16.05.2014
Kennzeichnung

Die Nummer auf dem Ei - eine Erfolgsgeschichte

Es ist ein Beispiel dafür, was eine eindeutige Kennzeichnung bewirken kann: Seit auf frischen Eiern die Produktionsweise und der Betrieb mit einem Code bezeichnet sind, lassen Verbraucher Käfigeier im Regal liegen. Von Martin Rasper

Jeder kennt sie: die Zahlen- und Buchstabenkombination auf frischen Eiern. Die Kennzeichnung der Eier ist zweifellos eine Erfolgsgeschichte. Sie gilt als Beispiel dafür, wie die Information über die Herstellungsweise eines Produkts nicht nur das Verhalten der Käufer, sondern auch der Produzenten verändern kann. 

Die Kennzeichnungspflicht begann zunächst im Januar 2004 für Eier der Güteklasse A in Deutschland. Seit Juli 2005 gilt die Regelung EU-weit für alle Eier, die der Kunde sortiert auf dem Wochenmarkt oder im Laden kaufen kann, die sogenannten Konsumeier. Die Befürwörter der Regelung wurden eindrucksvoll bestätigt: In den folgenden Jahren wurden immer weniger Käfigeier gekauft, stattdessen landeten mehr Boden-, Freiland- und Bioeier im Einkaufskorb. Offenbar wurde die präzise Nummernfolge von den Verbrauchern als verlässlichere Information wahrgenommen als die Werbeversprechen auf den Packungen.

Vor allem Eier aus Bodenhaltung profitierten von der Kennzeichnungspflicht; ihre Verkausfzahl konnte sich zwischen 2007 und 2013 glatt vervierfachen! Dazu trug auch das Verbot der traditionellen, besonders tierquälerischen Käfighaltung im Jahr 2009 bei. Wie das Bundesamt für Statistik Ende 2013 mitteilte, befinden sich inzwischen fast zwei Drittel aller Legehennen (64,4 Prozent) in Bodenhaltung. Die Freilandhaltung, bei der der prozentuale Zuwachs im vergangenen Jahr am größten war, macht inzwischen 10 Prozent aller Legehenneplätze aus. In ökologischer Haltung befinden sich 8,4 Prozent, und in der nach wie vor erlaubten Haltung in "ausgestalteten" Käfigen 11,5 Prozent.  

 

Deutschland von Nord nach Süd  

Der Aufbau des Eier-Codes und die Zuweisung der einzelnen Ziffern ist vorgeschrieben. Für den Verbraucher ist die erste Ziffer die wichtigste, sie bezeichnet nämlich die Art und Weise, wie das Huhn gehalten wird. Dabei steht die "0" für ökologische Haltung, die "1" für Freilandhaltung, die "2" für Bodenhaltung und die "3" für Käfighaltung. Nach der ersten Ziffer folgt die aus zwei Buchstaben bestehende Länderkennung, mit DE für Deutschland, NL für Niederlande, AT für Österreich, IT für Italien und so weiter.

Die daran anschließende bis zu siebenstellige Nummer ist die Betriebsnummer. Auch hiervon sind für den Verbraucher zumindest die ersten beiden Ziffern interessant, sie bezeichnen nämlich das Bundesland. Sie verlaufen grob gesagt von Nord nach Süd, wobei zuerst Westdeutschland und dann Ostdeutschland kommt - die 01 steht für Schleswig-Holstein und die 09 für das Saarland, die 11 für Berlin und die 16 für Thüringen. Die letzte Ziffer auf dem Ei gibt sogar den Stall des Betriebs an, in dem das Huhn wohnt.

Allerdings gibt es noch mehrere Ausnahmen von der Regel, was immer wieder zu Kritik führt. Hauptkritikpunkt ist, dass sich die Kennzeichnungspflicht nur auf frische Eier bezieht. Gefärbte und vorgekochte Eier, etwa zu Ostern, sind ausgenommen. Auch auf Fertigprodukten wie Kuchen, Keksen oder Eiernudeln muss die Herkunft der Eier nicht angegeben werden - und diese Produkte machen immerhin rund 40 Prozent des deutschen Eierverbrauchs aus.

Verbraucher- und Tierschutzorganisationen fordern deshalb eine Kennzeichnung der Eier in verarbeiteten Lebensmitteln. Doch die Bundesregierung hat dies stets abgelehnt.

Mehr zum Thema

Auf Bioland.de:

Im Netz:

Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Was bedeutet der Code auf dem Ei?