Juchuh: Die Bienen kommen nach dem missglückten Schwarmversuch wieder zurück (Foto: privat)
28.04.2014
Selbstversuch

Die Bienen, das Schwärmen und ich

Wenn Bienen etwas nicht passt, dann summen sie nicht, sie brummen. Aus summ, summ, summ wird dann SUUM SUUM, mindestens zwei Tonlagen tiefer. Das ist dann wie bei uns: Lieber schnell in Ruhe lassen. Über mein erstes Jahr als Hobby-Imkerin. Von Magdalena Fröhlich

Sieht das nicht wunderschön aus? eine Wabe mit verschiedenen Pollen (foto: Magdalena Fröhlich)
Bis vor einem Jahr hätte ich das auch nicht gedacht. Und dass ich mir jemals zu Weihnachten einen Refraktometer wünschen werde, ebenso wenig. Jetzt ist es so weit. Ich habe über 100.000 Bienen, aufgeteilt in fünf Völker. Das Refraktometer kann ich also ganz gut gebrauchen. Wäre ich professionelle Imkerin, und würde meinen Honig nicht nur selber essen, sondern auch an andere abgeben, dann ist das Gerät wohl eines der wichtigsten für mich – Honig mit zu hohen Wassergehalt dürfte ich nicht verkaufen. Das Gerät zeigt nämlich an, wie viel Wasser im Honig ist. Ist zu viel drin, dann fängt er bald an zu Gären: Er ist dann nur ein paar Monate haltbar. Für meinen privaten Gebrauch sehe ich das entspannter: Mein Honig verkommt nicht. Der geht weg wie nichts. War leider auch nicht so viel da. Das liegt aber nicht an den Bienen, sondern am Wetter. Da sind uns die Bienen ganz ähnlich: Bei schlechten Wetter gehen die nicht gern aus dem Haus. Und als es dann endlich warm war, blühte alles gleichzeitig. Da konnten sie kurz sammeln, was das Zeug hält, und dann war es auch schon wieder vorbei mit dem reich gedeckten Blütentisch.

Die Bienen stehen nahe der Honiggasse (Foto: Magdalena Fröhlich)
Wie aber kommt jemand wie ich, die in der Stadt wohnt und keinen Garten hat, überhaupt zu Honig aus eigener Produktion? Ganz einfach: Mit dem Bus. Hinter die Honiggasse, kein Scherz. Angefangen habe ich mit einem Volk, einfach so aus Interesse und Begeisterung bei einem Probe-Imkerkurs. Völlig unverbindlich, alle zwei Wochen erklärt der Imker, was zu tun ist. Wer nach einem Jahr merkt, das ist nichts für ihn, hat volles Rückgaberecht und lässt die Bienen einfach beim Imker. Probieren kann man das ja mal, dachte ich. Und dass es den Bienen gut geht, davon habe ich mich auch überzeugt. Kurt, unser Bienen-Lehrer, passt auf, dass alles glatt läuft. Gemeinsam mit Rentnern, Versicherungsvertretern, einer Ärztin, insgesamt circa zehn Leuten, habe ich also gelernt, was zum Beispiel eine Buckelbrut ist. Buckelbrut verheißt nichts Gutes. Sie entsteht, wenn die Königin gestorben oder sehr alt ist und keine Spermien mehr hat. Dann müssen die Arbeiterinnen einen Teil ihres Jobs übernehmen: Sie fangen an "Männchen zu legen", denn aus unbefruchteten Eiern können nur Drohnen entstehen. Damit retten die legenden Arbeiterinnen zwar nicht das Volk, geben aber ihre Gene weiter.

Imkern so entspannend wie Yoga

Dass bei einem Volk etwas komisch ist, habe ich schon gemerkt. Wer wachsam ist und die Bienen beobachtet, lernt eine Menge. Und damit meine ich nicht nur, dass man plötzlich weiß, wann was blüht und wo sich statt Bienen eher Hummeln tummeln. Da sitzt man in der Nähe des Fluglochs, beobachtet die ganzen Starts und Landungen und merkt: Die Bienen haben gar keine Hosen an, also die mit Pollen. So nennt man das, wenn die Arbeiterinnen sich die Beine voll mit Pollen packen. Ist das nicht der Fall, dann gibt’s wohl auch keine Brut, denn die braucht Pollen als Eiweißnahrung. Das Gesummse wirkt übrigens total entspannend, wie Yoga, nur mit Schleier. Stundenlang kann ich da einfach nur zuschauen. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Nein, ich wurde noch nie gestochen, und: Nein, man muss auch keine Angst vor Bienen haben. Man muss sich noch nicht einmal komplett als Astronaut vermummen, die Bienen geben schon Bescheid, wenn ihnen etwas nicht passt. Wenn die Bienen denken: "Mach mal das Häuschen wieder zu, es zieht." Oder: "Jetzt hast du aber genug in unserer Wohnung verstellt, wo zum Teufel ist die Futterkammer hin?" (Wenn ich eine Honigwabe herausgenommen habe). Dann ist es schnell vorbei mit dem schönem Summ, Summ. Dann wird daraus eben schnell ein SUUMM SUUMM.

