Bananen schaffen es nur in deutsche Supermärkte, wenn sie die richtigen Maße haben (Foto: imago)
16.07.2015
Bananen

Mindestens 14 Zentimeter

Jeder Bundesbürger isst laut Statistik pro Jahr mehr als 20 Kilo Äpfel und mehr als zehn Kilo Bananen. Damit ist die krumme Südfrucht das zweitliebste Obst der Deutschen. Warum eigentlich? Von Julia Romlewski

Bananen sind süß, gesund und helfen gegen den kleinen Hunger. Und sie sind unheimlich praktisch: Weil sie ihre Verpackung selbst mitbringen. Man muss sie nicht waschen, man kann sie einfach als Proviant einstecken und bei Bedarf schälen und essen. Ein ziemlich überzeugendes Gesamtkonzept. Noch dazu sind Bananen oft billiger als einheimisches Obst und das ganze Jahr hindurch lieferbar. Kein Wunder also, dass die Deutschen Bananen lieben: Laut Statistik isst jeder von uns mehr als zehn Kilo pro Jahr. Beliebter ist nur noch der Apfel.

Kleine Bananen sind schwer zu vermarkten
Es gibt sogar eine Bananenmarktordnung in Europa. Auch daran kann man ablesen, wie wichtig das gelbe Obst im 20. Jahrhundert in Europa geworden ist. Die Marktordnung wurde 1993 eingeführt, um die kleineren Bananen aus Spanien und den französischen Überseegebieten gegenüber Bananen von weit her konkurrenzfähig zu machen - mit Zöllen und Importbeschränkungen für die Übersee-Ware. Wirklich gelungen ist das nicht. Kleine Bananen aus Europa findet man in den Supermärkten kaum.

Denn Brüssel hat auch genau festgelegt, wie eine Banane auszusehen hat. Je makelloser die Schale, desto höher wird die Banane eingestuft und desto teurer kann sie verkauft werden. Damit eine Banane überhaupt in der EU verkauft werden darf, muss sie mindestens 14 Zentimeter lang und 27 Millimeter dick sein.

Inder bauen am meisten an

Ausnahmen gibt es nur für die sogenannten Gemeinschaftsbananen, also EU-Bananen. Sie dürfen auch ohne Modelmaße auf den Markt, allerdings nur als B-Ware. In die Klasse 1 schaffen es die Bananen von den Kanaren, Madeira oder aus Zypern sowieso kaum. Es sind Sorten, die eben einfach von Natur aus nicht so groß und dick werden wie ihre Kollegen aus Übersee. Manchmal wird behauptet, auch für die Krümmung der Banane gebe es Vorgaben. Das stimmt nicht.

Die Banane ist ein echter Exportschlager und wird um die halbe Welt verschifft. Kein anderes Obst wird international so stark gehandelt. Wichtigstes Anbauland mit 28 Millionen Tonnen im Jahr ist Indien. Die Inder essen ihre Bananen allerdings selbst. Unsere Bananen in Deutschland stammen überwiegend aus Südamerika, vor allem aus Ecuador, und der Dominikanischen Republik. Von einer einheimischen Pflanze kann allerdings keine Rede sein: Die südamerikanische Banane ist ein europäischer Import. Die Portugiesen brachten sie erst um 1500 aus Afrika mit. Dort wachsen die Stauden schon seit tausenden von Jahren.

Wer über Bananen redet, kann sich ganz schön blamieren. Das fängt schon beim Bananenbaum an - den es nicht gibt. Die Banane ist eine Staude, ihre Blätter liegen nur so fest an, dass es aussieht wie ein Baumstamm. Und was ist die Banane eigentlich? Botanisch gesehen gilt die Frucht als Beere. Eine ziemlich längliche zugegeben. Eine Beere ist per Definition der herangereifte Fruchtknoten einer Blüte mit ganz fleischiger oder saftiger Wand. Beim Apfel entwickelt sich das Fruchtfleisch aus dem Blütenboden, der Fruchtknoten bleibt klein und findet sich im Kerngehäuse im Apfelinneren wieder. Darum ist der Apfel keine Beere. Auch mit der Frage, wie oft denn eine Bananenstaude trägt, kann man beim Bananenexperten Stirnrunzeln ernten. Denn eine Bananenstaude trägt nur ein einziges Mal in ihrem Leben, dann stirbt sie ab.

