Obst und Gemüse von der Ökokiste: Ich bestelle online beim nächsten Bioland-Bauern (Fotos: Julia Romlewski)
25.10.2016
Selbstversuch

Als ich nur noch online aß

Ich habe schon einmal Wein online gekauft oder eine Spezialität, aber meinen Wocheneinkauf erledige ich klassisch - im Laden. So wie die meisten Deutschen. Marktforscher prophezeien aber, dass sich das in den nächsten Jahren ändern wird. Kann mich ein Online-Supermarkt überzeugen? Von Julia Romlewski

Ich starte einen Selbstversuch. 14 Tage lang will ich mich ausschließlich aus dem Internet ernähren - ohne meine Essgewohnheiten zu ändern. Es muss also ein Anbieter mit gutem Biosortiment sein. Ich entscheide mich für die Ökokiste. Dort bekomme ich meine Lebensmittel nicht aus einem Zentrallager, sondern vom nächsten Biobauern. Die Ökokiste ist eine Marke, unter der 40 Biobetriebe aus ganz Deutschland seit Jahren regionale Produkte selbst vermarkten. Ich habe Glück. Es gibt einen Lieferservice in meiner Nähe. Es ist sogar ein Biolandhof, 27 Kilometer entfernt. Regionaler geht’s kaum.

Das Einkaufen erledige ich im Wohnzimmer - erst einmal als Gastkunde, ich muss mich nicht mal registrieren. Es gibt eine Schnupperkiste und Abokisten, aber ich möchte - wie im Laden - alles selbst auswählen. Also klicke ich mich durch - vom Käse, zum Obst, zum Gemüse. Jetzt heißt es vorausplanen. Die Kiste kommt vielleicht in zwei, drei Tagen. Reichen meine Vorräte bis dahin und was brauche ich alles in nächster Zeit? Was habe ich am Wochenende vor? Und was wiegen eigentlich vier Tomaten? Mit Augenmaß komme ich nicht weit. Ich muss genaue Gramm- oder Kiloangaben machen. Bei den Tomaten, bei den Zucchini, bei den Bananen. Ich tippe auf gut Glück etwas ein und warte, welcher Preis ausgerechnet wird. Das ist ein besserer Anhaltspunkt.

Es dauert, bis ich mich durch die Angebote gescrollt habe. Auf einem Foto lachen mich leuchtendrote Datteltomaten an. Ich kann nicht widerstehen. Lustkäufe finden also nicht nur im Laden statt. Was ich aber bemerke: Zum Teil fällt mir die Auswahl schwerer als im Geschäft. Es ist eben alles abstrakter. Bei den Nudeln kann ich mich nicht entscheiden, meine Lieblingssorte fehlt sowieso. Also keine Nudeln diese Woche. Beim Brot kann ich leider kein halbes nehmen, also dann eben den 750 Gramm-Leib. Grummel! Dafür klappt es beim Ingwer, 40 Gramm einzugeben. Hirseflocken fürs Frühstück finde ich nicht. Dafür kann ich Reisdrink im 12er Pack bestellen.

Schreckmoment an der Online-Kasse

Eine Dreiviertelstunde ist vorbei, und ich fülle meinen Warenkorb immer noch. Da wär ich jetzt schon fast vom Bioladen zurück. Na gut, beim nächsten Mal geht das sicher schneller. Man kann außerdem auch Daueraufträge für Basislebensmittel anlegen.

Am Ende habe ich 20 Artikel in meinem Warenkorb. Gut die Hälfte stammt vom Biolandhof direkt (Tomaten, Kartoffeln, Blattsalat) oder aus der Region. Was meine Biobauern nicht selbst anbauen, kaufen sie von Biolandbauern aus der Nähe oder beim Großhandel zu. Schreckmoment an der Online-Kasse: 400 Euro? Ich prüfe meinen Warenkorb. 45 Packungen Staudensellerie für 134 Euro und vier Kilo Heidelbeeren – upps. Das wäre mir im Geschäft natürlich nicht passiert.

Am selben Tag noch bekomme ich einen netten Anruf vom Biohof. Immer mittwochs fährt ein Lieferant meine Gegend an. Zwischen 8 und 9 Uhr morgens. Zum Glück habe ich nette Nachbarn, die meine Kiste entgegennehmen könnten, sollte der Lieferant sich verspäten. Trotzdem habe ich so meine Bedenken. Das Frischzeug würde ich schon gern sofort in den Kühlschrank packen.

