09.01.2014
Hülsen aus Asien

Fünf Fragen an einen deutschen Soja-Anbauer

Der Biobauer Josef Niedermaier baut im bayerischen Friedberg Hülsenfrüchte an – unter anderem Soja. Im Interview verrät er, welchen Nutzen das mit sich bringt. Für ihn, aber auch für die Verbraucher.

IM FOKUS: Herr Niedermaier, Sie sind einer der wenigen Biobauern in Deutschland, die Soja anbauen. Was hat sie dazu gebracht?

Niedermaier: Viele unserer heimischen Leguminosen wie Erbsen, Lupinen und Ackerbohnen sind stark miteinander verwandt und sollten nur alle sechs bis zehn Jahre in der Fruchtfolge angebaut werden. Sonst besteht die Gefahr, dass sie bei häufigerem Anbau von Pilzkrankheiten an den Wurzeln befallen werden, schlecht wachsen und kaum noch Ertrag liefern. Soja kommt ursprünglich aus Asien und wurde über viele Jahre und mit intensiver züchterischer Arbeit an kühlere Klimaregionen angepasst. Die Pflanze ist somit nicht mit unseren heimischen Leguminosen verwandt und kann wunderbar mit diesen in die Fruchtfolge integriert werden. Durch ihren hohen Rohproteingehalt und die gute Eiweißzusammensetzung ist sie eine wichtige Eiweißkomponente in der Nutztierfütterung. Und sie hinterlässt eine ähnlich gute Bodengare und ist momentan für uns Biolandwirte wirtschaftlich sehr interessant.

IM FOKUS: Aber warum überlassen wir den Soja-Anbau nicht den südamerikanischen Ländern und konzentrieren uns auf heimische Hülsenfrüchte?

Niedermaier: In Deutschland wird mittlerweile sehr viel Soja für die Nutztierfütterung importiert, sodass die Landwirte in eine starke Abhängigkeit von den exportierenden Ländern geraten. Durch den Anbau von heimischen Leguminosen, aber auch von Soja könnten diese Importe reduziert werden. Gleichzeitig sind Leguminosen nicht nur für die Eiweißproduktion gut, sondern auch für den Boden. Und sie erhöhen die Biodiversität.

IM FOKUS: Wie das?

Niedermaier: Wenn man sich einmal einen blühenden Inkarnatklee- oder Wickenbestand anschaut, sieht man, wie viel Nahrung dieser für Insekten bietet. Ein blühender Weißklee-, Ackerbohnen- oder Erbsenbestand dient als reichhaltige Bienenweide. Da diese Leguminosen meist nicht zur gleichen Zeit blühen wie Raps, haben die Bienen somit einen weiteren Zeitraum, in denen sie genug Nahrung auf landwirtschaftlichen Nutzflächen finden. Man findet auch eine große Anzahl an Schmetterlingen und weiteren Insekten.

IM FOKUS: Was bringt der Leguminosenanbau für den Verbraucher?

Niedermaier: Zum einen wird der Umweltschutz vorangetrieben: Urwaldrodungen für weiteren Sojaanbau in Südamerika könnten vermieden werden, wenn wir mehr Futter für unsere Tiere hierzulande anbauen. In Amazonien gibt es momentan noch das größte zusammenhängende Urwaldgebiet der Welt, es ist für das weltweite Klima entscheidend. Wir müssen deshalb den dortigen Regenwald schützen. Aber auch der Verbraucher in Südamerika hätte etwas davon, wenn nicht all die landwirtschaftlichen Flächen dort mit Soja bepflanzt würden. Er hätte plötzlich eine größere Vielfalt auf seinem Teller, wenn die dortigen Landwirte vielfältige Fruchtfolgen anbauten.

IM FOKUS: Ist die Eiweißstrategie der Bundesregierung der richtige Weg?

Niedermaier: Bis jetzt hat sich die Eiweißstrategie der Bundesregierung noch nicht positiv auf die Anbauzahlen von Leguminosen ausgewirkt. Nur bei Soja ist momentan ein Anbauzuwachs zu sehen. Forschungs- und Modellprojekte zeigen in dem Bereich wahrscheinlich ihre erste Wirkung. Es müssten aber meiner Meinung nach noch viel effektivere Maßnahmen ergriffen werden - zum Beispiel eine Steuer auf künstlich produzierten Stickstoff oder eine hohe Prämie für Landwirte, die Leguminosen anbauen. Auch Anreize für Züchter würden helfen.

Die Fragen stellte Ludwig Asam, FiBL Deutschland e.V.

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