Praxisforschung

Sowohl der Ökolandbau als auch Bioland entwickeln sich ständig weiter: neue Rahmenbedingungen erfordern neue Techniken und Herangehensweisen, bestehende Schwierigkeiten werden angegangen und Tüftlergeist erschließt ganz neue Bereiche. Das war schon von Anfang an so: Bioland wurde von Pionieren aufgebaut und in den folgenden Jahrzehnten durch ein enges Miteinander von Praktikern, Beratern und Forschern weiter entwickelt.

Die Abteilung Forschung und Entwicklung knüpft bei Bioland an diese Tradition an. Wir führen spannende Projekte durch, die den ökologischen Landbau in ganz unterschiedlichen Themenbereichen voranbringen und weiter entwickeln. Die Projekte begleiten wir dabei von der ersten Idee bis zur Ergebnisaufbereitung. Wir arbeiten in den drei großen Bereichen Pflanze, Tier und Sozioökonomie und kümmern uns von A(ckerbohne) bis Z(ierpflanzen) um vielfältige Themen, die wichtig für unsere Landwirte sind. Informationen gibt es sowohl zu unseren laufenden Projekten (runterscrollen und draufklicken) als auch hier zu den bereits abgeschlossenen Projekten.

Wichtig ist uns aber nicht nur zu zeigen was wir tun, sondern auch neue Themen und Bedarfe aus der Praxis aufzugreifen. Wir freuen uns von Ihnen zu hören, schreiben sie uns gerne eine E-Mail (praxisforschung@bioland.de). 

Unser Ziel ist es, unsere Projekte so aufzubauen, das Landwirte bzw. Verarbeiter und deren Berater zusammen mit Wissenschaftlern partnerschaftlich an Verbesserungen und Lösungen von Problemen arbeiten. Wir nennen das Praxisforschung. Mithilfe von Praxisforschung soll zum einen die Frage geklärt werden: „Funktioniert es auf Ebene eines Praxisbetriebs?“ Zum anderen können auch Anwendungen, Verfahren und Ideen aus der Praxis an die wissenschaftlich vertiefende Forschung herangetragen werden, mit der Frage „Funktioniert es grundsätzlich auch unabhängig vom jeweiligen Betrieb?“. Praxisforschung verbindet Wissen von Forscher und Landwirt bzw. Verarbeiter und deren Berater. In diesem Konzept sind Austausch und kritische Reflexion bereits integrativer Bestandteil der Forschung, wobei der Landwirt sowohl von den Ergebnissen profitieren soll als auch die Fragestellung und Durchführung mitgestaltet.

Die Beratung nimmt hier eine besondere Rolle ein. Der direkte Kontakt (große Nähe/gute Beziehung) von Praxis zu Beratung, wie sie insbesondere für Öko-Verbände eigen ist, ermöglicht diese Art der Forschung erst.

Projekte Themenbereich Pflanze

In diesem Projekt werden die Kulturverfahren und der Pflanzenschutz im Bio-Zierpflanzenanbau weiter  optimiert.

In diesem Projekt wird eruiert, welche Rückgewinnungs- und Recyclingverfahren sowie die daraus entstehenden Produkte für den Ökolandbau geeignet sind, um sauberes Phosphor aus kommunalen Anlagen wieder in die Betriebskreisläufe zurückzuführen.

In diesem Projekt wird eine technische, funktionssichere Maschinenkombination (Pflug-Mulch-System) entwickelt, die die ackerbaulichen Vorzüge des Pflügens mit wesentlichen Vorteilen einer Mulchsaat verknüpft.

Im „Modellhaften Demonstrationsnetzwerk Erbse/Bohne“ werden bundesweit konventioneller und ökologischer Anbau und Verwertung von Erbsen und Bohnen gezeigt, um durch die Vermittlung praxisrelevanten Wissens den Anbau dieser Kulturen zu stärken und damit die heimische Eiweißversorgung zu verbessern.

Im EU-Projekt NEFERTITI werden Handreichungen für nützliche und gelungene Demoaktivitäten erarbeitet und durchs Tun weiterentwickelt, durch den europaweiten Austausch werden auch Innovationen auf den Betrieben gefördert.

Themenbereich Tier

In diesem Projekt werden Hühnerrassen gezüchtet, die an die Gegebenheiten des Ökolandbaus angepasst sind. Außerdem werden Kriterien für eine ökologische Hühnerzucht erarbeitet.

In den Projekten "Potentialanalyse" und "Grünleguminosen" arbeitet die Bioland Praxisforschung gemeinsam mit Wissenschaft und Beratung daran, heimische Eiweißträger wie Rotklee und Luzerne in der Ration für Monogastrier effizient nutzbar zu machen. In einem arbeitsteiligen Ansatz werden die erarbeiteten Konzepte anschließend in der Praxis umgesetzt und bei Bedarf an die Praxisbedingungen angepasst.

In diesem Projekt werden Betriebe dabei begleitet, ihre Herde von enthornten auf behornte Milchkühe umzustellen oder die Anbindehaltung durch Laufstallhaltung mit behornten Kühen zu ersetzen. Daraus werden grundsätzliche Empfehlungen für diesen Prozess abgeleitet.

Das Projekt soll helfen, das Ziel der 100 % Ökofütterung in der ökologischen Landwirtschaft zu erreichen. Dazu sollen Landwirte, Züchtereien und Futtermittelproduzenten unterstützt werden. Lösungsansätze werden in regionalen Innovationsgruppen gesammelt, getestet und veröffentlicht.

Das Projekt untersucht innovative Weidestrategien für Milchkühe und Jungtiere. Ziel ist es, die Grundfutteraufnahme zu erhöhen, Tiergesundheit und Tierwohl zu erhöhen und die weidebasierte Milchproduktion im Hinblick auf Nachhaltigkeit zu verbessern.

Themenbereich Betriebsentwicklung

Das LIFE-Projekt entwickelt auf zwölf Bio-Betrieben in verschiedenen Klimazonen Europas spezielle klimafreundliche Landbaumethoden. 

Wie nachhaltig sind eigentlich unsere Betriebe? Wie lässt sich Nachhaltigkeit überhaupt bewerten und einzelbetrieblich verbessern? Antworten darauf werden mit Hilfe von „RISE“ gesucht.

Im Projekt sollen Informationen zur Frage bereitgestellt werden, welche Ansätze einer Nachhaltigkeitsbewertung landwirtschaftlicher Systeme geeignet erscheinen, um als Orientierungsrahmen für eine ökonomisch tragfähige, sozial- und umweltverträgliche Gestaltung der zukünftigen Agrar- und Umweltpolitik dienen zu können.