20.01.2020

Gezieltes Marketing fördert Vielfalt

Heimische Nutztierrassen weiter gefährdet

Viele einheimische Nutztierrassen sind gefährdet. Das zeigen aktuelle Zahlen zu den Beständen in der Liste der einheimischen Nutztierrassen (Rote Liste), die die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) kürzlich veröffentlich hat: 54 von insgesamt 77 einheimischen Rassen sind als gefährdet eingestuft. Das gilt vor allem für Pferde-, Rinder- und Schweinerassen. Für Schafe und Ziegen gibt sich die BLE in einer Mitteilung optimistisch.

Gute Nachrichten gibt es für das Rhönschaf: Dank staatlicher Förderprämien, der Zusammenarbeit mit dem Naturschutz und einem umfangreichen Regionalmarketinghaben sich die Bestände so gut entwickelt, dass die Rasse in der aktuellen Erhebung als „nicht gefährdet“ eingestuft werden kann. Auch das Brillenschaf konnte in eine geringere Gefährdungsstufe eingeordnet werden als „Beobachtungspopulation". Der Einsatz von Schafen im Vertragsnaturschutz spielt hier eine wichtige Rolle.

Für die drei deutschen Ziegenrassen, die derzeit alle als gefährdet eingestuft sind, gibt sich die BLE in der Veröffentlichung optimistisch. Die steigende Nachfrage nach Ziegenmilch und Produkten daraus könne dafür sorgen, dass wieder mehr Weiße und Bunte Deutsche Edelziege sowie Thüringer Waldziegen gehalten werden. Wie dringlich ein bundesweites Zuchtprogramm für die gefährdeten Ziegenrassen ist, wurde bei der Internationalen Bioland Schaf- und Ziegentagung deutlich. Ein Bericht von dieser Tagung erscheint in der Februar-Ausgabe des bioland-Fachmagazins.

Großen Handlungsbedarf erkennt die BLE hingegen bei Rinderrassen: 15 der 21 einheimischen Rassen sind weiterhin gefährdet. Die bisherigen Instrumente, wie Haltungsprämien und Projektförderung von Bund und Ländern, sollen beibehalten werden, empfehlen die Autoren. Die BLE hofft auch für Rinderrassen auf einen positiven Effekt, wenn die Nachfrage auf eine rassespezifische Vermarktung von Fleisch sowie von Milch und Molkereiprodukten anspringt.

Alte Nutztierrassen verdienen die gleiche kulturelle Wertschätzung wie Baudenkmäler. Um die Vielfalt einheimischer Nutztierrassen zu sichern und auf sich ändernde Anforderungen an die Tierhaltung zu reagieren, sind Maßnahmen, wie Erhaltungszuchtprogramme und die Einlagerung von Kryoreserven in die Deutsche Genbank landwirtschaftlicher Nutztiere, von großer Bedeutung. Die Rote Liste kann bei der BLE unter der Telefonnummer 0228/ 6845-3237 oder per E-Mail angefordert werden. Sie steht auch zum Download bereit.

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