Eigentlich gibt es hundert verschiedene Sorten von Bananen, manche haben sogar eine rötliche Schale. Eine Vielfalt, von der wir aber nichts mitbekommen, denn in den Export gehen nur wenige Sorten - sie wachsen auf großen Plantagen in Monokulturen. Die übrigen Bananen bleiben im Anbauland. Die Einheimischen grillen, braten oder kochen sie. Weltweiter Marktführer bei den Exportbananen ist die Sorte Cavendish.

Preiskampf der Bananen-Multis

Der Anbau von Bananen ist problematisch: Viel Pestizideinsatz in den Monokulturen und überwiegend schlechte Arbeitsbedingungen, um die Bananenpreise in den Supermärkten und Discountern niedrig zu halten. TransFair, ein Verein zur Förderung des Fairen Handels, spricht sogar von "katastrophalen Arbeitsbedingungen" auf den Plantagen. Der Preiskampf der Bananen-Großhändler werde auf dem Rücken der Arbeiter ausgetragen. Auch die deutschen Discounter sind ins Geschäft eingestiegen und setzen immer mehr auf direkte Importe, um die Großhändler zu umgehen und Bananen noch billiger anbieten zu können. 

Als Übersee-Import hat die Banane auch nicht gerade die beste Klimabilanz. Bananen werden grün geerntet, mit einem Kühlschiff nach Deutschland gebracht und dann in einer Reiferei mit Ethylengas (auch Ethengas genannt) behandelt, damit sie pünktlich gelb werden. 80 Prozent und mehr der Treibhausgas-Emissionen einer Banane macht das in der Regel aus.

So reifen Bananen

Bananen aus Übersee werden grün geerntet und auf der Überfahrt nach Deutschland gekühlt, damit sie nicht weiter reifen können. Dann behandelt man sie in Reifereien mit Ethengas, auch Ethylengas, genannt, damit  sie pünktlich gelb werden, wenn sie im Supermarkt ankommen. Ethen ist ein Pflanzenhormon, dass die Banane auch selbst bildet. Auch wenn sie natürlich reift, pflückt man sie grün. Denn sonst wandelt sie die Stärke nicht in Zucker um und wird mehlig anstatt süß. Auch Äpfel geben übrigens Ethen ab. Darum sollte man Äpfel und Bananen nicht nebeneinander aufbewahren. Sonst werden die Bananen schnell überreif und bekommen schwarze Flecken. 

Das ist auch bei Bio-Bananen aus Übersee so. Auch sie müssen ja irgendwie zum Kunden gebracht werden. Unterschiede gibt es trotzdem. Ein Sprecher der Bio-Bananen-Großhändler Biotropic erklärt auf Nachfrage: "Da wir 90 Prozent unserer Bio-Bananen mit Containerschiffen und nicht mit herkömmlichen konventionellen Bananenschiffen verladen, ist die Klimabilanz aufgrund der höheren Transportvolumen und des geringeren Verbrauchs dieser Schiffe positiver."

Biotropic hat auf seiner Homepage die Klimabilanz von Bio-Bananen veröffentlicht. Danach entstehen pro Kilogramm Bananen von der Plantage bis zum Kunden 977 Gramm Kohlendioxid. Auf die Erzeugung selbst entfallen dabei nur hundert Gramm CO2. "Außerdem betreiben wir unsere Reiferei sowie unser Bürogebäude mit Naturstrom", so ein Biotropic-Sprecher. Zum Vergleich: 977 Gramm - so viel Kohlendioxid steckt laut Bundesumweltministerium auch in einem Liter konventioneller deutscher Milch. Und die musste nicht um die halbe Welt geschifft werden.

Fair gehandelte Bio-Bananen (Foto: imago)
Was noch für Bio-Bananen spricht: der Verzicht auf Pestizide, denen Arbeiter auf konventionellen Plantagen ausgesetzt sind, und die hohe Quote an Fair-Trade-Bananen. Mehr als 45 Prozent aller Bio-Bananen tragen ein Fair-Trade-Siegel. Naturland-Bananen aus Ecuador zum Beispiel sind zu hundert Prozent fair gehandelt. Bioland-Bananen gibt es nicht, da es Bioland-Erzeuger nur in Deutschland und Südtirol gibt.

Konkret heißt das: Kleinbauernfamilien, die ihre Bananen an Fair-Trade-Firmen verkaufen, werden gefördert und bekommen bessere Preise für ihre Bananen.

Bananen-Großhändler und Discounter zahlen meist nur die Hälfte. Bananen soll sich bei uns jeder leisten können, galten sie doch vor der Wiedervereinigung als Wohlstandssymbol: In Westdeutschland im Überfluss vorhanden, in der DDR Mangelware. Manch ein Westdeutscher empfing Ankömmlinge aus der DDR denn auch mit Bananen. 

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