Sobald sich die Klappe des Hühnermobils öffnet, laufen die Hühner ins Freie. Foto: Magdalena Fröhlich
20.10.2014
Geflügelhaltung

Camping für Hühner

Eigentlich ist Klaus Bird Bioland-Bauer. Aber einmal in der Woche ist er Reiseunternehmer: Seine Kunden: Hühner. Für sie hat er Ställe gekauft, die wie Wohnmobile aussehen, und zieht mit ihnen immer dorthin, wo es gerade schön grün ist. Von Magdalena Fröhlich

Die Hühner warten schon, bis sie ins Freie dürfen (Foto: Magdalena Fröhlich)
Gerade sind die Hühner aufgestanden, haben vielleicht schon ein Ei gelegt, da fängt der ganze Stall plötzlich an zu ruckeln. Panik? Ein Erdbeben? Nein! Die Hühner glucksen neugierig durch das Gitter. Angst? Eher "yippieh" - so heißt das Gackern der Tiere wohl übersetzt. Sie wissen genau, was sie jetzt erwartet: Jede Menge neue Regenwürmer, Schnecken, Käfer und Grünzeug so weit das Auge reicht. Dass ihr Zuhause, das sich die Hühner mit rund 200 anderen Mitbewohnern teilen, jede Woche an einem anderen Ort steht, stört sie nicht.

Clara dockt den Traktor am Stall an (Foto: Magdalena Fröhlich)
"Schließt du mal den Traktor an", sagt Bioland-Bauer Klaus Bird dann zu Clara, der Auszubildenden auf dem Hof Frohnenbruch in Kamp-Lintfort, rund 25 Kilometer nordwestlich von Duisburg. Clara dockt mit dem Trekker an und stöpselt ein paar Anschlüsse an den Stall und hebt ihn vorne an. "Keine Sorge, die Hühner rutschen jetzt nicht alle auf eine Seite", meint sie. Es scheint fast ein bisschen so, als würde es den Tieren Spaß machen. Die meisten sind extra in den unteren Stallbereich gekommen - denn von hier aus können sie durch ein Gitter ins Freie sehen.

Mitarbeiter Michael steckt die Reifen an das Mobil (Foto: Magdalena Fröhlich)
Ist der Stall schief genug, stecken der Bauer und ein Mitarbeiter zwei Reifen an die Seite. In fünf Minuten ist die Sache erledigt - wie Reifenwechsel am Auto. Dann senkt Clara den Stall wieder zu Boden und los geht’s: Die Hühner ziehen um - rund 30 Meter weiter. "Das reicht", sagt Bird. "Hier haben die Hühner wieder einen schönen, neuen Vorgarten, keinen der schon ausgetrampelt und abgeweidet ist."

Klaus Bird mit einem jungen Huhn (Foto: Magdalena Fröhlich)
Denn ja - Hühner fressen tatsächlich Gras. Anders als etwa eine Kuh, braucht ein Huhn das nicht für ihren Verdauungsapparat - es schmeckt ihnen einfach. Auch für den Boden ist der Umzug praktisch: Er kann sich vom Kot und vom Scharren der Hühner wieder erholen, und weil die Pflanzen die Tierausscheidungen aufnehmen können, gelangen nicht so viele Nährstoffe ins Grundwasser.

Steht der Stall an seinem neuen Ort, hängt Clara das Hühnermobil einfach wieder ab. Insgesamt leben auf dem Hof 750 Legehennen und 450 Hähnchen in vier Mobilställen, die es in verschiedenen Größen gibt. Unterteilt sind sie in ein Erdgeschoss, aus dem sie durch Gitter ins Freie schauen können und einen ersten Stock, der mit Sitzstangen und Futterplätzen in ein Wohn- und Schlafzimmer sowie in einen Bereich zum Eierlegen untergliedert ist.

