Johann Weck, 1841-1914 (Foto: J. Weck & Co)
20.08.2014
Johann Weck und das Einwecken

Der Mann, der zum Verb wurde

Johann Weck hat das Haltbarmachen durch Einkochen nicht erfunden - aber er hat zum richtigen Zeitpunkt die entscheidenden Schritte unternommen. Es hat jedenfalls gereicht, um seinen Namen in der deutschen Sprache zu verankern. Von Martin Rasper

Vor etwas mehr als hundert Jahren - 1907 - nahm der Duden ein neues Wort auf, das kurz zuvor in den Sprachgebrauch eingegangen war: "Einwecken". Das Wort bedeutete dasselbe wie Einkochen und hatte sich diesem gleichberechtigt zugesellt, weil plötzlich viele Menschen zum Einkochen eine neue patentierte Methode benutzten - und dazu die Gläser der Firma Weck verwendeten.

Selbermachen lag plötzlich im Trend

Selbermachen und Vorrat halten lag, wie man heute sagen würde, im Trend. Immer mehr Menschen lebten in Städten, fern der Natur und dem freien Land; auch die Schrebergärten waren beliebt wie nie zuvor. Durch die Vorratshaltung verfügte man wenigstens zum Teil noch über so etwas wie Selbstversorgung. Die Weck’sche Methode, bei der man die Lebensmittel in einem luftdicht verschlossenen Glas zum Kochen brachte, sie dadurch sterilisierte und haltbar machte, traf ein verbreitetes Bedürfnis. Zwar war die Konserve grundsätzlich schon erfunden, aber dazu brauchte man eben die entsprechenden Maschinen, um die Blechdosen zu verschließen. Mit den Weck-Gläsern dagegen, die mittels Gummiring, Deckel und Metallklammer verschlossen wurden, wurde das Konservieren jedermann zugänglich.

Emailschild als Werbung, 1910 (Foto: Martin Rasper)
Es ist eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet Johann Weck, der Namensgeber, die Methode weder erfunden hatte noch den größten Anteil zu ihrem Erfolg beisteuerte. Aber er unternahm zum richtigen Zeitpunkt die entscheidenden Schritte. Der 1841 in Schneidhain im Taunus geborene Weck war ein Idealist und Naturapostel, Vegetarier und Alkoholgegner. Die Methode des Einkochens in Gläsern, die der Chemiker Rudolf Rempel erfunden und 1892 hatte patentieren lassen, begeisterte ihn, weil man damit Lebensmittel haltbar machen konnte, ohne sie in Alkohol einzulegen. Weck kaufte und nutze die Gläser im großen Maßstab zuerst privat. Bald schon aber erwirbt er das Alleinverkaufsrecht für Süddeutschland und kauft schließlich 1895 die ganze Firma, d.h. in erster Linie die patentierte Methode.

Weck selbst war mehr Visionär als Unternehmer

Er benennt das Verfahren nach sich selbst und beginnt im südbadischen Öflingen, hart an der Schweizer Grenze, mit einer eigenen Produktion der Gläser. Doch wie sich herausstellt, ist Weck zwar ein Visionär, aber kein besonders guter Unternehmer. Einige seiner Gebietsverteter sind offenbar deutlich erfolgreicher als er, namentlich sein Mann am Niederrhein, Georg van Eyck. Der verkauft in seinem Gebiet mehr Gläser als Weck im gesamten übrigen Verbreitungsgebiet! Weck bietet van Eyck an, nach Baden zu kommen und mit ihm eine gemeinsame Firma zu gründen - worauf dieser eingeht. Am 1.1.1900 wird die gemeinsame Firma J. Weck u. Co gegründet.

Georg van Eyck führte Wecks Werk fort (Foto: Deutsches historisches Museum)
Die Firma läuft eigentlich gut, doch schon nach weniger als zwei Jahren drängt es Weck zu neuen Ufern. Er verkauft van Eyck seine Anteile an der Firma und zieht ins benachbarte Elsass, um auch dort seine Methode zu propagieren. Van Eyck macht weiter, mit den gleichen Methoden und dem gleichen Erfolg, den er schon am Niederrhein hatte. Er verkauft nicht nur die Gläser, sondern auch das dazugehörige Wissen, er erstellt Broschüren und stellt Hauswirtschaftlerinnen ein, die in Kochschulen und Krankenhäusern Kurse zur praktischen Handhabung der Gläser geben. Er entwickelt auch ständig das Zubehör weiter, die Deckel und Verschlüsse, die Thermometer und die Einkochapparate; er weitet den Vertrieb auf sämtliche Nachbarländer aus und baut eine kleine Glashütte bei Cottbus zu einer modernen Glasfabrik aus. Es ist auch van Eyck, der das bis heute gültige Logo erfindet, das allen Gläsern eingeprägt ist,die Erdbeere mit dem Schriftzug der Firma.

Johann Weck stirbt 1914 in Luxemburg. Die Firma, die seinen Namen trägt, existiert immer noch; sie stellt inzwischen vielerlei Produkte her, von Konservengläsern und Getränkeflaschen bis zu Glasbausteinen. Im Archiv der Firma befindet sich eine Art Reliquie,  das älteste existierende Glas mit eingeweckten Früchten: Ananasstücke, abgefüllt im Jahr 1897.

Es hält immer noch dicht.

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