Zum Abschied noch ein Gruppenbild - auf ein baldiges Wiedersehen! (Foto: Sonja Lukenda)
17.09.2014
Weinlese in Franken

Sonja Lukenda: Ich komme wieder!

Am letzten Tag der Weinlese ist nochmal Action im Weinberg – diesmal sogar mit Kamerateam. Von Sonja Lukenda

Ein paar helfende Hände mehr und schon geht alles schneller (Foto: Sonja Lukenda)
Tag 5 - der letzte Tag meiner Weinlesewoche bei Familie Stritzinger ist angebrochen. Es war ein ereignisreicher, spannender und langer noch dazu. Wir hatten nicht nur Besuch vom Bayerischen Rundfunk, der uns im Rahmen einer Sendereihe bei der Weinlese filmte und ein kleines Interview mit Anja durchführte, sondern auch von einer Journalistin der Mainwoche. Zusätzlich konnten Interessierte, die sich vorab angemeldet haben, im Rahmen der Bayerischen Öko-Erlebnistage bei der Weinlese mitmachen und einmal sehen, wie das abläuft und wie Wein gemacht wird. Also mehr oder weniger mein Wochenprogramm innerhalb weniger Stunden.

Es macht sich doch extrem bemerkbar, wenn einige Hände mehr mithelfen als die Tage zuvor. Wir waren insgesamt elf Weinleser an diesem Tag und ab und zu wurde es eng und voll zwischen den Zeilen. Die Lese des ersten Weinbergs der Johanniter-Trauben war innerhalb 30 Minuten komplett fertig. Danach fuhren wir direkt an den Klingenberger Schlossberg, wo der zweite Johanniter auf uns wartete. Aus dieser alten Sorte entsteht bei Stritzingers der Messwein, der nach dem Keltern übrigens eine sehr interessante und fast schon unnatürlich orange Farbe hat. Sowas habe ich noch nie gesehen, schmeckte aber sehr lecker!

Ich werde die Arbeit im Weinberg vermissen (Foto: Sonja Lukenda)
Am Schlossberg kam gegen 10:30 Uhr der Bayerische Rundfunk hinzu und es wurde noch enger im Weinberg. Wir ließen uns jedoch nicht groß stören und arbeiteten konzentriert weiter, während Anja und ihr Vater Willi Stritzinger die ein oder andere Frage beantworteten.

Zurück am Weinkeller wurden wie immer die frisch gelesenen Trauben direkt durch die Presse gegeben und entstielt, deren Oechslegrad gemessen und dann gab es - ganz wichtig zwischendrin - wieder ein gemeinsames Vesper mit frischen Brezeln, Kaffee, Keksen und natürlich - wer mag - eigenem Wein. Das wird mir sehr fehlen. Nach dieser Stärkung ging es weiter in die oberen Weinberge, in denen wir zu Beginn der Woche bereits waren. Der Portugieser sollte noch gelesen werden, das heißt: nur die gesunden Trauben. Eine Auslese sozusagen.

Heute hat uns ein Kamerateam begleitet (Foto: Sonja Lukenda)
Auslesen fällt mir irgendwie schwer, denn es gibt teilweise so viele Trauben, die man hängen lassen musste, weil sie einfach zu viele nicht intakte Beerchen hatten und man den Großteil hätte herausschneiden müssen. Es ist jedoch erstaunlich wie unterschiedlich das von Rebstock zu Rebstock variieren kann. Am einen hängen nahezu einwandfreie Trauben und am anderen wieder kann man die wenigsten direkt mitnehmen. Es hielt sich ganz gut die Waage, aber wirklich hervorragend ist der Ertrag in diesem Jahr bei niemandem.

Die Lese des Portugieser zog sich gefühlt ewig hin, die Sonne schien aber auch gnadenlos vom Himmel und es empfahl sich eine Kopfbedeckung und Sonnenschutz zu tragen. Beim Traubenlesen kann man durchaus braun - beziehungsweise rot werden. Autsch. Gegen 15 Uhr war dann aber auch das letzte Beerchen vom Rebstock geschnitten, wir wischten uns den Schweiß von der Stirn und kehrten mit Sack und Pack zurück zum Keller, wo Detlef schon den Tag über die schon zuvor gelesen Trauben gekeltert hatte und auch die Portugieser gleich weiterverarbeitet wurden.

Das war bestimmt nicht meine letzte Weinlese

Nach einem kräftigen Essen, einer wohltuenden Linsensuppe mit Seitenwürstchen verabschiedeten sich unsere Helfer für einen Tag. Wie ich das herausgehört habe, wollen die meisten davon auch im nächsten Jahr wieder kommen, ob im Rahmen des Aktionstages oder einfach so. Ich kann das sehr gut verstehen, da es mir persönlich nicht anders geht. Das wird nicht meine letzte Weinlese gewesen sein und ich werde auch nicht das letzte Mal in Klingenberg gewesen sein.

Der Weg zu gutem Wein ist manchmal steil (Foto: Sonja Lukenda)
Das Schöne bei dieser Arbeit ist, dass man unmittelbar Ergebnisse sieht. Man weiß einfach, wofür man sich all die Stunden im Weinberg abgemüht hat, und dass eine zwar teils anstrengende und sorgsame Auslese per Hand sehr viel Arbeit bedeutet, diese sich aber (meist) lohnt und man das sowohl sehen als auch schmecken kann. Hier wird wirklich jeder einzelne Schritt in Handarbeit durchgeführt. Es gibt keine riesigen Industriemaschinen, alles ist etwas kleiner. Mengen für zugegebene Hefe werden per Hand ausgerechnet, es gibt keinen Computer, der so etwas übernimmt. Von diesem Handwerk muss man schon etwas verstehen.

Nach einem sehr langen Tag und einem abendlichen, typisch fränkischen Abendessen mit der Familie Stritzinger im goldenen Schwert, dem ältesten Wirtshaus in Klingenberg, ging meine Weinlesewoche sehr schön zu Ende. Ich habe viele tolle und sehr herzliche, gastfreundliche Menschen kennengelernt, die das, was sie tun mit ganz viel Herzblut verfolgen. Da kann das Ergebnis, der Wein, eigentlich nur gut werden.

Ich habe wahnsinnig viel gelernt in diesen fünf Tagen und weiß schon jetzt ein Gläschen guten Wein viel mehr zu schätzen. Nicht, dass das vorher nicht der Fall war, aber wenn man einmal selbst überall mit angepackt und die Abläufe gesehen hat, dann sieht man vieles mit anderen Augen. Vorher fehlte mir auch einfach oft das Wissen dazu. Unwissend bin ich jetzt definitiv nicht mehr und wenn jemand von einem Wein im Kabinettbereich spricht, dann stehe ich nicht mehr unwissend daneben, sondern weiß, was hier gemeint ist und kann vielleicht auch das ein oder andere dazu sagen.

