17.09.2018

Öko-Züchtung sucht neue Geldquellen

FiBL schlägt Finanzierung durch den Einzelhandel vor

Aus den wachsenden Umsätzen mit Bio-Produkten im Einzelhandel könnte ein wachsender Geldstrom für die ökologische Entwicklung von Pflanzensorten und Tierrassen erwachsen. So die Idee der Supportstelle ökologische Pflanzenzüchtungsforschung. Diese Projektgruppe des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) schlägt vor, am Ende der Wertschöpfungskette ein bis zwei Promille des Umsatzes mit Öko-Lebensmitteln abzuschöpfen. Das Geld soll in einen Pool fließen, aus dem in einem transparenten Verfahren Züchtungsprojekte der Pflanzen- und Tierzüchtung finanziert werden.

„Das Geld, das bisher für ökologische Züchtungsforschung zusammen kommt reicht einfach nicht mehr aus“, stellte Freya Schäfer vom FiBL fest. Bei einem Workshop in Frankfurt warb sie für ein langfristig tragfähiges Finanzierungskonzept für Öko-Züchtung. Langfristig sind zehn bis 20 Millionen Euro notwendig, schätzt Monika Messmer vom FiBL Schweiz. Die aktuellen Kosten für Bio-Züchtungsaktivitäten summieren sich auf zwei bis drei Millionen Euro, hat die Supportstelle errechnet. Schon dafür reicht die bisherige Finanzierung aus Stiftungsgeldern, öffentlichen Mitteln, von Unternehmen der Bio-Branche und privaten Spenden nicht aus. In der Öko-Getreidezüchtung deckten 2013 diese Geldquellen lediglich 52 Prozent der Ausgaben. In den einzelnen Züchterhäusern schwankt dieser Anteil zwischen 35 und 82 Prozent.

Für die Weiterentwicklung der Bio-Branche ist eine eigenständige ökologische Züchtung unverzichtbar, auch um die Integrität der Öko-Produktion zu erhalten, hob BÖLW-Vorstand Felix Prinz zu Löwenstein hervor. Denn die Zukunft wird immer neue technologische Züchtungsverfahren bringen, die nicht mit den Prinzipien des Ökolandbaus in Einklang stehen, warnte Prof. Klaus-Peter Wilbois, Hochschule Weihenstephan in Triesdorf. Zu Löwenstein wies auf die großen Unterschiede zwischen der Tier- und der Pflanzenzüchtung hin: „In der Pflanzenzüchtung in Deutschland haben wir mit den vielen kleinen und mittelständischen Züchtungshäusern einen Schatz. In der Tierzüchtung ist schon fast alles verloren.“

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