Prominentes Brot: Bernd aus dem Kinderkanal (Foto: imago)
11.03.2015
Wissenswertes und Kurioses

Womit verdienen Sie Ihr Brot?

Wie wichtig Brot als eines unserer Grundnahrungsmittel ist, sieht man schon daran, in wie vielen Redewendungen es auftaucht. Brot kann aber noch mehr sein: Unterhaltung, Kunst - und manchmal auch eine Gefahr für die Gesundheit. Von Julia Romlewski

Der Deutsche und sein Pumpernickel: Im Ausland gilt Pumpernickel immer noch als typisch deutsches Brot. Grob, schwer und dunkel wie es ist, macht es eben mächtig Eindruck, rief in der Geschichte aber auch Spott hervor. So ist überliefert, dass sich Gesandte aus Frankreich und Belgien vor ein paar hundert Jahren alles andere als begeistert über den Roggenschrot zeigten. Lange galt Pumpernickel denn auch als Spottname für Vollkornbrot. Seine Ursprung soll es in Westfalen haben. Wo der Name Pumpernickel herkommt, weiß man nicht so genau. Es gibt viele Theorien. Eine ist besonders hübsch: Danach bedeutet Pumpernickel so viel wie "furzender Nikolaus"- und war ein Schimpfwort für einen Flegel. Pumpernickel könnte aber auch eine Verballhornung von bonum paniculum (gutes kleines Brot) sein. Brot, das die Stadt Osnabrück um 1400 während einer Hungersnot backen ließ. 

Jede Menge Redewendungen: Früher mussten sich die Bauern bei der Mühle anstellen, wenn sie ihr Getreide mahlen lassen wollten. Das hat sich in der Redewendung "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst" erhalten. Jemand der "kleinere Brötchen backen" muss, muss sich zurücknehmen, war vielleicht zu vorlaut oder hatte einen Misserfolg. Denn so wie Brot für Arbeit, Leben und Erfolg steht, stehen kleinere Brote entsprechend für weniger Erfolg. "Womit verdienst du dein Brot?" hat man früher auch gefragt. Jemand, der "in Lohn und Brot steht", hat eine feste Anstellung. Und wenn vom "Brot- und Buttergeschäft" eines Unternehmens die Rede ist, muss es sich nicht um einen Lebensmittelkonzern handelt. Es geht ums Kerngeschäft. "Flüssiges Brot" gibt es auch - Bier.

Mutterkorn-Alarm: Eine befallene Ähre (Foto: imago)
Mutterkörner: Vor diesen schwarzen Körnern, die winzig klein, aber auch richtige Klumpen sein können, haben manche eine Heidenangst. Kein Wunder: Dieser parasitäre Pilz, der Getreide befällt, kann hochgiftig sein. In der "richtigen" Dosis löst er schwere Vergiftungen aus und kann sogar zum Tod führen. In den Mühlen werden Mutterkörner ausgesiebt, zumindest die größeren. Loses Getreide sollte man aber selbst immer auf Mutterkörner untersuchen, bevor man es fürs Müsli schrotet oder mahlt. Auch wenn die giftige Wirkung beim Backen nachlässt, wie das Bayerische Landesamt für Lebensmittelsicherheit sagt.

Berühmtheit: Ein weißes Kastenbrot mit zu kurzen Armen hat es zu einer ziemlichen Berühmtheit geschafft und sogar vor zehn Jahren den Grimme-Preis gewonnen: Bernd, das Brot. Immer deprimiert, immer schlecht gelaunt, aber immer noch da - im Kinderkanal Kika. Ein Bollwerk gegen den Gute-Laune-Zwang im Fernsehen - und das seit gut 15 Jahren. 

Aberglaube: Ein Brot soll man nicht auf die Oberseite legen, sonst bringt es Unglück, sagt man. Wer Brotbrösel unter den Tisch kehrt, der muss sie nach seinem Tode wieder zusammenklauben, heißt es. Backt man am Ruhetag, dem Sonntag, Brot, verwandelt es sich nach dem Volksglauben als Strafe in Stein. Bekommt das frischgebackene Brot an der Unterseite Risse, soll eine Braut im Anmarsch sein.

Unverträglichkeiten: Die meisten mögen Brot am liebsten ganz frisch. Am besten sollte es noch warm sein. Besser ist es allerdings, Vollkornbrot ein, zwei Tage liegenzulassen, dann ist es verträglicher. Denn frisches Brot kann zu Blähungen führen. Erst am zweiten Tag essen hilft allerdings nichts, wenn man an Glutenunverträglichkeit leidet, einer Allergie gegen das Klebereiweiß in Getreide wie Weizen, Roggen und Dinkel. Die Unverträglichkeit kann sich etwa durch Verdauungsstörungen bemerkbar machen. Die gute Nachricht: Es gibt Ersatz. Mais, Reis, Hirse und Buchweizen zum Beispiel sind glutenfrei. 

Romantik pur: Eine Windmühle in Mecklenburg-Vorpommern (Foto: imago)
Romantik: Im Iran gibt es Teppichmuseen, bei uns Brotmuseen: Das Europäische Brotmuseum in Ebergötzen bei Göttingen etwa oder das Museum der Brotkultur in Ulm. Da kann man sehen, wie es früher in einer Backstube aussah, oder welche Rolle Brot als Motiv in der Kunst spielte. Man kann Öfen bewundern, Brotkutschen und historische Mühlen. Wind- oder Wassermühlen wurden im 20. Jahrhundert durch Motoren verdrängt, gelten aber noch als Inbegriff von Romantik. Manche sind heute zu Hotels umfunktioniert, wo man romantische Wochenenden zu zweit verbringen kann. Natürlich ohne Mehlstaub.

Länger Freude am Brot: Am besten hält sich Brot in einem Ton- oder Steingutgefäß, sagt der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks. Warum das so ist? Die Poren im Ton oder Stein nehmen überschüssige Feuchtigkeit auf und geben sie wieder ab, wenn das Brot austrocknet. Brotkästen sollten generell nicht luftdicht sein, damit die Luft zirkulieren kann und kein Schimmel entsteht. Außerdem sollte man den Kasten regelmäßig mit Essig reinigen. Manche Menschen bewahren Brot im Kühlschrank auf. Das sollte man besser lassen. Dort verliert das Brot an Feuchtigkeit und Geschmack und wird schnell altbacken. Auch ein Begriff, der in die Alltagssprache eingegangen ist. Altbacken meint altmodisch, überholt, uninspiriert. Kurz: fad. Wie altes Brot eben.

Kunst: Brot kann auch Kunst sein. Und damit sind jetzt nicht die vielen Meisterwerke gemeint, auf denen Brot zu sehen ist, als Teil eines Stilllebens (etwa von Cézanne), als religiöses Symbol beim Abendmahl von Da Vinci oder surrealistisch verzerrt wie bei Dali. Die US-Künstlerin Brittany Powell hatte eine witzige Idee: Sie stellt Kunstwerke - etwa von Christo - mithilfe von Brot und Brotbelägen nach. Brot als Kunstmaterial - sehenswert!

Navi: Als Navigationshilfe hat Brot eher traurige Berühmtheit erlangt. Seit unserer Kindheit wissen wir, dass Brotkrumen nicht dazu taugen, den Rückweg zu finden. Werden die Brotkrumen, die Hänsel und Gretel im Wald ausstreuen, um wieder nach Hause zu finden, doch von den Vögeln aufgepickt.

Mehr zum Thema

Auf bioland.de: