Auch die Kühe können Wetterindikatoren sein (Foto: imago)
17.12.2014
Bauernweisheiten

Was sagt die Kuh übers Wetter?

"Sind die Hühner platt wie Teller, war der Traktor sicher schneller." Einen albernen Bauernspruch kennt fast jeder. Mit den Bauernweisheiten hat das wenig zu tun. Aber stimmen die auch? Kann die Kuh das Wetter vorhersagen? Viele Regeln kann man selbst überprüfen. Manche sind auch heute noch nützlich. Von Julia Romlewski

Als es noch keinen Wetterbericht gab, waren die Bauern auf ihre eigenen Naturbeobachtungen angewiesen. Das war wichtig, um zu wissen, wann man am besten aussäen sollte, wann mit dem ersten Frost zu rechnen war oder wie die Ernte ausfallen würde. Die Bauern suchten aber auch nach Indizien für kurzfristige Wetterumschwünge.

Aus den vielen vielen Beobachtungen wurden irgendwann feste Regeln - die Bauernregeln, die sich bis heute erhalten haben. Viele sind allgemeines Kulturgut geworden. Weil sie sich meistens reimen, konnte man sie sich auch gut merken.

Aber stimmen die Faustregeln der Bauern? Was bedeutet es, wenn der Ahorn "weint" oder die Kühe sich gen Osten wenden? Und gibt es dieses Jahr Schnee zu Weihnachten?

Wetterexperte Jurik Müller hat viele der alten Bauernregeln mit den Methoden der modernen Meteorologie untersucht und ein Buch darüber geschrieben ("100 Bauernregeln, die wirklich stimmen"). Von den sogenannten Lostagen wie dem Siebenschläfertag, an dem man besonders aufs Wetter achten sollte, hält er wenig. "Man tut gut daran, die Lostagssprüche nicht wörtlich auf einen Tag zu beziehen." Schon deshalb nicht, weil einiges durch die gregorianische Kalenderreform im 16. Jahrhundert durcheinandergeraten sein könnte. Ganz zu schweigen von den Klimaveränderungen.

Dafür gibt es hundert andere Wetterregeln, die Müller für recht zuverlässig hält. Es lohnt sich also mit offenen Augen durch die Natur zu gehen, auch wenn manche Wetterregeln schlicht falsch sind und andere nicht immer zutreffen. Aber schließlich liegt auch der Wetterbericht mal daneben.Wir haben ein paar Beispiele gesammelt:

 

  • Brauche ich einen Regenschirm?

"Ist der Ring nahe dem Mond, uns der Regen meist verschont. Ist der Ring aber weit, hat er Regen im Geleit."

Stimmt. "Die Wahrscheinlichkeit, dass die Bauernregel ins Schwarze trifft, liegt bei mehr als 80 Prozent", schreibt Wetterexperte Müller. Ein weiter farbiger Ring um den Mond geht auf Schleierwolken zurück und deutet eine Wetterverschlechterung an. Man darf den weiten Ring allerdings nicht mit dem Hof verwechseln, einem viel kleineren Ring um den Mond.

"Es weiß der schlaue Bauer, dass die Milch vor Gewittern wird sauer."

Kein Witz. Milch beginnt tatsächlich besonders schnell zu gerinnen, wenn ein Gewitter im Anmarsch ist - wegen der hohen Luftfeuchtigkeit und der meist hohen Temperaturen kurz bevor es kracht.

Und was sagt uns ein Regenbogen am frühen Morgen?

"Zeigt morgens sich im Westen ein Regenbogen, fühlt sich der Bauer um einen Tag betrogen."

Denn das heißt, dass feuchte Luftmassen aus dem Westen kommen und mit viel Regen an diesem Tag zu rechnen ist. Besser sieht es aus, wenn der Regenbogen erst am Nachmittag am Himmel erscheint. Dann könnte sich das Wetter beruhigen, denn im Fall einer Westlage dürfte die Regenfront nach Osten abziehen.

Intensiver Lindenblütendurft kann auf ein Gewitter hindeuten (Foto: imago)
"Duften die Linden hinten im Garten, sind bald Regenwolken zu erwarten."

