchmarke ‚Du bist hier der Chef‘. Der Ansatz dreht die Vermarktung um. Bei der Initiative können Verbraucher mitentscheiden, wie Lebensmittel entstehen: So nehmen sie Einfluss auf die Haltungsbedingungen der Kühe und die Entlohnung der Landwirte.

Kuh und Kalb vereint – Neue Wege in der Kälberaufzucht

Beim dritten Bio-Milchvieh-Fachtag standen ein gutes Stallklima durch Luft und Licht, die Kälberaufzucht und der Stallbau im Mittelpunkt.
Hier bereicherte erneut Christian Manser vom Landwirtschaftliches Zentrum St. Gallen das Programm. Er ist in ganz Europa als Berater zum Thema Kuhsignale unterwegs. Mit vielen Bildern und Praxisbeispielen verdeutlichte er, was für starke ‚Freunde‘ Licht und Luft für die Kuh das ganze Jahr über sind. Er ermunterte die Landwirte, einige der bewährten Praxisbei-spiele im Betrieb auszuprobieren.
Dr. Kerstin Barth vom Institut für Ökologischen Landbau in Trenthorst stellte Untersuchungs-ergebnisse zur kuhgebundenen Aufzucht der Kälber vor. Sie betonte, dass vor allem Bio-Betriebe Vorreiter bei der Entwicklung Methode waren und das Thema immer mehr ins Interesse der Wertschöpfungskette Milch rücke.
Zwei Stallbaufirmen zeigten gute Neu- und Umbaulösungen, von denen sich die Teilnehmer Ideen und Anregungen für ihren eigenen Betrieb holen konnten. Besonders interessant waren die Lösungen für die kuhgebundene Kälberaufzucht und für mehr Tierwohl durch Licht und Luft.

Austausch auch online möglich

Die Teilnehmer wurden immer wieder angeregt, sich aktiv zu beteiligen und mitzudiskutieren. Im Anschluss an das offizielle Programm nutzen die Teilnehmer die Möglichkeit, sich virtuell auszutauschen.

Online bietet Mehrwerte: Teilnehmer schätzten Angebot

Die Teilnehmer schätzten das Online-Angebot: Zum einen begrüßten viele Teilnehmer, dass sie sich trotz der aktuellen Kontaktbeschränkungen über den Online-Weg weiterbilden und flexibel von Zuhause aus ohne Anfahrtszeiten dabei sein konnten. Die Online-Fachtage waren so gut mit Hof und Familie vereinbar. Zum anderen lieferten hochkarätige Referenten aus Wissenschaft und Praxis wertvolle Impulse und hatten ihre Inhalte interessant aufbereitet. Kombiniert mit aktuellen Themen direkt aus der Forschung und der Praxis und die Möglich-keit, sich auch im Online-Format an vielen Stellen aktiv zu beteiligen und mitzudiskutieren und nicht zuletzt die virtuelle Kaffeepause mit der Möglichkeit, sich persönlich auszutauschen – das waren die Gründe, weswegen die Teilnehmer das neue Online-Angebot sehr schätzen.
Mit viel Engagement vorbereitet
Die Fachtage wurde von Bioland-Beratern mit viel Engagement vorbereitet und moderiert. Die Teilnehmer begrüßten die sehr gute Organisation und Vorbereitung, die hilfreiche Unter-stützung bei der technischen Vorbereitung, die abwechslungsreiche Moderation und vielseiti-ge Aufbereitung der interessanten Inhalte und die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen. Dem-nach fiel auch das Feedback der Teilnehmer fast durchgängig positiv aus: „Diese Konferenz-tage waren sehr lehrreich und sehr gut vorbereitet“, so einer der Teilnehmer im Anschluss im Online-Feedback.
Format auch in Zukunft beibehalten
Damit zieht Bioland Bayern ein positives Fazit: „Der Wunsch nach Austausch, Vernetzung und aktuellen Wissen ist groß – auch und gerade in dieser besonderen Zeit. Wir haben die derzeitige Lage als Chance begriffen und können positiv bilanzieren: Auch 2020 im neuen Online-Format boten die Bayrischen Bioland Milchviehtage wieder eine wichtige Plattform für Landwirte, die sich für aktuelle Fragen rund um die Bio-Milchviehhaltung interessieren. Wir sind überzeugt: Das neue virtuelle Format bietet einen Mehrwert für die Landwirte und die Interessierten am Biolandbau. Wir werden es auch zukünftig anbieten und weiterentwickeln“, so Landesvorsitzender Josef Wetzstein.

Milchviehtage Bioland Bayern

Das Ziel der Milchviehtage von Bioland Bayern ist, Landwirte unterstützen, innovative Metho-den vorzustellen, bewährte Praktiken näher zu diskutieren, Anregungen für den eigenen Be-trieb zu erhalten und sich mit Berufskollegen auszutauschen und zu vernetzen. Die Bioland-Milchviehtage werden jährlich von der Bioland-Beratung organisiert. Sie werden gefördert über das Bundesprogramm Öko-Landbau.
Hintergrundinformation Bioland-Beratung
Die Bioland-Beratung unterstützt Betriebe mit bietet ein breites Angebot: sie reicht von einer Umstellungsberatung über Grundberatung bis hin zu intensiven Beratungen zu speziellen Fachfragen in den verschiedenen Produktionsbereichen. Die Beratungsangebote sind auf die Bedürfnisse der Bauern zugeschnitten. Die Bioland-Berater stehen den Bauern sowohl vor Ort zur Seite und beraten sie zudem unter der kostenlosen Telefon-Hotline „Bioland direkt“ unter der Nummer 0800/1300400. Weitere Informationen auf www.bioland.de.

 

Bioland Bayern e.V.
Auf dem Kreuz 58, 86152 Augsburg

Katja Gilbert - Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Josef Wetzstein - Geschäftsführer

Tel. 0821 346800
Fax 0821 34680120
E-Mail: info(at)bioland-bayern.de
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Geschäftsleiter Agrarpolitik und Kommunikation
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Stellvertretende Pressesprecherin
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