25.07.2018

Vor und zurück: Brauchen wir noch die Zeitumstellung?

Jedes Jahr stellen wir zweimal die Uhr um - doch warum? (Foto: Imago)
Jedes Jahr stellen wir zweimal die Uhr um - doch warum? (Foto: Imago)

Von Marta Fröhlich

Seit 1996 stellen die Menschen in allen EU-Ländern die Uhr zweimal im Jahr um - im Sommer vor, im Winter zurück. Doch der Nutzen ist umstritten. Zwar knipsen die Deutschen, für die die Zeitumstellung seit 1980 gilt, laut Bundesumweltamt tatsächlich im Sommer abends seltener das Licht an, heizen dafür im Winter vor allem morgens umso mehr. Die Zeitumstellung birgt laut Medizinern gerade bei empfindlichen Menschen auch Risiken. Deshalb stimmte das EU-Parlament Anfang des Jahres dafür, dass die EU-Kommission die Abschaffung der Sommerzeit prüft. Aktuell läuft eine EU-weite Umfrage, ob und warum die Menschen die Zeit nicht mehr umstellen wollen. Sie haben dort die Möglichkeit, für die Winter- oder Sommerzeit zu plädieren und ihre Gründe dafür anzugeben.

Aber das alljährliche Drehen an der Uhr macht nicht nur Zweibeinern zu schaffen. Fakt ist: Gerade Kühe sind wahre Gewohnheitstiere. Wenn sie nicht täglich zur gleichen Zeit gefüttert und gemolken werden, werden sie maulig. Das weiß auch Landwirtin Katrin Wiederhold-Gerland. Sie betreibt einen Bioland-Hof in Borken. "Wir haben zwar jetzt einen Melkroboter, da können die Kühe zum Melken hingehen, wann es ihnen passt", erzählt sie, "doch früher haben wir die Zeitumstellung über ein paar Tage gestreckt, sodass es für die Tiere angenehmer war, immer so um zehn bis 15 Minuten." Und das sanfte Umstellen war nötig. Kam die Bäuerin eine Stunde später in den Stall, drückten schon die Euter und die Kühe machten sich mit Rufen bemerkbar; kam sie früher als üblich, wurde sie von den Vierbeinern erstaunt angeschaut, da diese sich noch in ihrer Ruhephase befanden.

Elke Haas vom Bioland-Milchviehbetrieb Haas & Ziesel aus Neuried kann sich noch gut an die Zeit vor dem Melkroboter erinnern. Sie hat die Zeitumstellung einfach ignoriert und den Rhythmus der Tiere beibehalten. Heute muss sie nach eigener Aussage den Wechsel von Sommer- auf Winterzeit nicht haben und würde für eine Abschaffung stimmen. Ginge es nach Bioland-Milchbauer Tobias Köhne, gäbe es keine Winterzeit mehr. "Ich stehe lieber früher auf und habe dafür abends mehr Zeit und Licht", sagt er. Auch für seine Kühe wäre es einfacher. Die Tiere tun sich vor allem mit der Umstellung von Winter- auf Sommerzeit schwer. Dann wird in zwei Schritten der Melkzeitpunkt um je eine halbe Stunde verschoben.

"Da hat erfahrungsgemäß jeder Landwirt eine eigene Strategie", berichtet Daniel Bischoff, Bioland-Berater zur Milchviehhaltung. Nur etwa 5 bis 10 Prozent der Bioland-Bauern haben Melkroboter, die das pünktliche Melken überflüssig machen. Alle anderen finden individuelle Lösungen für ihr Vieh. Je höher die Leistung der Kühe sei, desto sanfter ginge die Umstellung vonstatten. "Zwar gewöhnen sich die Tiere an solch eine Umstellung, aber eine Stunde kann für sie schon viel sein", weiß er.

Sommerzeit oder Winterzeit behalten? Oder alles wie bisher? Hier geht's zur Umfrage der Europäischen Kommission.

Vor oder zurück?
So merken Sie sich, wann Sie die Uhr wie umstellen müssen: Im Sommer werden die Kühe vor den Stall gestellt (Uhr eine Stunde vor stellen), im Winter wieder zurück.

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