Die Erklärung ist einfach: Die Blüten der Linden riechen, wenn es schwül ist, besonders betörend. Denn dann sondern sie mehr Nektar ab. Bei Schwüle ist die Gewittergefahr aber immer recht hoch.

"Wenn der Ahorn Tränen weint, die Sonne nicht mehr lange scheint."

Stimmt. Wenn die Luftfeuchtigkeit hoch ist, scheiden die Bäume Wasser in Form von Tröpfchen aus.

Man kann aber auch auf eine Weide gehen und schauen, in welche Richtung die Kühe ihr Hinterteil strecken:

"Dreht die Kuh mit dem Schwanz sich von Osten nach Westen, entwickelt das Wetter sich nicht zum Besten."

Oft stellen sich die Tiere beim Fressen instinktiv mit dem Hinterteil in die Windrichtung, da sich Raubtiere oder Jäger meist gegen den Wind, also in dem Fall von vorne, nähern, um nicht gehört oder gerochen zu werden. Westwinde bringen oft Regen vom Atlantik her. Drehen sich die Kühe also mit dem Schwanz von Ost nach West, ist mit schlechtem Wetter zu rechnen.

Indiz für schlechtes Wetter (Foto: imago)
Und was sagt der Hahn dazu?

"Kräht der Hahn auf dem Mist, bleibt's Wetter wechselhaft wie's ist, doch kräht er auf dem Hühnerhaus, hält's schöne Wetter noch ein Weilchen aus."

Kein Scherz. Auch der Hahn eignet sich als Wetterbote. Bei unbeständigem Schauerwetter findet er viele Würmer und Insekten oben im Misthaufen. Ist es schön und trocken, ziehen sich die Kleinlebewesen tief in den Misthaufen zurück, wo es noch feucht ist. Der Hahn kommt nicht mehr an sie heran und sucht sich ein anderes Plätzchen.

 

  • Gibt es weiße Weihnachten?

"Donnert's im September noch, wird der Schnee um Weihnacht hoch."

Das ist Quatsch, urteilt Müller. Das Wetter Anfang Dezember wiederum gibt schon Hinweise darauf, ob es ein weißes Weihnachten gibt oder nicht:

"Hat sich Eligius (1. Dezember) mit dem Winter vereint, ein weißes Christfest er nicht verneint."

Bleibt Anfang Dezember schon ordentlich Schnee liegen, ist die Wahrscheinlichkeit  groß, dass es auch an Weihnachten schneit, so Müller.

Wer ein Vogelhäuschen im Garten hat, sollte kurz vor Sonnenuntergang mal hinschauen. Ist dort besonders viel los, könnte das auf Neuschnee hindeuten. Wenn nämlich Kälte und Frost im Anmarsch sind, legt sich die Feuchtigkeit aus der Luft als Eisschicht auf die Rinde, und die Vögel kommen dann nicht mehr so gut an die Insekten heran.

"Tummeln  abends sich die Meisen am Futterhaus, bleibt baldiger Neuschnee ganz sicher nicht aus."

 

  • Wie wird der Winter?

Wie lange haben die Birken denn heuer ihre Blätter behalten? Das kann Hinweise auf den Winter geben.

"Fließt im Spätherbst noch der Birkensaft, dann kriegt der Winter keine Kraft."

Ist der November zu warm, werden die Birken später kahl. Oft folgt dann erfahrungsgemäß auch ein warmer Januar.

"Wie die ersten zwölf Tage im Januar walten, so werden sich die zwölf Monate gestalten."

Das gehört laut Müller ins Reich des Aberglaubens.

Welche Wetterregeln - ob albern oder ernst - kennen Sie noch? Teilen Sie sie mit uns - in den Leserkommentaren oder auf Facebook. Sie hätten gern das Buch "100 Bauernregeln" von Jurik Müller? Dann schicken Sie uns schnell Ihre lustige Bauernregel - gerne auch gereimt - unter Angabe Ihres vollen Namens und einer Postadresse - bis 5. Januar 2015, Stichwort Verlosung, an onlineredaktion(at)bioland.de. Die fünf schönsten Sprüche werden mit je einem Buchexemplar belohnt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden im neuen Jahr per E-Mail benachrichtigt. 

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