Ich möchte mich auch hier nochmals ganz herzlich bei Familie Stritzinger und auch bei Bioland für alles bedanken! Es war nicht mein letzter Aufenthalt in Franken und in Klingenberg. Nun lege ich aber erst einmal eine Woche die Füße hoch, denn das habe ich mir wirklich verdient.

Beste Grüße,

Sonja Lukenda

Der Anblick läßt den Muskelkater zumindest ein bisschen vergessen (Foto: Sonja Lukenda)

Tag 4: Alles so wild hier

Von wildem Knoblauch bekommt man keine Fahne. Das und noch weitere Pflanzen hat Bloggerin Sonja am vierten Tag ihrer Weinlese kennengelernt.

Das Stampfen gibt gute Arm-Muskeln (Foto: Sonja Lukenda)
Tag 4 - Es ist Donnerstag und somit mein vorletzter Tag am Weingut Stritzinger. Wenn Sie diesen Bericht lesen, ist es sogar bereits der letzte, denn am Samstag geht es wieder gen Süden. Es ist unglaublich, wie schnell Stunden und Tage hier vergehen. Ich fühle mich pudelwohl und mittlerweile als fester Teil des Teams. Schon jetzt bin ich traurig, dass ich am Samstag in der Frühe wieder aufbrechen werde und meine Tage hier in Klingenberg vorüber sind.

Von Tag zu Tag fällt es mir schwerer morgens aus dem Bett zu kommen. Die Weinlese-Woche macht sich eben doch bemerkbar und abends wollen die Blogbeiträge noch getippt werden. Zudem hatten wir gestern einen sehr langen Tag und ich spüre meine allmorgendliche Aufgabe, das Stampfen des Rotwein Cuvée, von Mal zu Mal mehr in den Armen. Je länger die Maische steht, desto einfacher lässt sie sich zwar stampfen, noch merke ich aber nichts davon.

Die Eimer müssen noch voll werden (Foto: Sonja Lukenda)
Heute ging es also etwas später als sonst los. Die Lese des Spätburgunder stand an und wir waren ein Mann weniger in den Terrassensteillagen. Die Anweisung lautete heute: nur gesunde Spätburgunder Trauben. Folglich heißt das, wir nehmen nur vollkommen einwandfreie Trauben mit. Alles andere bleibt hängen, es sei denn, es ist nicht viel zum Wegschneiden. Das wiederum heißt, solange es nur ein bis zwei Beerchen sind, die weg müssen, und man nicht länger beschäftigt ist, kann die Traube mit. Alles andere bleibt am Stock hängen. Die so übrigen Trauben werden zu einem späteren Zeitpunkt "gepopelt" und ich bin durchaus ein bisschen froh, dass ich diesen Zeitpunkt nicht mehr erleben werde, denn nun weiß ich, wie anstrengend das sein kann, wenn man ewig gefühlt keinen Zentimeter in  der Zeile voran kommt.

Was wir heute gemacht haben, nennt sich eine Auslese. Die jetzt noch an den Rebstöcken hängenden Trauben werden später zu Blanc de Noir verarbeitet, einem Weißwein aus roten Trauben. Nachdem hier öfter Begriffe wie "Kabinett", "Spätauslese" und Co. fallen, habe ich mir diese Bezeichnungen gestern einmal von Detlef erklären lassen.

Es ist im Grunde ganz einfach, man kann sich das Ganze wie eine Skala vorstellen. Ab 63-65 Oechsle darf sich ein Wein "Qualitätswein" nennen, danach kommt der Kabinett, den es in der Regel meist nur bei Weißweinen gibt. Ein Rotwein ist zu schwer dazu, ein Rotwein Kabinett wäre demnach ein sehr leichter Rotwein und diese ergibt eine Lese nur selten. Nach dem Kabinett geht es mit höherem Oechsle- beziehungsweise Zuckergehalt in den Beeren in Richtung Spätlese, Auslese, Beerenauslese und weiter zur Trockenbeerenauslese. Wie der Begriff schon vermuten lässt, sehen die Beeren hier schon mehr wie zusammengeschrumpelte Rosinen aus. Nach der Trockenbeerenauslese kommt nur noch der Eiswein.

Ein Eiswein wurde bei Familie Stritzinger noch nie gemacht. Die Trauben müssen dafür den ersten Frost erleben - und sie so lange hängen zu lassen, ist ein hohes Risiko. Es kann immer, auch jetzt, vorkommen, dass das Wetter plötzlich umschlägt und am nächsten Tag alles umsonst war. Wein-machen hat sehr viel mit richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt zu tun.

Ja - Weinlesen ist wie Sport! Das erfordert ganz schön viel Kraft und Kondition (Foto: Sonja Lukenda)
Beim Eiswein ist es so, dass dieser in jedem Fall bei Minimum -7 Grad geerntet werden muss, jedes Grad darüber wird kein Eiswein mehr. Die Regeln sind sehr streng. Folglich frieren sich bei der Eiswein-Traubenlese sämtliche Helfer sonst was ab, wenn das Ganze nicht sehr zackig vonstatten geht. Wer da morgens um 5 Uhr nicht schon im Weinberg steht, kann schon mal Pech haben. Die Trauben für Eiswein müssen schnellstmöglich verarbeitet werden und da sie in diesem Zustand noch gefroren sind, dauert das Keltern auch gut und gerne mal zwei bis drei Stunden. Dementsprechend teuer ist ein Eiswein, eine Flasche kann gerne ab 40 Euro aufwärts kosten.

Da wir heute ausgelesen haben, ging die Lese vergleichsweise schnell. Das heißt jedoch nicht, dass man nach zwei bis drei Stunden fertig ist. Der Wengert, in dem wir gelesen haben, ist der größte zusammenhängende des Weingutes. Es ist keine Seltenheit, dass Weinberge eines Gutes nicht direkt nebeneinander, sondern am Berg verstreut liegen und zwischendrin ganz andere Besitzer liegen.

Das Vesper hatten wir heute im Weinberg sitzend. Was für ein schöner Platz bei strahlendem Sonnenschein dort hoch oben mit Aussicht auf Klingenberg, das Schloss und den Main. Da schmecken Brezeln und Kaffee nochmals besser. Der eigene Wein ist bei jeder Brotzeit selbstverständlich dabei und wer mag, darf sich gerne bedienen - bei der knallenden Sonne jedoch keine allzu schlaue Idee.

Ganz schön steil (Foto: Sonja Lukenda)
Auch beim Abendessen gibt es stets einen Wein als Begleitung. So haben wir heute einen französischen Bordeaux und den St. Urban, einen Rotwein Cuvée, getrunken. Zu Ihrer Information:  St. Urban ist der Schutzpatron der Winzer und das Weingut Stritzinger hat einen beliebten, nach ihm benannten Rotwein im Sortiment. Cuvée ist die Bezeichnung für einen Wein aus mehreren Rebsorten, beispielsweise wie die am Montag gelesenen Sorten, Regent und Deckrot. Das nennt man in der Fachsprache auch einen Verschnitt, klingt meiner Meinung nach jedoch sehr negativ.

