02.06.2014
Interview zur Gemüse-Selbsternte

"Die Menschen merken, was ökologischer Landbau bedeutet"

Bioland-Gärtner Jörg Schulze Buschhoff bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Frau einen 40-Hektar-Betrieb am Stadtrand von Münster. Seit vier Jahren bietet er Gemüse-Selbsternte an. Wir fragten ihn nach seinen Erfahrungen.

IM FOKUS: Herr Schulze Buschhoff, was für einen Betrieb haben Sie?

Schulze Buschhoff: Wir sind eine Bio-Gärtnerei mit Schwerpunkt Gemüsebau. Wir haben 40 Hektar Land, davon bauen wir auf sechs Hektar Gemüse an, machen ein bisschen Weihnachtsbäume, der Rest ist Getreide und Fruchtwechsel. Wir machen überwiegend Direktvermarktung, über Bauernmärkte und über unsere 500 Abokisten.  

IM FOKUS: Sie bieten auch Selbsterntegärten an. Wie ist das entstanden?

Schulze Buschhoff: Ja, wir nennen sie Genussgärten, die gibt es jetzt in der vierten Saison. Die Idee dazu hatte ich schon länger im Kopf, wusste aber nicht, wie ich sie umsetzen sollte. Wir hatten auch schon ein Feld mit Blumen zum Selbstschneiden, aber da blieb zu wenig hängen, da nahm die Ehrlichkeit immer mehr ab.

IM FOKUS: Wie hat der Einstieg ins "Genussgärtnern" geklappt?

Schulze Buschhoff: Ich hab mich gründlich vorbereitet, es gibt da zum Beispiel ein Handbuch der Gemüse-Selbsternte, herausgegeben von der Uni Kassel, das steht im Internet, auch auf manchen Biolandbau-Portalen gibt es Tipps. Im ersten Jahr war es ein bisschen holprig, aber dann ging's.   

IM FOKUS: Wie viele Menschen machen bei Ihnen mit, und was kostet es?

Schulze Buschhoff: In dieser Saison haben wir 75 Genussgärtner. Die kleine Parzelle kostet 170 Euro, die doppelte 320 Euro. Eine Parzelle hat 50 Quadratmeter und ist bepflanzt beziehungsweise besät mit 25 verschiedenen Gemüsen.  

IM FOKUS: Und jetzt sind Sie zufrieden?

Schulze Buschhoff: Ja, es läuft gut. Ich habe gemerkt, das Schöne für mich ist der Kontakt zu den Menschen. Dass ich auf diese Weise den Leuten unsere Wirtschaftsweise nahebringen kann, Sensibilität für das Thema wecken, dass sie merken, was ökologischer Landbau bedeutet. Dass man eben manchmal die Dinge nicht erzwingen kann.  

IM FOKUS: Ihre Kunden, was sind das für Leute?

Schulze Buschhoff: Das ist eine sehr große Bandbreite. Es geht von Studenten, die sich als WG ein gemeinsames Beet leisten, über Familien mit Kindern, aber auch Singles - bis zu älteren Leuten, die früher schon gegärtnert haben und es jetzt wieder tun wollen und es auf diese Weise einfacher finden, als wenn sie alles selber machen müssen. Was aber fast allen besonders wichtig ist: dass wir guten Gewissens sagen können, diese Felder werden schon seit vielen Jahren biologisch bewirtschaftet.  

IM FOKUS: Würden Sie anderen Landwirten den Schritt empfehlen?

Schulze Buschhoff: Ja, unter folgenden Voraussetzungen: gemüsebauliches Know-how und die entsprechenden Maschinen sollten vorhanden sein; der Projektbetreuer sollte Freude am Umgang mit Menschen haben; und die Nähe zu einer Stadt sollte gegeben sein, eventuell auch die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Das Interview führte Martin Rasper

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Auf bioland.de:

Im Netz:

Selbst, Ernte, Garten: Die Genussgärten von Familie Schulze Buschhoff
Leitfaden der Uni Kassel zur Gemüse-Selbsternte für Landwirte