Blumenbauer Bernd Brüx im Gewächshaus (Foto: N.Kern, BÖLN-Bio-Zierpflanzenprojekt)
25.03.2015
Schnittblumen

"Lieber die Pflanzen stärken als den Boden vergiften"

Bernd Brüx produziert Schnittblumen - normalerweise ein hoch spezialisiertes, stark industrialisiertes Geschäft. Doch Brüx versucht einen eigenen Weg.

IM FOKUS: Herr Brüx, hier gibt’s ja mehr Gewächshauser als Wiese!

Brüx: Ja, Straelen am Niederrhein ist eines der Hauptanbaugebiete in Deutschland für Topf- und Schnittpflanzen. Das ist eine traditionelle Landwirtschaftsgegend, sehr fruchtbare Böden hier, irgendwann hat sich das spezialisiert auf Gemüseanbau und dann verlagert auf Topf- und Schnittpflanzen.

IM FOKUS: Sie machen aber nur Schnittblumen?

Brüx: Wir produzieren nur Schnittblumen, ja. Im Winter und Frühjahr Ranunkeln und Helleborus, also Christrosen; im Sommer als Zwischenkultur Celosien...

IM FOKUS: Celosien?

Brüx produziert fünf Sorten Rosen, dazu Ranunkeln, Christrosen und Celosien (Foto: N. Kern, BÖLN-Bio-Zierpflanzenprojekt)
Brüx: Das sind Pflanzen mit großen, prächtigen Blüten, sehr speziell, die wie ein Hahnenkamm aussehen; viele Menschen kennen sie daher auch unter diesem Namen. Die haben eine kurze Wuchsdauer, deshalb passen sie zu unserem Betrieb gut als Sommerkultur. Und dann kultivieren wir noch Rosen. Zwei Sorten im Freiland, Marieta und Flambé, und die Sorten Walzertraum, Ave Maria und Magma im Kalthaus, also im unbeheizten Gewächshaus.

IM FOKUS: Ist das ein typisches Sortiment?

Brüx: Typisch sind wir sicherlich nicht, unser Sortiment auch nicht. Viele Betriebe in unserer Gegend sind extrem spezialisiert und haben nur wenige oder sogar nur eine einzige Sorte. Als Rosenproduzenten zum Beispiel produzieren diese Betriebe sehr effektiv, ausschließlich im Gewächshaus auf Substrat, in geschlossenen Kreisläufen. Wir ernten das ganze Jahr und beliefern den Markt kontinuierlich mit jahreszeitlich entsprechenden Schnittblumen.

IM FOKUS: Wie entsteht so ein Sortiment?

Brüx: Das entwickelt sich. Zum Teil macht man das, was gut funktioniert und sich bewährt hat, Pflanzen, mit denen man sich auskennt und wohlfühlt. Wichtig ist bei unserer Planung eine Verteilung der Arbeitsspitzen und die damit verbundene Frage: Was kommt wann zur Blüte? Immer im Fokus stehen aber auch die Wünsche der Kunden beziehungsweise Abnehmer. Wir selbst sind immer offen für neue Ideen und probieren gerne neben dem festen Sortiment Neues aus.

IM FOKUS: Sie sind der erste große Schnittblumen-Betrieb, der vor allem den Großhandel beliefert und jetzt auf biologische Produktion umstellt.

Brüx: Wirklich groß sind wir nicht, wir haben 7500 Quadratmeter Glas, 3600 Quadratmeter Folienhäuser und 5000 Quadratmeter Freiland, das ist eine mittlere Größe. Aber es stimmt, dass wir nur den Großhandel beliefern. Etwa ein Drittel geht an Bloomways, zwei Drittel gehen über die Versteigerung bei Veiling Rhein-Maas, das ist die größte deutsche Blumen-Auktion, gleich hier um die Ecke.

IM FOKUS: Wie entstand der Entschluss zur Umstellung?

Brüx hat sich seit Jahren der biologischen Produktion genähert, ohne es so zu nennen - jetzt stellt er offiziell um (Foto: N. Kern, BÖLN-Bio-ZierpflProjekt)
Brüx: Das ist eine lange Entwicklung. Wir versuchen schon seit sieben, acht Jahren, zunehmend biologisch zu arbeiten und bestimmte Dinge anders zu machen.Wir arbeiten mit Pflanzenstärkungsmitteln und mit Nützlingen, nutzen nur organischen Dünger, versuchen in den Gewächshäusern möglichst wenig zu heizen. Wir arbeiten auch mit dem gewachsenen Boden. Und da habe ich irgendwann gemerkt, mit dem immer höheren Aufwand für Dünger und all dem Gift, während der Boden immer weniger aus sich raus bringt, das geht so nicht weiter. So möchte ich nicht arbeiten.

IM FOKUS: Sie haben aber nicht sofort angestrebt, ein Biobetrieb zu werden?

Brüx: Nein, zunächst waren wir vorsichtig. Schrittweise haben wir herausgefunden, inwieweit es unter den gegebenen Umständen für mich und meine Familie möglich ist, biologisch zu produzieren und dabei wirtschaftlich zu bleiben. Dann ergab sich eine Zusammenarbeit mit dem Bio-Zierpflanzenprojekt, das uns auf unserem Weg unterstützt. Jetzt sind wir offiziell in Umstellung und haben die Zertifizierung beantragt. Hinzukommt, dass auch langsam das Bewusstsein für nachhaltig, biologisch produzierte Waren in der Gesellschaft wächst.

IM FOKUS: Wobei man Schnittblumen ja nicht isst.

Brüx: Das ist richtig, aber zum einen weiß man nicht, ob nicht beispielsweise das Gift, die Pestizide, doch ausgasen, in die Raumluft. Und zum anderen geht es ja auch ums Ganze; darum, wie wir den Boden behandeln, und mit den uns anvertrauten Ressourcen umgehen. Das ist das, was unsere Kunden - so wie wir uns das vorstellen - honorieren würden.

IM FOKUS: Die neuen Kunden wären dann aber eher im Einzelhandel, in den Bioläden...

Brüx: Ja, im Prinzip ist das so ähnlich gedacht. Aber das wird man sehen. Wir verkaufen erst einmal weiter wie bisher, bis wir das Bio-Label drucken können, dauert es noch. Aber erste Kontakte zum Bio-Großhandel sind geknüpft. Nun blicken wir gespannt auf das neue Feld der Vermarktung und die neuen Wege, die sich uns mit der Umstellung eröffnen. Man muss aber auch sagen, wir hatten uns bisher schon einen gewissen Ruf erarbeitet, was die Qualität der Blumen angeht. Es gibt immer wieder Kunden, die schwärmen regelrecht von unseren Blumen, die sagen, sie seien besonders duftend und strahlend, sie wirkten sehr natürlich, hätten eine gute Qualität und Haltbarkeit. Das wollen wir uns natürlich auch als Bio-Betrieb erhalten.

Die Fragen stelle Martin Rasper

 

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