Der St. Urban war der allererste Wein, den ich nach meiner Ankunft am Sonntag hier gekostet habe. Bislang habe ich stets einen großen Bogen um Rotwein gemacht, weil ich bisher leider noch nicht das Glück hatte einen probieren zu dürfen, der mir auch wirklich gut schmeckte. Deshalb dachte ich einfach, dass Rotwein mir grundsätzlich nicht schmeckt. Scheinbar ist dem aber doch nicht so. Diese eine Woche hat alles umgekrempelt.

Wilder Knoblauch sieht aus wie Schnittlauch

Die Weinberge hier sind lebendig, dazwischen kreucht und fleucht es. Ich habe die letzten Tage weit mehr Schmetterlinge gesehen als Schnecken. Heute waren sogar ein paar Heuschrecken, sogar richtig große, dabei. Zudem wachsen unter und zwischen den Zeilen allerlei Wildblumen, Kräuter  wie wilder Majoran und auch wilder Knoblauch, der vom Aussehen eher an Schnittlauch erinnert. Natürlich habe ich ihn probiert. Der Vorteil gegenüber normalem Knoblauch ist, dass er zwar genau so schmeckt, man hinterher jedoch keine Knoblauchfahne hat. Ein tolles Kraut! Es wachsen dort aber auch allerhand Brennnesseln, mit denen man in einem unachtsamen Moment sehr oft Bekanntschaft macht. Kurze Hosen sind daher nicht empfehlenswert.

Was für eine Aussicht (Foto: Sonja Lukenda)
Immer wieder klingelt Anja´s Mobiltelefon. So meldete sich gestern beispielsweise ein Kamerateam des Bayerischen Rundfunks und wird uns nebst einer weiteren Journalistin morgen bei der Weinlese ein Stück begleiten. Morgen ist noch dazu ein Weinlese-Aktionstag, der unter anderem vor einiger Zeit in der Zeitung ausgeschrieben wurde.

Wer interessiert ist und sich vorher angemeldet hat, kann vorbeikommen, bei der Weinlese mithelfen und sehen wie so etwas abläuft. Zu elft springen wir morgen also durch die Weinberge. Ich bin sehr gespannt wie der Tag wird, aber sicherlich wird es wieder spät. Wie ich diesen Beitrag zu Ende schreibe ist es kurz vor 0 Uhr und der Wecker klingelt morgen wieder pünktlich um 6:30 Uhr.

Nichtsdestotrotz kann ich sagen, dass ich das als Morgenmuffel zu keiner Minute bereut habe und dankbar bin für alles, was ich hier in so kurzer Zeit gelernt habe. Weil das so viel ist und täglich mehr hinzukommt, vergesse ich regelmäßig all die anderen Infos des Tages rund um Wein und seine Herstellung aufzuschreiben. Ich könnte hier mit etwas mehr Zeit also locker das dreifache schreiben. Andererseits würde ich so aber auch all die spannenden und lustigen Geschichten über örtliche Kuriositäten, Nachbarn - "Wir lachen angeblich zu viel!" -, und Geschehnisse verpassen. Es ist abends nach dem Essen einfach zu lustig, als dass ich das sausen lassen könnte.

Viele Grüße aus dem schönen Klingenberg und bis morgen zum letzten Weinbergspost,

Sonja Lukenda

Wir kommen dem Wein näher: Die Trauben werden verarbeitet (Foto: Sonja Lukenda)

Tag 3 - Jetzt geht es ans Keltern

Am dritten Tag der Weinlese darf Bloggerin Sonja Lukenda bereits das erste Glas probieren. Ein ganz besonderer Moment!

 "Bist warm anzoga? Do oba zieht´s wie Hechtsupp!" Heute ging es hoch hinaus, in den höchsten Weinberg der Familie Stritzinger, und es hing weiter oben noch dichter Nebel um kurz nach 8 Uhr. Es sollte ein schöner sonniger Tag werden, doch so früh am Morgen ist es noch recht frisch und ohne wetterfeste Regenjacke sollte man sich nicht leichtfertig auf den Weg nach oben machen. Wenn ich wählen kann, fahre ich am allerliebsten hinten auf dem Trecker mit, das macht mir sehr viel Spaß und die heutige Fahrt dauerte noch schön lange.

Die Aussicht ganz oben vom Weinberg ist himmlisch, auch wenn es zu dieser Stunde noch diesig war. Sie erinnert mich sogar etwas an meine Heimat, denn wenn man bei uns in den Weinbergen steht und hinunter in das Neckartal blickt, dann sieht es beinahe genauso aus. Hier fühle ich mich wohl.

Unterschiede kann man schmecken

Ehe es hoch hinaus ging, waren allerdings zuerst noch einige Zeilen Müller-Thurgau unten im Ort fällig. Dort besitzt die Familie auch vier Reihen unterschiedlicher Tafeltraubensorten. Seit ich hier in Klingenberg bin, weiß ich erst, wie viele  verschiedene Rebsorten es gibt und kann die Unterschiede auch schmecken und teilweise sehen. Man lernt so unglaublich viel während einer Weinlese.

Bei der heutigen weißen Rebsorte Müller-Thurgau ist die diesjährige Ernte mehr schlecht als recht, die Trauben waren ordentlich vom Essig befallen und auch der ein oder andere Schimmelpilz hat sich fleißig ausgebreitet. Bei Weißweinen wie beim heute u.a. gelesenen Müller-Thurgau ist es teilweise sogar gut, wenn sie eine bestimmte Sorte Schimmel aufweisen, den Edelpilz. Dieser verleiht ihnen ein intensiveres Aroma und ist nicht schädlich für den Wein. Bei roten Sorten hingegen dürfen keinerlei faule Beeren in den Wein, da sie die Farbe verändern können, und wer möchte schon braunen Rotwein trinken?

Die Weinleser erwischen gutes Wetter (Foto: Sonja Lukenda)
Die Ernte des Müller-Thurgau unten, des Bachus oben auf dem Berg und des Portugieser, war heute wieder etwas anstrengender. Besonders der Portugieser ist seit Montag nochmals ordentlich nachgereift und die Beeren platzten schon bei der geringsten Berührung auf und der Saft triefte uns die Hände voll. Dementsprechend viel Saft kam hinterher allerdings auch aus der Mühle. So viele angefressene und angefaulte Trauben es auch gab, es waren immer wieder auch sehr schöne und vollkommen unversehrte Exemplare dabei. Zu acht kamen wir auch recht flott voran, doch der Tag zog sich hin.

Zurück im  Arbeitsraum wurde die Tageslese Bütte für Bütte durch die Mühle gejagt. Wenn das passiert ist, geht es stets daran, das Arbeitsmaterial zu säubern. Sicher hat man nicht immer Lust darauf, aber was erledigt ist, das ist erledigt, und heute stand auch noch die erste Kelter auf dem Programm.

