16.07.2019

Naturnahe Gärten statt Vorgärten des Grauens - 10 Jahre Naturgarten und Bioland

„Fachbetrieb für naturnahes Grün – Empfohlen von Bioland“: Seit 2009 arbeiten der Verein Naturgarten und Bioland erfolgreich zusammen.

Vor zehn Jahren schlossen sie eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit: Bioland und der Verein Naturgarten. Das Jubiläum ihrer Kooperation haben die beiden Organisationen am 13. Juli mit einem kleinen Festakt auf der Bundesgartenschau in Heilbronn gefeiert und sich gegenseitig versprochen, künftig noch intensiver zu kooperieren.

Im Naturgarten e.V. haben sich 1990 Landschaftsgärtner zusammengeschlossen, die naturnahe Gärten gestalten wollen. Bereits damals hat der Verein Standards für „Fachbetriebe für naturnahes Grün“ entwickelt. „Wir haben 1999 die ersten fünf Gartenbaubetriebe zertifiziert“, erzählte Dr. Reinhard Witt, Präsident des Vereins, auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Bioland.

Inzwischen gehören 22 Fachbetriebe für Garten- und Landschaftsbau zum Verein. Sie gestalten Privatgärten, die Außengelände von Unternehmen, Schul- und Kitagärten und öffentliches Grün – bis hin zur Bepflanzung von Straßenrändern und Verkehrskreiseln. Auch vier Gärtnereien, die Bäume, Sträucher, Stauden und Saatgut produzieren, gehören zu den Naturgarten-Fachbetrieben, zum Beispiel die Bioland-Gärtnerei Strickler im rheinland-pfälzischen Alzey. Seit 2009 bietet der Verein eine zweijährige Ausbildung zum Naturgärtner an. Inzwischen können sich die Gartenbauer „Fachbetrieb für naturnahes Grün – Empfohlen von Bioland“ nennen. Das ist das Ergebnis der Kooperation der beiden Vereine, die 2009 begründet worden ist. Gemeinsam wurden Richtlinien entwickelt, die definieren, was ein Bio-Naturgarten ist. Kulturpflanzen und Saatgut stammen, soweit als möglich, aus biologischem Anbau. Besonders wichtig aber ist, dass die im Naturgarten verwendeten Blumen, Stauden und Sträucher zum größten Teil heimische Wildpflanzen sind. Tabu sind invasive Pflanzen, die die heimische Flora gefährden, tabu sind auch gewisse Baustoffe wie Tropenholz, Steine aus Übersee oder PVC. Mehr als 100 Gartenbau- und Begrünungsprojekte der Fachbetriebe sind inzwischen zertifiziert, „die Marke ‚empfohlen von Bioland‘ funktioniert sehr gut“, berichtete Witt.

Viel wird noch falsch gemacht

„Biodiversität ist zu einem der wichtigsten gesellschaftspolitischen Themen geworden“, sagte Marcus Arzt, Bioland-Gemüsebauer aus Ditzingen und Präsidiumsmitglied von Bioland. Die Zusammenarbeit des Bio-Verbands und Naturgarten e. V. sei daher umso wichtiger. Zentrale Ansätze der Kooperation sieht er in gemeinsamer politischen Arbeit, in der Saatgutvermehrung von Wildpflanzen durch Bioland-Landwirte, im Angebot autochthoner Pflanzen durch Bioland-Gärtner, aber auch in der gemeinsamen Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Wie wichtig die Zuarbeit der Gärtner für die Garten- und Landschaftsbauer ist, unterstrich auch der Bioland-Gärtner Friedhelm Strickler: „Im Frühjahr hatten wir wochenlange Lieferengpässe bei Pflanzen.“ Denn – siehe oben – das Interesse am Thema Artenvielfalt ist enorm gestiegen und die Fachbetriebe für naturnahes Grün können sich vor Aufträgen kaum retten.

Auch wenn es sehr erfreulich ist, dass inzwischen viele Menschen in ihrem Bereich etwas für die Artenvielfalt tun wollen, viel werde falsch gemacht, beklagen die Experten von Naturgarten. So sind viele der angebotenen Blühmischungen zwar gut für Honigbienen und einige „Generalisten“ unter den Insekten, nutzen den zahlreichen Wildbienenarten aber wenig. Hier sei noch viel Aufklärungsarbeit nötig.

Die wollen die beiden Vereine nun verstärkt gemeinsam machen, durch Öffentlichkeitsarbeit, aber auch auf gemeinsamen Tagungen. Damit „wir gemeinsam dem Leben mehr Raum geben“, wie Marcus Arzt sagte. Die Arbeit von Naturgarten ist interessant für Bauern und Bäuerinnen, die ihre Hofstelle naturnah gestalten wollen, genauso für Bioland-Partner, die ihre Betriebsgelände begrünen möchten. Der Verein Naturgarten hat übrigens einen Schaugarten auf der Bundesgartenschau in Heilbronn eingerichtet, der noch bis zum 6. Oktober zu besichtigen ist.

Weitere Informationen: www.naturgarten.org

Zurück zur Übersicht