Voller Kühlschrank um 7.15 Uhr

Mein Einkauf steht bereits morgens um 7.10 Uhr im Flur
Mittwochmorgen 7.10 Uhr: Ein Mitarbeiter des Biohofs reißt mich aus dem Schlaf und stellt mir drei Kisten in den Flur. In einer schwarzen Isokiste liegen gekühlt Joghurt, Tofu und Käse. Um 7.15 Uhr ist mein Kühlschrank voll und ich bin noch nicht einmal angezogen. Wahnsinn! Okay, ich habe etwas zu viele Tomaten gekauft, aber ansonsten passt alles. Gurke, Karotten, Petersilie - sieht alles frisch aus.

Verpackungsmüll? Weniger, als wenn ich selbst einkaufen gehe. Die Lieferkisten sind Pfandkisten, die der Lieferant beim nächsten Mal wieder mitnimmt. Die Verpackung beschränkt sich im Wesentlichen auf eine Tüte, drei Kartonschälchen für die Tomaten und Mirabellen und ein bisschen Papier zum Auslegen der Kisten. Die Schälchen will der Biohof wiederhaben.

Irgendwie fühle ich mich dem Inhalt meines Kühlschranks verbundener als sonst. Schön zu wissen, wer meine Kartoffeln gesetzt und geerntet hat. Wo die Tomaten und der Blattsalat genau herkommen und wer sie für mich eingepackt hat. Ich beginne mich für den Hof zu interessieren und schaue mir die Fotos der Mitarbeiter auf der Homepage an. 13 Angestellte sind es.

Essverhalten nicht immer planbar

Käse, Joghurt und Tofu kommen in einer Pfand-Kühlbox
Und die Kosten? Ich rechne nach: Der Aufpreis hält sich in Grenzen. Manches ist sogar günstiger als im Biosupermarkt und günstiger als beim Onlinehändler allyouneedfresh, der sich rühmt, immer zu den Günstigsten zu gehören. Gurken etwa waren gerade im Angebot. Für die Äpfel spare ich sogar rund 1,30 Euro pro Kilogramm. Ausländische Ware wie Ingwer oder Bananen ist hingegen sehr viel teurer als im Biosupermarkt. Auch für die Palette Reisdrink zahle ich 50 Prozent mehr. Das haut rein. Bei Obst und Gemüse komme ich hingegen insgesamt nur auf zwei bis drei Euro mehr. Entspricht einem Aufpreis von rund fünf Prozent. Dazu käme ab dem nächsten Einkauf eine Liefergebühr von drei Euro.

Am Wochenende muss ich dann doch noch mal kurz zum Einkaufen. Das Wetter wird schöner als gedacht, ich will wandern gehen und Nudelsalat und Kekse mitnehmen. Egal, ob man im Laden oder im Internet einkauft: Ganz planbar ist das Essverhalten eben doch nicht.  

Mein Fazit

Das Konzept Ökokiste überzeugt mich, auch wenn es mich zwingt, meine Einkäufe besser zu planen. Obst und Gemüse sind besonders frisch, und ich kann ganz gezielt einen Biolandbetrieb in meiner Nähe und andere regionale Anbieter unterstützen. Und ja, es ist schon sehr bequem, bereits kurz nach dem Aufstehen einen gefüllten Kühlschrank zu haben. Für wenige Euro Aufpreis. Auch wenn ich mich ein bisschen für meine Bequemlichkeit schäme. Schließlich muss ja jemand anders die Einkäufe für mich tragen. Zum Glück habe ich einen Aufzug.

Ich denke, ich werde noch öfter eine Ökokiste ordern, denn das geht auch ohne festes Abo. Nudeln, Reis und andere Trockenware kaufe ich allerdings weiterhin lieber auf Vorrat im Biosupermarkt. Da ist mir der Preisunterschied zu groß. Einziger Nachteil: Bisher habe ich meine Wocheneinkäufe immer mit dem Rad erledigt, also völlig klimaneutral. Aber immerhin hat mein Ökokistenfahrer noch andere Kunden in der Nähe, wie ich erfahre.  

Außerdem habe ich jetzt eine Einladung: Ich darf demnächst auf den Hof kommen und mir alles anschauen. 

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