Besonderer Moment: Das erste Glas (Foto: Lukenda)
Der gestern gelesene Gewürztraminer konnte heute schon gekeltert werden und überraschte trotz der problematischen Lese mit einem tollen Geschmack. Hier sieht man dann ganz schön, dass man sich auch von einer vermeintlich schlechten Ernte erst einmal nicht beeindrucken lassen sollte. Die Keltermaschine presst die Maische so, dass der Saft an den Seiten herausgepresst und in einem Behälter aufgefangen wird. Das sieht dann noch eher aus wie bräunliche Brühe als  wie Wein. Detlef schenkte mir ein Glas ein, ich probierte. Dieses erste Glas der ersten Kelter war schon etwas Besonderes und schmeckt sehr süß. Auch die Farbe des Weines war wunderbar golden.

Der Gewürztraminer wird besser werden als bei seiner sehr mühseligen Lese gestern zunächst befürchtet. Die erste Kelter des aktuellen Jahres wird beim Weinbau Stritzinger jedes Jahr traditionell begrüßt. Zu dieser Gelegenheit wird mit dem besten Wein des jeweils letzten Jahres, heute ein Gewürztraminer Kabinett aus dem Jahr 2013, angestoßen und es wird eine kleine Rede gehalten, auf dass der Wein gut werden möge. Wir freuten uns, dass unsere Lese doch noch zu einem so schönen Ergebnis gekommen ist und hoffen natürlich, dass der Wein daraus noch viel viel besser wird.

Hier werden die Trauben verarbeitet (Foto: Lukenda)
Auch der Museumswein wurde heute noch gekeltert, hier probierte ich jedoch nicht. Es musste nach zehn Stunden auf den Beinen dann doch mal wieder ein Kaffee sein. Ganz besonders schön finde ich bei der Lese nicht nur die Zusammenarbeit im Wingert, die lustigen Geschichten und das man so gut zusammen lachen kann, sondern auch das gemeinsame Vesper und anschließende Kaffeetrinken und Keks essen.

Die Weinlese ist ein schönes Erlebnis, auch wenn mein Tag so oft so lang ist. Heute war für mich nach dem Aufstehen um 6.30 Uhr erst um 18.30 Uhr Feierabend, für Detlef und Anja jedoch noch bis 20 Uhr nicht. Solche Tage sind auch für die beiden anstrengend. Nach der Lese fühle ich mich dennoch topfit und könnte direkt weitermachen. Die tollsten Neuigkeiten heute Abend: morgen heißt es ausschlafen bis kurz nach 7 Uhr!

Viele Grüße aus Klingenberg am Main, Sonja Lukenda

 

Tag 2 der Weinlese: Warum sich Sonja Lukende über klebrige Hände freut

Am zweiten Tag der Weinlese lernt unsere Bloggerin Sonja Lukenda die Bösewichte im Weinberg kennen. Dazu gehört nicht nur Sonnenbrand.

Tag 2 - der Wecker klingelte auch heute wieder unerbittlich um 6:30 Uhr. Da nützt es auch nichts, dass ich vergangene Nacht erst um 1:30 Uhr das Licht ausschaltete. Das Tagesprogramm ist straff und Extrawürste werden hier nicht verteilt. Na gut... noch 5 Minuten, dann stehe ich aber wirklich auf. Ein Glück geht das mit dem Anziehen morgens sehr schnell.

Ehe es aus dem Haus geht, gibt es selbstverständlich für mich etwas zu essen und für uns alle gemeinsam den unbedingt notwendigen Kaffee am Morgen. Daran wird sich auch die kommenden Tage nichts ändern. 7:30 Uhr war dann Abfahrt ins Büro, das sind 15 Minuten früher als gestern. Dort angekommen, ging es wieder daran den Wein zu stampfen. Heute früh waren es im Gegensatz zu gestern gleich zwei Bütten voll. In der einen ist der bereits heftig vor sich hin gärende und bald fertige Wein, der letzten Samstag im Museumsweinberg gelesen wurde. Bevor er jedoch gestampft wird, werden erst einmal die Grad Oechsle und die Temperatur gemessen, wozu das Messgerät auch einmal auf Tauchstation gehen darf. "Der kocht ja schon."

Die Weintrauben müssen eine ganze Weile gären (Foto: Sonja Lukenda)
Beide Werte werden zunächst mit Kreide an die Außenwand der Bütte geschrieben, ehe sie in ein Extraheft übertragen werden. Diese Werte müssen akribisch in einem Buch geführt werden, falls eines Tages überraschenderweise mal der Kontrolleur vor der Tür stehen sollte. So etwas kann jederzeit vorkommen. Der mag das dann nämlich gerne alles ganz genau sehen. Der sogenannte Museumswein hatte heute früh eine Temperatur von 20 Grad, also den Wert, den wir während der letzten Augustwochen als Außentemperatur auch gerne gehabt hätten. Der hat es schon gut, der Wein. Dieser Wein war im Vergleich zum Rotwein Cuvée, den ich mir anschließend vornahm, im Handumdrehen gestampft.

Puh, da müssen wir uns noch durcharbeiten (Foto: Sonja Lukenda)
Der künftige Rotwein Cuvée war schon ein Brocken am Morgen. Da ist wirklich Kraft gefragt, um hier den Tresterkuchen nach unten zu drücken und zwar nicht zu knapp. Wer so etwas drei Mal am Tag zusätzlich zur Weinlese macht, der braucht wahrlich kein Fitnessstudio zu besuchen. Nach der Stampferei müssen die Bütten wieder etwas gereinigt und mit Folie abgedeckt werden, damit die Fliegen nicht rankommen. Das ist besonders bei frisch gepresstem Wein wichtig. Die Büttenwände müssen innen noch ein wenig mit Wasser gesäubert werden und wenn man mit etwas Glück, so wie ich, ein oder zwei Nasen voll davon einatmet, dem wird es schon mal kurz anders vor Augen. Aus diesem Grund steht auch die Türe zum Arbeitsraum immer offen, sonst liegt man schneller am Boden als man bis drei zählen kann. Das ist gefährlich.

Als Nächstes wurden weitere leere Bütten wieder auf den Traktoranhänger geladen, denn es wurden heute wieder zwei Weinberge gelesen. Für jeden Weinberg oder jede Sorte gibt es einen Behälter. Heute war der empfindliche, aber besonders aromatische Gewürztraminer an der Reihe. Dieser wächst einmal mitten im Ort auf einem kleineren Grundstück und einmal im ältesten und ersten Weinberg der Familie Stritzinger. Dieser hat eine Terrassensteillage und ist für Menschen mit Höhenangst sicher nicht ganz ohne. Ein falscher Tritt auf den Stufen und man kommt in mehreren Teilen am Fuße des Weinberges an.

