18.10.2019

Gegen den blinden Fleck

Landwirtschaft auf der Buchmesse

Die konventionelle Landwirtschaft und vor allem die Tierhaltung ist mit ihrem Wachstum an unübersehbare Grenzen gestoßen, meint Grünen-Politiker Robert Habeck. Er plädierte bei der Frankfurter Buchmesse dafür, den Fleischverzehr und den Verbrauch tierischer Produkte in Deutschland zügig um die Hälfte zu reduzieren. „Das geht“, ist er überzeugt. Wie notwendig diese Veränderung sei, werde jedem bei der Lektüre des Buchs „Tierreich“ des französischen Schriftstellers Jean-Baptiste Del Amo besonders deutlich. „Das Buch deckt den blinden Fleck unserer Gesellschaft auf“, sagte Habeck, „Tiere müssen mehr Respekt erfahren.“

Der Roman begleitet realitätsgetreu eine bäuerliche Familie mit Schweinezucht über drei Generationen. Del Amo schildert die Nöte und Zwänge, die zu immer neuen Wachstumsschritten des Betriebs führen. Zugleich beschreibt er kenntnisreich die Veränderungen in der Schweinehaltung über Jahrzehnte. Keineswegs verklärt er die Vergangenheit. Aber seine Analyse für die Zukunft ist eindeutig: „Eine Veränderung zum Besseren, zu einer Tierhaltung, die unseren ethischen Vorstellungen entspricht, kann nur in einer Abkehr vom Wachstum gelingen“, sagte der Autor in Frankfurt.

„Ich verstehe den Frust der Bauern“, sagte der Grünen-Politiker und zeigte Verständnis dafür, dass die bisherigen Instrumente der Agrarpolitik Anreize gesetzt haben, deren Ergebnis die heutige moderne Tierhaltung ist. „Unsere Gesellschaft wird sich in naher Zukunft in vielen Bereichen stark verändern. Das sollten wir gestalten“, erinnerte der Politiker daran, dass auch anderen Branchen große Umbrüche bevorstehen.

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