Dieser Beutel ist zwar aus Plastik, kann aber mehrfach verwendet werden. Einwegtüten will die EU künftig besteuern oder verbieten (Foto: Jonasek22, wikimedia)
03.02.2014
Plastiktüten

Die Untragetasche

In Indien kann einen der Handel mit Plastiktüten ins Gefängnis bringen, auf Sansibar steht eine Strafe von bis zu 1560 Euro auf ihre Einfuhr. Jetzt hält auch die EU Einweg-Plastiktüten nicht länger für tragbar. Von Magdalena Fröhlich

Wir nutzen sie nur ein paar Minuten, aber sie brauchen rund 400 Jahre, um zu verrotten: Plastiktüten. Der Naturschutzbund spricht von bis zu 18.000 Plastikteilen, die auf jedem Quadratkilometer der Wasseroberfläche treiben. In den Meeren landen jedes Jahr rund 6,4 Millionen Tonnen Müll - das Plastik macht davon nur 15 Prozent  aus, mehr als 70 Prozent sinkt auf den Meeresboden, der Rest wird an den Küsten angespül.

Allein im Mittelmeer treiben rund 250 Milliarden Kunststoffteilchen. Das hat die EU-Kommission errechnen lassen. Diese sammeln sich zu so großen Strudeln an, dass man sie sogar vom Weltall aus sehen kann. Kein Wunder - mittlerweile treiben sechs Mal so viele Plastik-Partikel wie Plankton im Meer. Das hat fatale Folgen: Laut Angaben des Umweltprogramms der Vereinten Nationen sterben heute jährlich eine Million Seevögel - mit einer Portion Plastik im Bauch. Das stammt natürlich nicht nur von Tüten.

  • 10.000 Plastiktüten gehen in Deutschland pro Minute über die Ladentheke

  • Das sind jährlich  5,3 Milliarden Stück

  • 100.000 Tonnen Kunststoff

  • sowie 160.000 Tonnen Kohlendioxid.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe

Dennoch ist der Kunststoffbeutel zum Symbol der Wegwerfkultur geworden. Was nun geändert werden soll. EU-Umweltkommissar Janez Potočnik schlägt vor, die EU-Verpackungsrichtlinie zu ändern und die Mitgliedsstaaten damit zur Reduktion von Plastikmüll zu zwingen. Diese sollen der Kommission zufolge künftig zwei Möglichkeiten haben: Die eine ist ein Verbot, die andere eine Besteuerung. 22 Cent soll eine Tüte kosten, lautet der Vorschlag. In einigen Ländern ist dieses Modell bereits erfolgreich. In Irland beispielsweise hat sich der jährliche Verbrauch von 328 Tüten pro Kopf auf nur noch 16 Stück verringert, nachdem man für die Plastikbeutel zahlen musste. In Dänemark sieht es ähnlich aus. Da kosten sie inzwischen 44 Cent - bei gleich bleibenden Verbrauch wären das immerhin rund 15 Euro. Dafür bekommt man leicht ein paar Baumwollbeutel oder einen Einkaufskorb.

Dass wir nun alle bald unsere eigenen Beutel mitbringen, glaubt Thomas Fischer, Abfallexperte bei der Deutschen Umwelthilfe, nicht. Den Vorschlag der EU-Kommission hält er zwar für ein wichtiges Signal, den Inhalt aber für "heiße Luft". Er kritisiert: "In dem Papier ist nur von dünnwandigen Plastiktüten bis 50 Mikrometer die Rede. Für Plastiktütenhersteller ist es aber überhaupt kein Problem die Tüten einfach einen Mikrometer dicker zu machen - somit wären sie fein raus, und es ändert sich nichts." Statt eines Verbotes wäre also eine generelle Abgabe auf Tüten zielführender, egal wie dick oder dünn.

Der Handlungsbedarf ist jedenfalls klar: Laut Europäischer Kommission verbraucht der Durchschnitts-EU-Bürger 500 Plastiktüten im Jahr. Allein 2008 wurden in Europa so viele Tüten hergestellt wie zwei Millionen Autos wiegen - 3,4 Millionen Tonnen. Der Dokumentarfilmer Werner Bote hat herausgefunden: 600 Milliarden Plastiktüten verlassen weltweit pro Jahr die Plastiktütenfirmen. Und die EU-Kommission hat errechnet: Der Großteil wird nur einmal benutzt - und dann weggeworfen. Jetzt heißt es abwarten, welches Modell die einzelnen EU-Länder im Kampf gegen die Plastikbeutel-Flut eintüten.

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Im Netz:

Petition der Deutschen Umwelthilfe gegen Einweg-Plastiktüten: www.duh.de