Im Ort waren es circa sechs Zeilen und obwohl wir heute teilweise sogar neun Helfer waren, hat sich diese Lese Ewigkeiten hingezogen. Wie bereits erwähnt, ist der Gewürztraminer eine empfindliche Sorte. Wir mussten aufpassen, dass wir keine grünen Beeren erwischen, denn diese haben zu wenig Zucker innerhalb der Traube, sie würden den Wein säuerlich machen. Es muss genau darauf geachtet werden, dass keinerlei faule, verschimmelte oder von der Essigfliege befallene Beerchen im Eimer landen.

Es gibt nicht nur weiße Schimmel

Die Beerchen können von ganz unterschiedlichen Schimmelarten befallen sein, von  denen ich heute etwa drei gesehen habe. Man kann sie bereits auf den ersten Blick erkennen, manche haben eine eher bläuliche Farbe, wiederum andere sind eher gelb oder weiß. Es gibt aber auch andere Bösewichte im Wengert, beispielsweise Mäuse, Vögel oder eben Schädlinge wie die Essigfliege, die bereits beschädigte Beerchen befällt und sie von innen komplett aushöhlt. All das können wir später beim Weinmachen nicht gebrauchen. Ein anderer Schädling, die Kirschessigfliege macht das ganz ähnlich, sie bohrt mit einem Stachel zuerst ein Loch in  die Traube, in das sie ihre Eier legt. Ihre Larven fressen sich dann komplett durch die Traube hindurch. Mahlzeit. Wenn es also heißt: "Die Traube ist im Essig." oder "Die hat Essig." dann bedeutet es, dass sie von diesen Zeitgenossen befallen ist.

Es war tatsächlich kaum eine Traube dabei, die man ohne größere Popelei direkt in den Sammeleimer werfen konnte. Zum Teil sind die Trauben dermaßen befallen gewesen, dass es mehr Sinn machte, einzelne gute Beeren herauszupicken. Da all das von Hand und einzeln gemacht wird, dauert es eben sehr, sehr lange. Es ist eine Heidenarbeit, die nicht unterschätzt werden darf. Ich hatte das Gefühl, dass selbst die langsamste Weinbergschnecke auf dem Weg von unten nach oben schneller kriecht, als ich in einer Zeile vorankam. Der erste Wengert zog sich unglaublich lange.

Da hat sich zum Glück keine Fliege hineingebohrt (Foto: Sonja Lukenda)
Irgendwann kommt aber auch die langsamste Schnecke an ihr Ziel. Und apropos, ich habe bislang erstaunlich wenige Weinbergschnecken hier gesehen. Die gesichteten Exemplare kann ich mehr oder weniger an einer Hand abzählen. Insgesamt hatte ich schon wesentlich mehr Asseln, undefinierbares Krabbelvieh, Marienkäfer und Co. an den Händen als irgendetwas anderes. Bei der Weinlese darf man nicht zimperlich sein oder gar schreiend das Weite suchen, wenn man eine winzig kleine Spinne in den Trauben entdeckt. So würde man auch niemals fertig werden.

Wussten Sie übrigens, dass es ein hervorragendes Zeichen ist, wenn die Hände nach der Lese sehr kleben? Das bedeutet, dass in den Weintrauben viel Zucker enthalten ist und dieser erleichtert uns später wiederum die Arbeit bei der Weinherstellung. Es muss in diesem Fall kein Extrazucker hinzugefügt werden - und das ist klasse.

Der Gewürztraminer gehört laut Anja Stritzinger zu den Spitzenweinen des Weingutes und sein Ertrag ist in diesem Jahr vergleichsweise zu den Vorjahren sehr gering. Das gibt einen nicht ganz günstigen Wein, um es mal so zu sagen. Wie der Wein in diesem Jahr überhaupt wird, das ist schwer vorherzusagen und wird definitiv spannend werden.

Weißweintrauben müssen aufgrund ihrer Empfindlichkeit nach der Lese so schnell wie möglich weiterverarbeitet werden und so kamen auch diese gleich nach unserer Rückkehr in die Mühle und stehen just in diesem Moment im Arbeitsraum, ruhen sich aus beziehungsweise machen hoffentlich Rambazamba in der Bütte. Der Gewürztraminer kann bereits morgen gekeltert werden.

Heute hatten wir einen wirklich schönen sonnig-warmen Tag, was sich nicht zuletzt am Sonnenbrand im Nacken bemerkbar macht. Morgen kommt dann die Sonnencreme mit, das darf man ja nicht unterschätzen. Im alten Wengert darf man sich nicht blenden lassen und man muss sorgsam darauf achten, wohin man seine Füße setzt, denn hier war teils größere Kletterarbeit notwendig. Gute Schuhe zahlen sich aus, das weiß ich nun.

Auch in der Altstadt hängt überall Wein (Foto: Sonja Lukenda)
Da wir heute um kurz vor 16 Uhr mit der Arbeit fertig waren und das Wetter traumhaft war, habe ich die Gelegenheit genutzt, um die Klingenberger Altstadt ein bisschen zu erkunden und Bilder für Zuhause zu machen. Oder wie es mein Freund so schön formulierte: "Du läufst den ganzen Tag so viel und da willst du jetzt freiwillig noch mehr laufen?!" Ja, ich möchte doch wissen, wo ich hier bin und was es hier so gibt. Es gibt da zum Beispiel wenige Schritte entfernt das Alte Gewürzamt von Ingo Holland. Der Gute kommt aus Klingenberg, wussten Sie das? Ich wusste es eigentlich, hätte aber nie für möglich gehalten, dass damit dieses Klingenberg gemeint ist. Sachen gibt´s...

Ein Besuch beim Alten Gewürzamt (Foto: Sonja Lukenda)
Selbstverständlich wird das Alte Gewürzamt vor meiner Abreise nochmals geplündert, denn die erste Currygewürz-Bestellung ist schon bei mir eingegangen. Morgen ist ja leider bereits Mittwoch und es liegt die Lese zweier verschiedener Sorten an: Die eine wächst hier in Klingenberg und die andere in Bürgstadt, wo Anja und ich bereits gestern kurz waren, um den Reifegrad der Beeren zu messen.

Mein Reifegrad für Tiefschlaf ist jetzt ebenfalls mehr als erreicht, daher werfe ich mich nun in die Kissen. Das Schlafdefizit muss dringend aufgefüllt werden, denn morgen wird wieder ein langer Tag - beziehungsweise ein längerer Tag als sonst. Ich freue mich darauf!

Viele Grüße aus Churfranken,

Sonja Lukenda

Zeile für Zeile arbeiten wir uns im Weinberg vor (Foto: Sonja Lukenda)

Tag 1 der Weinlese: Nach dem ersten Tag kann Sonja Lukenda schon einen Roman schreiben

Am ersten Tag der Weinlese lernt Sonja Lukenda gleich verschiedene Rebsorten kennen und weiß jetzt, wann der ideale Zeitpunkt zur Ernte ist. Das verrät ihr ein spezielles Gerät, der Refraktometer.