Sorry, die Drohnen müssen raus.
Wie aber werden aus einem fünf Völker? Das geht so: Meine Eltern fanden die Idee, Bienen in den Garten zu stellen auch ziemlich gut (aber nur ein Volk). Dabei blieb es natürlich nicht. Zu Beginn der wundersamen Vermehrung stand ein Wortwechsel beim Mittagstisch: "Sind das die Bienen, die da so summen?" "Klar, wer soll sonst summen?" Aufgeregt Blicke: "Die Bienen!" Hinterm Haus war alles voller Bienen. Alles, ohne Witz. Mehr als völlig fasziniert zu gucken konnte ich aber auch nicht. "Gute Reise" hätte ich wünschen können. Oder: "Stopp, wartet, ich stell euch `ne neue Bude hin, wenn die alte schon wieder zu eng ist." Aber die Immobilienbienen (so nenne ich diejenigen, deren Job es ist, eine neue Behausung auszukundschaften) hatten wohl schon etwas Neues gefunden. Zumindest zogen alle Bienen in die gleiche Richtung. "Shit, die sind weg", dachte ich mir nach einer Weile, als die Wolke immer weiter weg zog.

Der ganze Himmel ist voller schwärmender Bienen (Foto: Magdalena Fröhlich)
Die Bienen fangen immer dann zum Schwärmen an, wenn eine neue Königin schlüpft. Dann packt sich die alte einen Teil ihrer Gefolgschaft und sucht sich eine neue Bleibe. So ein Bienenstock ist eben kein Mehrfamilienhaus, es darf immer nur eine Königin pro Volk sein.

Nach einer Stunde kehrten die Bienen aber wieder um und zogen wieder in angestammtes, altes Zuhause im Garten meiner Eltern. Was war da los? "Vielleicht zu dick zum Fliegen, dann sind sie nicht weit gekommen und wieder umgekehrt", meinte eine befreundete Imkerin. Denn bevor die Königin fliegen kann, muss sie eine Legepause einlegen, sonst ist sie zu schwer. Nun gut. Was genau los war, wissen wir nicht. Irgendwann dankt eben auch einmal eine Königin ab, wenn das plötzlich beim Schwärmen passiert, ist das ungünstig. Das Volk weiß nicht mehr weiter und kehrt um. Auch gut. Ich bekam eine irre Show und die Bienen blieben bei mir, das geteilte Volk war wiedervereint.

Ein Zuhause für eine neue Königin entsteht (Foto: Magdalena Fröhlich)
Ein paar Tage später war der Himmel dann wieder voller Bienen: Ein neuer Schwarm. Diesmal waren es nicht meine. Nach dem ich den Schwarm mit einem Eimer gefangen hatte dann schon. Dabei fängt man natürlich nicht jede Biene einzeln. Sie sammeln sich zu einer Traube, meist an einem Ast. Bei uns war es die Johannisbeer-Hecke. Unter die Traube habe ich einfach einen Eimer gehalten und gegen den Ast geklopft. Die Bienentraube fällt dann in den Eimer. Zum Glück hatte ich noch ein paar Kästen übrig und konnte den eingefangenen Bienen ein Zuhause hinstellen. In das sind sie auch gerne eingezogen. Sie haben sich recht schnell eingerichtet: Ruckzuck waren die Waben mit Pollen und Nektar voll, die Königin legte Eier und das Volk wächst und wächst - die Wohnung wird bald wieder zu eng...

Und so bekommt man dann schnell ein Volk nach dem anderen. Leckeren Honig natürlich auch. Professionell imkern werde ich aber nicht - das ist dann kein Yoga mehr, sondern ein echter Knochenjob bei Wind und Wetter.

Mehr zum Thema

Auf bioland.de: