04.03.2014
Eine Gärtnerin gibt Auskunft

"Ran an den Kompost!"

Was jetzt im Garten zu tun ist: TV-Gärtnerin und Buchautorin Heike Boomgaarden über Fitnesstraining im Staudenbeet, Obstbäume, Frühbeete und die wichtigste Tugend des Gärtners - Gelassenheit.

IM FOKUS: Die ersten wärmenden Sonnenstrahlen hat es ja schon vor einer Weile gegeben, aber jetzt ist endgültig klar, dass der Frühling kommt. Was ist nun im Garten das Allerdringendste?

Boomgaarden: Ja, jetzt geht’s los! Jetzt kann man im Garten schon das erste Workout machen, darauf haben viele leidenschaftliche Gärtner wie ich schon gewartet. Als erstes werden mal die Staudenbeete von altem, abgestorbenem und vertrocknetem Material befreit...

IM FOKUS: Wie bitte? Es heißt doch immer, dass man die Staudenstängel möglichst lange stehen lassen soll.

Boomgaarden: Ja, das stimmt, vor allem die unteren Stängelteile und der Wurzelbereich, die sind wichtig für Kleintiere zum Überwintern, zum Beispiel für Wildbienen und Schmetterlinge. Aber das ist ja vorbei. Jetzt ist auch der richtige Zeitpunkt, um die ersten Unkräuter zu zupfen, die gehen noch leicht aus der lockeren Erde. Und dabei kann man ruhig mal auf die Knie gehen und am besten auf allen Vieren durch die Stauden krabbeln, das trainiert alle Muskelgruppen.

IM FOKUS: Kann man direkt ins Beet schon was säen?

Boomgaarden: Ja, in den klimatisch bevorzugten Regionen kann man jetzt schon die ersten Gemüsearten ins Freiland aussäen: Radies, Erbsen, Karotten, Spinat, Zwiebeln und Salate.

IM FOKUS: Sie selbst leben im Hunsrück, wie sieht es da aus?

Boomgaarden: Bei uns im Hunsrück kann es nachts noch lange kalt werden, da muss man die jungen Pflanzen sicherheitshalber mit einem Vlies abdecken.

IM FOKUS: Haben Sie ein Frühbeet? Ist das sinnvoll?

Boomgaarden: Ich liebe Frühbeete und solche Dinge! Auch Folientunnels, Gewächshäuser, das ist alles sinnvoll, vor allem in Gegenden wie bei uns, wo das Klima ein bisschen rauer ist.

IM FOKUS: Kann man Obstbäume und -sträucher jetzt noch schneiden?

Boomgaarden: Den Schnitt der Obstgehölze sollte man im März zum Ende bringen. Die frühen Obstarten wie Aprikosen, Mandeln und teilweise auch die Pfirsiche sind in den warmen Regionen wie der Pfalz und Rheinhessen schon aufgeblüht, und die Beerenobstarten haben mit dem Blattaustrieb begonnen. Kernobst wie Apfel, Birne und Quitte verträgt jetzt noch einen Schnitt, denn hier ist noch keine Bewegung in den Knospen.

IM FOKUS: Aus dem Obstbaumschneiden machen manche eine regelrechte Wissenschaft, andere schnibbeln einfach drauf los. Was ist richtig?

Boomgaarden: Einfach drauflos schnibbeln ist ganz falsch, ein paar Dinge muss man schon beachten. Der Kronenaufbau zum Beispiel, in der Regel als Pyramide, das heisst oben schlank und nach unten breiter werdend. Und zu der Frage, wie man schneidet, die drei wichtigsten Regeln: Erstens braucht jeder Baum eine Mitte, das heißt die Stammverlängerung soll der längste und stärkste Trieb sein, die Konkurrenztriebe entfernt man. Zweitens: Nach innen wachsende, zu steil stehende und überkreuzende Triebe entfernt man ebenfalls. Und drittens: Baumkronen brauchen Licht - deshalb lieber mal einen größeren Ast entfernen als viele kleine.

IM FOKUS: Unterschiedliche Ansichten gibt es auch zu den senkrecht aufschießenden Wassertrieben.

Boomgaarden: Bei zu stark wachsenden Bäumen mit vielen und langen "Wasserschossern" schneidet man diese am Besten nach der Blüte oder noch besser im Juli/August heraus. Dadurch nimmt man dem Baum überschüssige Energie, und das Triebwachstum beruhigt sich. Und bitte dran denken: Solche Bäume die nächsten zwei bis drei Jahre nicht düngen.

IM FOKUS: Wie steht’s mit dem Kompost, kann man den jetzt umsetzen?

Heike Boomgaarden, Bärbel Oftring:
Boomgaarden: Ja, ran an den Kompost, da ist jetzt höchste Zeit. Die oberste Schicht mit dem unverrotteten Material kommt direkt in den neuen Kompost nach unten, versehen mit Schnittgut und groben Pflanzenteilen. Und zwischendurch immer mal wieder eine Schaufel reifen Kompost drüber verteilen, damit der neue Kompost mit Milliarden von Mikroorganismen geimpft wird. Den reifen Kompost durch ein grobes Sieb werfen und dann gleichmäßig über die Pflanzbeete geben. Und hier geht es nicht nach der Devise "viel hilft viel". Drei bis vier Liter Kompost pro Quadratmeter reichen für eine bedarfsgerechte Ernährung aller Gartenpflanzen aus. Nach dem Ausbringen leicht mit der Hacke oberflächlich einarbeiten.

IM FOKUS: Ist jetzt der Zeitpunkt, um Pflanzen auf dem Fensterbrett vorzuziehen, zum Beispiel Tomaten?

Boomgaarden: Ja, auf der sonnig warmen Fensterbank können jetzt alle Gemüsearten, Kräuter und Sommerblumen ausgesät und vorgezogen werden. Und die können dann bei frühlingshaftem Wetter auch schnell in den Garten gepflanzt werden. Je nach Region muss man aber teilweise bis in den Mai hinein immer wieder mit Kälteperioden und Bodenfrost rechnen, so dass man die jungen Pflanzen sicherheitshalber mit einem Vlies abdeckt. Dieses wärmende "Deckchen" hält die Wärmeabstrahlung des Bodens fest, so dass die Pflanzen zügig wachsen, auch wenn es mal kälter wird. Die wärmeliebenden Pflanzen wie Auberginen, Paprika und Tomaten zieht man erst Mitte/Ende März vor und wartet mit dem Auspflanzen sicherheitshalber bis nach den Eisheiligen.

IM FOKUS: Hobbygärtner haben ja häufig das Gefühl, dass im Garten immer mehr zu tun ist, als man dann tatsächlich schafft. Aber Ihnen als Expertin ist das doch sicherlich fremd?

Boomgaarden: Ja natürlich, logisch, ist mir völlig unbekannt. Nein, Scherz beiseite: Das gehört dazu.

IM FOKUS: Wie gehen Sie damit um, haben Sie ein Patentrezept?

Boomgaarden: Ich sag immer, der Garten soll ein Ort der Zufriedenheit sein und der Gelassenheit, da muss man sich nicht stressen. Der Garten kann auch mal auf einen warten.

Die Fragen stellte Martin Rasper

Heike Boomgaarden ist ausgebildete Obstbauerin und hat Gartenbau studiert. Ihr Wissen und ihre Praxiserfahrung rund um den Garten gibt sie als Radio- und TV-Expertin an ein breites Publikum weiter. Als Glückslehrerin veranstaltet sie in ihrem 13 Hektar großen Lehrgarten Workshops zum Thema Garten und Glück.

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