Tag 1 - der Wecker klingelte um 6:30 Uhr. Um diese Zeit bin ich Zuhause freiwillig nicht ansprechbar, heute kam ich jedoch erstaunlich leichtfüßig aus dem Bett. Nach einem kurzen Frühstück für mich und einer Tasse Kaffee ging es etwa 7:45 Uhr ins Büro, wo Anja Stritzinger sich kurz um die Wetterstation kümmerte - ein großes Hobby ihres Vaters - während Detlef und ich einen Stock tiefer gingen, um den Wein zu stampfen, der am Samstag bereits gelesen wurde. 

Nachtschicht beim Tresterkuchen

Das ging natürlich nicht so vonstatten, dass man munter mit hochgekrempelten Hosenbeinen in die Bütte springt und den Wein mit nackten Füßen stampft. So etwas geht schon allein aus hygienischen Gründen nicht. Dazu gibt es eine Art Stampfer, mit dem man den Tresterkuchen, so nennt sich die oberste Schicht, nach unten drückt. So kommt man an den Saft, der sich darunter befindet, mit der Schale, in der die rote Farbe enthalten ist. Hätten Sie gewusst, dass es diese ist, die dem Rotwein seinen Namen gibt. Diese Prozedur wiederholt man am Mittag und in der Nacht noch einmal. Die Nachtschicht übernimmt Anja´s Vater, Willi Stritzinger.

Echte Handarbeit (Foto: Sonja Lukenda)
Kurz nach 8 Uhr kamen weitere Helfer, so dass wir um 8:30 Uhr zu siebt in den Wengert gingen. Da es angenehmer ist, wurde die erste Rebsorte, der Regent von oben nach unten gelesen. Und weil die Stufen alt und unregelmäßig sind, muss man sehr aufpassen, wohin man tritt. Anja erklärte mir, dass der Regent eine relativ neue Sorte im Weinberg ist und im Vergleich zu anderen robuster und widerstandsfähiger ist. Das bedeutet, dass er weniger anfällig für Krankheiten ist und man ihn demzufolge auch weniger spritzen muss.

Nur die guten Trauben ernten

Dennoch ist es dieses Jahr schwierig mit der Ernte und dem Ertrag der Trauben. Nach kurzer Einweisung konnte ich schon loslegen und tat dies zwar nicht ganz so schnell wie alle anderen, aber ich meine doch sehr gewissenhaft. Ich habe mir die Anweisungen von Anja zu Herzen genommen und auch wenn das manchmal weh tut, eine ganze Traube auf den Boden geworfen, weil entweder der Schimmel sie bereits weitestgehend zerstört hatte oder sich Schädlinge wie die Kirschessig- oder die Essigfliege daran zu schaffen gemacht haben. Das ist bitter, aber so etwas möchte man unter keinen Umständen später in der Bütte und somit im Wein haben.

An einer Traube hängen große und kleine Beeren (Foto: Sonja Lukenda)
Wenn man so eine Weinlese einmal mitgemacht hat und sei es der erste Tag einer ganzen Woche, so fängt man sehr schnell an, Wein mit anderen Augen zu sehen. Es steckt so viel Arbeit und Friemelei dahinter manchmal auch nur eine einzige Traube Weinbeeren zu bearbeiten. Alles wird in Handarbeit gemacht, jede Traube einzeln abgeschnitten und in den Eimer geworfen. Zeile für Zeile beziehungsweise Reihe für Reihe. Denn eine Zeile ist sozusagen eine Reihe.  Mit einer Traube meine ich natürlich nicht jede einzelne Beere beziehungsweise „Beerchen“, wie Anja sagt, sondern das komplette Teil an sich.

So eine Weinlese ist ein Gemeinschaftswerk und im Wengert ist man froh über jede helfende Hand. Es ist auch sehr gesellig, es wurde und wird immer viel gelacht bei den Stritzingers. So herzlich wie ich gestern begrüßt wurde, ging es direkt heute weiter. So hat auch die Weinlese sehr viel Spaß gemacht und immerhin haben wir mit dem Regenten fast eine ganze Bütte voll bekommen. So ein Behälter fasst etwa 614 Liter, die Lese mit dieser Sorte hätte sicherlich besser, aber sicherlich auch noch viel schlechter ausfallen können.

Jetzt gab es erst einmal eine weitere obligatorische und sehr willkommene Tasse Kaffee zu Keksen. Schön, wie man da so gemeinsam steht oder auf dem Anhänger sitzt, miteinander redet, lacht und philosophiert. Willi Stritzinger erzählte mir, wie er sich damals in Klingenberg für das heutige Weingut beworben hatte und so letztendlich nicht nach Hohenheim an die Forschungsanstalt ging, sondern hierher kam, wo wir heute gemeinsam Weintrauben lesen.

Nach dem Päuschen ging es in den nächsten Weinberg nur ein paar Meter weiter. Die Rebsorte, die hier wächst, trägt den Namen Deckrot und hat kleine fast schon schwarze Beerchen, die fest an der Traube hängen. Die Blätter sind dunkelrot und der Saft hat eine wunderschöne blutrote Farbe - macht sich sicherlich ganz wundervoll auf heller Kleidung.

Der Ertrag dieses Weinbergs übertraf sichtlich die allgemeinen Vorstellungen: Es mussten kaum Beerchen weg geschnitten oder liegen gelassen werden. So gut war die Lese hier bis dato noch nie ausgefallen und so waren wir auch recht schnell durch. Ich meine, ich habe nicht einmal ganze zwei Zeilen geschafft, ehe die ersten sich schon bis nach unten durchgearbeitet haben. Entweder waren sie also furchtbar schnell oder ich furchtbar langsam. Zu meiner Verteidigung: Ich sollte das Ganze ja auch fotografisch festhalten.

Die Stiele sollen nicht im Wein landen

Wieder zurück wurden alle beiden Traubensorten nacheinander gepresst und entstielt. Da aus dem Regent und Deckrot ein Rotwein Cuvée werden soll, landen die Trauben direkt zusammen in einer Bütte, die einen Stock tiefer liegt und durch ein Stahlrohr mit der Maschine einen Stock darüber verbunden ist. Die Stiele landen in einem separaten Eimer, die möchte man dort natürlich nicht mit drinnen haben.

Die Trauben müssen entstielt werden (Foto: Sonja Lukenda)
Nach getaner Arbeit wurden draußen Bierbänke aufgestellt und es gab zur Stärkung eine wohltuende Kürbissuppe mit Würstchen und Brot. Der Wein des eigenen Weinguts ist allgegenwärtig und so wurde auch zu diesem Essen ein Schlückchen getrunken. Anschließend habe ich mich mit zwei weiteren Helfern um die Säuberung der Leseeimer und anderer Gerätschaften gekümmert.  Aufräumen gehört eben auch dazu.

Um etwa 15:30 Uhr waren wir fertig, eine frühe Uhrzeit. Da Anja noch nach zwei weiteren Rebsorten und deren Reifegrad schauen wollte, sind wir zwei noch 18 Kilometer weiter nach Bürgstadt gefahren. Dort haben Stritzingers auch einige Zeilen, um genau zu sein vier Zeilen Portugieser stehen.  Das ist eine Rebsorte, die in etwa so viel mit Portugal zu tun hat wie eine Pizza mit Japan. Wer denkt sich so etwas nur aus? Weiterhin gibt es noch 14 Zeilen Spätburgunder.

Der Grad Oechsle bestimmt, wann die Lese beginnen kann

Anja erklärte mir, wie man mit einem sogenannten „Refraktometer“ die Grad Oechsle in den einzelnen Trauben misst, um den optimalen Lesezeitpunkt zu bestimmen. Es kommt vor, dass an einer Traube einzelne Beerchen unterschiedliche Grad Oechsle haben. Das bedeutet, dass sie noch nicht so weit sind. Manchmal jedoch kann man die Trauben nicht viel länger hängen lassen, da die Gefahr besteht, dass sich Fäulnis ausbreitet und das ist wiederum auch für niemanden gut. Wann die Trauben gelesen werden sollen, ist also keine einfache Entscheidung.

An der idealen Spätburgunder-Traube hängen Beerchen ganz unterschiedlicher Größe, die einen sind groß und wiederum andere ganz klein. Wären alle groß, würden einzelne Beerchen platzen und die Essigfliege würde spätestens dann dafür sorgen, dass sich die Fäulnis ausbreitet.

Kopf voll, Bauch voll

Wenn man experimentierfreudig ist, kann man sich aus dem Holz dieser "idealen" Traube weitere ziehen und so irgendwann einen Rebstock haben, der mit etwas Glück nur noch solche Trauben hervorbringt. Weinbau ist wahrhaftig eine Wissenschaft für sich, es gibt so viel zu wissen und zu erfahren, dass ich schon heute so viele Momente der Verblüffung erlebt habe, dass ich nicht weiß, was die nächsten Tage an Wissen folgen wird. Mein Kopf ist voller spezifischer Begriffe und mein Magen voller Weintrauben, denn naschen ist zwischendrin selbstverständlich ebenfalls erlaubt.

Vielleicht träume ich heute von der Natur im Weinberg (Foto: Sonja Lukenda)
Morgen wird der Gewürztraminer in einem weiter unten am Hang gelegenen Wengert gelesen. Er soll leicht rosafarbene Beeren haben und wird nicht so einfach zu lesen sein wie heute der Deckrot. Vermutlich wird der Ertrag hier ebenfalls geringer sein. Ich bin gespannt und freue mich auf den morgigen Tag! Für heute kann ich sagen, dass ich keinen Muskelkater habe, sondern einfach nur müde bin von der kurzen Nacht, dem langen Tag, der Bewegung im Weinberg, von all den tollen Eindrücken, lustigen Anekdoten und Geschichten der Familie.

Ich fürchte, wenn ich wieder in Stuttgart bin, kann ich mich an einen Roman setzen, um all das festzuhalten, was ich hier schon allein an einem Tag erlebt habe.

Bis morgen wieder im Weinberg,

Sonja Lukenda

Trotz grauem Himmel: Die Landschaft ist herrlich (Foto: Sonja Lukenda)
 

Ankunft im Weingut: Fränkische Herzlichkeit

"Laubenmanagement" ist das neue Lieblingswort, das Sonja Lukenda bei ihrer Ankunft gelernt hat. Überhaupt hat sie schon allerlei erlebt.

Es ist gerade Sonntagabend, weit nach 21 Uhr und anstatt in's Bett zu fallen, sitze ich noch hier und schreibe den ersten kleinen Bericht nach meiner Vorstellung, dabei bin ich wirklich sehr, sehr, sehr müde. Soeben saß ich noch mit Winzerin Anja Stritzinger und ihrem Mann beim Abendessen und lasse den Sonntag nun gemütlich ausklingen.

Unterwegs von Stuttgart nach Franken war ich bereits am Samstag. Der Wecker warf mich in Stuttgart pünktlich um 7:30 Uhr aus dem Bett, damit ich auch ohne Hektik meinen Zug um 9 Uhr nach Karlsruhe zu meinem Bruder erwischen konnte, denn dort musste ich erst einmal das Auto abholen, ehe mein Ausflug zur Weinlese in Franken beginnen konnte.

Zwischenstopp im Schloss

Wenn man schon mal in Franken ist, muss man auch gleich etwas mehr probieren (Foto:Sonja Lukenda)
Mein erster Stopp auf dem Weg nach Klingenberg am Main war Zeilitzheim in der Nähe von Schweinfurt. Genauer gesagt das Barockschloss Zeilitzheim und die drei Weinmacher von "Wein von 3", mit denen ich vorab schon Kontakt hatte. So verbrachte ich die erste fränkische Nacht in einem wunderschönen Zimmer, das im dazugehörigen Hotel des Barockschlosses buchbar ist. Wann hat man schon einmal die Gelegenheit in einem originalen Himmelbett zu nächtigen, das einmal der Familie von Maria Stuart gehörte? Eben, ein wahrer Mädchentraum.

Gestern Abend gab es für mich dann noch Programm im Rahmen einer Stadtführung durch Schweinfurt mit der ehemaligen Weinprinzessin und anschließendem Essen im Korkenzieher, einem feinen Lokal mit allerhand regionalen Spezialitäten. Ein wirklich nettes, sehr gemütliches Lokal in der Innenstadt. Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass ich danach in's Bett gefallen bin und geschlafen habe wie ein Stein. Der Tag war lang.

Ankunft startet mit Weinprobe

Gut erholt wachte ich heute früh auf und machte direkt nach dem Frühstück im Jagdsaal des Schlosses noch eine Stadtführung, die es im Rahmen des Tages des offenen Denkmals mit anschließender kleiner Sonderführung von einem der drei Weinmacher gab. Das war sehr beeindruckend! Es ging also schon gestern Abend los mit allerhand Informationen zu Wein. Das zog sich heute gleich weiter und nach meiner Ankunft in Klingenberg durfte ich mich direkt zu Familie Stritzinger und den übrig gebliebenen Gästen des kulinarischen Weinwandertages mit an den Tisch setzen und einen Rotwein probieren.

Es haben mich heute Begriffe wie Oechsle, Laubmanagement - mein persönlicher Lieblingsbegriff des Tages  -, Barrique Fässer, in die ich schnuppern durfte, Hefe, Regent, Bodenmanagement, Restzucker, Museumsweinberg und weitere durch den Tag begleitet.

