07.10.2019

Bio-Händler und AfD-Funktionär im Clinch

Hirsemühle darf nicht mehr liefern

Der Leipziger Bio-Markt Biomare hat als erster Bio-Händler alle Produkte der Spreewälder Hirsemühle aus seinem Sortiment genommen und seine Kunden über die Hintergründe informiert: Der Geschäftsführer der Hirsemühle in Kolkwitz-Krieschow, Jan Plessow, ist Kreisvorstand der AfD. Die damit verbundene Weltanschauung passe nicht zum Naturkosthandel, findet Biomare-Geschäftsführer Malte Reupert. Insbesondere stört ihn, dass die Partei den menschengemachten Klimawandel leugnet. Reupert hat den Dialog mit Plessow gesucht und auf der Homepage veröffentlicht.

Am Regal im Bioladen erklärt ein Hinweisschild: „Die wichtigste Aufgabe von Biomare sehen wir darin, ein nachhaltiges Sortiment zusammenzustellen. Darin haben Produkte aus einem Hause, das sich gegen mehrere wichtige Kriterien für Nachhaltigkeit stellt, keinen Platz. Der Inhaber der Spreewälder Hirsemühle ist AfD-Funktionär, diese Partei leugnet den menschengemachten Klimawandel. Damit stellt sich der maßgebliche Entscheider der Spreewälder Hirsemühle gegen die Werte von Biomare und der gesamten Bio-Branche.“

Zudem vertrete die AfD gesellschaftspolitische Standpunkte, die „viele von uns ganz persönlich ausgrenzen und herabwürdigen“, nennt Reupert weitere Argumente. So auch die aggressive auf simple Schuldzuweisungen beruhende politische Kultur der AfD. „Eine solche Haltung akzeptieren wir weder innerhalb unseres Unternehmens noch in unseren Beziehungen nach außen“, teilte Reupert mit.

Die Berliner Bio-Supermarktkette Bio Company und Alnatura haben die Produkte der Spreewälder Hirsemühle ebenfalls ausgelistet. Der Zwist in der Bio-Branche ist mittlerweile auf breites Medienecho gestoßen, auch in rechten Publikationen. Reupert bleibt gelassen und beruft sich auf sein Recht als Händler, Lieferanten auszuwählen.

Plessow selbst, der jetzt über unfaire Geschäftspraktiken klagt, hat für seine Mühle eine Hirsesorte schützen lassen, die er aus russischer Züchtung bekommen hat: Die Sorte Krupnoskoroe. Allerdings hält er sich nicht an die unter Züchtern übliche Gepflogenheit, Sortenmaterial für Versuchs- und Züchtungszwecke zur Verfügung zu stellen.

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