In einem eigenen Raum im Stall legen die Hühner ihre Eier (Foto: Magdalena Fröhlich)
Dieser ist für die Hähne übrigens tabu. Je nachdem, ob ein Huhn Früh- oder Spätaufsteher ist, legt es im Lauf des Vormittags ein Ei. Jeden Tag ein neues. "Man muss nur aufpassen, dass aus den Hennen keine Glucken werden. Das heißt, dass sie nicht mehr von ihren Eiern weggehen und den Stall nicht mehr verlassen", erklärt Bird. Deshalb ist das Gemeinschaftsnest ab dem Nachmittag geschlossen, der Bauer macht dann einfach die Klappe zum Mädelszimmer dicht. Dann kann er auch einfach die Eier für den Hofladen oder für eine Abokiste einsammeln. Am nächsten Morgen ist die Klappe wieder geöffnet.

Ein paar Meter reichen schon, dann gibt es wieder frisches Grün (Foto: Magdalena Fröhlich)
Um den neuen Hühnerauslauf spannt der Bauer einen Maschendrahtzaun, den er unter Strom setzt. Das dauert gerade einmal zehn Minuten. "Der ist eher für den Fuchs als für die Hühner", sagt Bird. "Denn wenn der kommt, dann beißt er nicht nur ein Huhn tot, sondern verfällt in einen regelrechten Blutrausch." Das ist aber in den letzten fünf Jahren sehr selten passiert - so lange setzt der Bauer schon auf seine fahrbaren Hühnerställe. Dann kommt schon eher der Habicht und holt sich einen Leckerbissen. Oder versucht es zumindest. Denn Glück hat der Greifvogel selten.

Der Zaun schützt die Hühner vor Feinden (Foto: Magdalena Fröhlich)
"Die Hähne sind wie Wachhunde, die passen genau auf und beschützen ihre Hühner. Wenn ein Angreifer im Anmarsch ist, warnen sie ihre Mitbewohner", sagt Bird und kontrolliert, ob die Batterie für die Solaranlage funktioniert. Die steht auf dem Dach des Hühnermobils und liefert nicht nur den Strom für den Zaun, sondern auch für den Futterautomaten. "Immer wenn keine Körnchen mehr im Trog sind, kommen neue nach", erklärt er. So haben die Tiere immer genug zum Fressen. Essen, bis ihnen der Magen platzt, können Legehennen übrigens nicht. "Die wissen, wann es reicht."

Einige Hühner nutzen die Gelegenheit und nehmen einfach gleich die Treppe, statt der ebenerdigen Klappe (Foto: Magdalena Fröhlich)
Neben Legehennen, hat der Bauer auch Masthühner und solche, die beides können: Eier legen und Fleisch ansetzen. "Das sind sogenannte Zweinutzungshühner", erklärt Bird, "aber sie setzen weniger Fleisch an als ein Masthähnchen und legen auch weniger Eier als eine Legehenne. Deshalb sind sie nicht besonders wirtschaftlich." Der Vorteil: Es werden weniger Küken getötet. Denn bei der Zucht von Legehennen werden die männlichen Küken nach dem Schlüpfen aussortiert,  ein Teil wird an Zootiere verfüttert, der Rest wird gleich in der Brüterei vergast oder geschreddert.

Deshalb sind die Eier der Zweinutzungsrasse auch etwas teurer als die Eier der Legehennenrasse. Bei den Birds hat der Kunde die Wahl und kann sich zwischen den Eier der beiden Rassen entscheiden.

Endlich. Nach rund 20 Minuten ist der Umzug fertig. Die Hühner picken schon eifrig an der Klappe nach draußen. Was gibt es heute? Südwestterrasse. Genau das Richtige an einem kühlen Herbsttag.

Hühner-Camping in verschiedenen Formen

Es gibt verschiedene Arten von Mobilställen: Manche haben Räder, andere stehen auf Kufen. Sogar einen Bauwagen oder ein Gartenhäuschen kann man zum Hühnerstall umfunktionieren. Eine Auswahl der verschiedenen Typen gibt es hier: (Unter Fachinfo > Tierhaltung > Geflügel) www.oekolandbau.nrw.de

Mehr zum Thema

Auf bioland.de:

Im Netz:

Über den Hof von Klaus und Bärbel Bird: www.frohnenbruch.de