Bald bin ich da! (Foto: Sonja Lukenda)
Ich hatte ja bereits in der Vorstellung geschrieben, dass ich mir vorstellte wie ich mit dem Auto über kurvige Landstraßen und durch hübsche kleine Dörfer fahren würde. Es war genau so wie in meiner Vorstellung. Zumindest nach den 80 Kilometern Autobahn. Ein herrliches Fleckchen Erde, wirklich wunderschön. Erst Recht, wenn dann auch noch die Sonne zwischen den Wolken hervorlugt.

Kurz vor 17 Uhr kam ich am Weingut an, nachdem ich nur so etwa drei Mal mein Ziel verfehlt hatte und daran vorbeigefahren bin. Die Begrüßung der Familie Stritzinger, die noch mit einigen verbliebenen Gästen der kulinarischen Weinwanderung, die heute stattfand, zusammen saß, war sehr herzlich. Es wurde viel gelacht und ich hatte gleich ein gutes Gefühl. Die nächsten Tage können also kommen.

Wieso schmeckt der gleiche Wein in unterschiedlichen Gläsern anders?

Ich durfte mich sofort dazu setzen, bekam ein Glas Wasser eingeschenkt und kam genau pünktlich zu einem kleinen Experiment, das ein Ehepaar, welches auch im letzten Jahr bereits am kulinarischen Wandertag teilgenommen hatte, mit Anja Stritzinger vorhatte. Es sollte ein Rotwein aus zwei unterschiedlichen Gläsern probiert werden. Das eine waren übliche Weingläser mit und das andere Weingläser ohne Stiel - "den hat einfach jemand vergessen dran zu machen." Diese Gläser hatte das Paar selbst mitgebracht, "das sind unsere Reisegläser."

Wein ist eine Wissenschaft für sich (Foto: Sonja Lukenda)
Ja, ich hatte solche Gläser schon gesehen, wusste aber nicht, dass man sie auch zum Weintrinken benutzen konnte. Nun sollte Frau Stritzinger denselben Rotwein aus beiden Gläsern kosten und dieser sollte aus jedem der Gläser gänzlich anders schmecken. Als Laie mag man das für Unfug halten, ich durfte jedoch auch den Geschmackstest machen und es war tatsächlich so, dass der Wein aus jedem der Gläser anders schmeckte. Weshalb das so ist, konnte niemand klären, denn einen offensichtlichen Unterschied gibt es nicht. Die geheimnisumwobenen Zaubergläser scheinen die Gerbstoffe aus dem Wein geradezu herauszufiltern und ihn runder zu machen.

Es ist faszinierend und Wein machen ist eine Wissenschaft für sich. Schon in Zeilitzheim habe ich mir erklären lassen, wie man es schafft mit Kühlung den Gärprozess beim Wein zu unterbrechen und man den Moment abpassen kann, in dem der Wein genau so ist wie man ihn vorab haben wollte. Es waren schon heute so viele Informationen, dass die Hälfte davon sich unterwegs in irgendwelche Windungen meines Gehirns festgesetzt hat, in denen ich sie zu dieser späten Stunde nicht mehr vollständig abrufen kann. Die kommenden Tage werde ich darüber sicherlich noch so viel hören, dass ich es Ihnen am Ende der Weinlesewoche im Schlaf herunterrattern kann.

Schlaf ist nun auch das, was ich dringend brauche, denn der Wecker klingelt morgen früh erbarmungslos um etwa 6:30 Uhr. So früh wird zwar noch kein Wein gelesen, aber bis dahin gibt es noch so das ein oder andere zu tun. Morgen kann ich sicherlich mehr dazu schreiben. Bis dahin werde ich mir nun meine wohlverdiente, wenn auch verkürzte Nachtruhe gönnen, die ich bestimmt dringend brauche, um den ersten Tag der Weinlese gut zu überstehen. Es wird ohne Zweifel anstrengend.

Viele Grüße aus der Klingerberger Altstadt,

Sonja Lukenda

Vom Büro in den Weinberg - Sonja Lukenda bloggt eine Woche lang über ihre ersten Winzer-Erfahrungen. (Foto: privat)
 

Vor der Anreise: Lieber keine Gummistiefel

Sonja Lukenda bloggt in ihrer Freizeit eigentlich übers Essen. Jetzt geht es eine Woche lang ums Trinken. Vor ihrer Ankunft schrieb sie uns, was ihr als Winzerin in spe durch den Kopf ging.

Hallo da draußen,

ich bin Sonja, 29 Jahre jung, komme aus Stuttgart und versorge Sie von nun an eine Woche lang jeden Tag mit allerlei Infos, Erlebnissen, Anekdoten, Geschichten, vielen, vielen Fotos und Beiträgen von meiner Weinleser-Woche bei Familie Stritzinger in Klingenberg am Main. Wenn ich nicht gerade zum allerersten Mal bei der Weinlese im Weinberg herumspringe und mich waghalsig fiesem, gemeingefährlichen Krabbelvieh entgegenstelle, arbeite ich als Fremdsprachenassistentin in einem kleinen Stuttgarter Büro. In meiner Freizeit schreibe, fotografiere, bastle und backe ich gerne an meinem Foodblog "the whitest cake alive", den ich nun seit etwas mehr als zwei Jahren erfolgreich betreibe.

Auf dem Blog ging es bislang um Vieles, aber noch nicht um Wein, sondern viel eher um gute Lebensmittel im Allgemeinen und natürlich - ganz wichtig auf einem Backblog: um kleine kulinarische Geschenke aus der Küche. Also Süßkram und Kuchen, für die man keine fünf Stunden in der Küche stehen muss. Sie sind meist einfach gemacht, haben aber dennoch durch eine bestimmte Zutat eine besondere, raffinierte Note. Jeder aufwändigen Motiv- oder Sahnetorte würde ich diese stets vorziehen. Wein ist bislang ein Thema gewesen, welches lediglich privat oft präsent war und ist. Zum Beispiel mit Fragen wie dieser: "Sonja, kannst Du mir einen guten Weißwein empfehlen? Ich weiß nicht, was mir schmeckt."

Zum Geburtstag eine Weinprobe

Das ist eben so, wenn man zum Geburtstag schon einmal eine Weinprobe vom Bruder höchstpersönlich bekommt, der sich ganz hervorragend mit Weinen auskennt, da er in einem, wenn nicht gar DEM, Karlsruher Weingeschäft arbeitet und dort auch regelmäßig Genussseminare gibt. Das ist ein Geburtstag gewesen, den ich so bald nicht vergessen werde und der auch bei meinen Gästen sehr gut ankam. Es ist einfach schön zu sehen, wenn Menschen durch so etwas für tolle Produkte - wie beispielsweise einen guten Wein - sensibilisiert werden. Und wenn sie dann ein Gefühl dafür entwickeln und mit offenen Augen kaufen, und wenn es ihnen nicht egal ist, was im Weinglas landet, sondern wenn sie lieber in ein Weingeschäft gehen und sich eventuell auch mal beraten lassen, statt sich "irgendetwas" im Supermarkt auszusuchen, das eben ein schickes Etikett trägt.

Damit möchte ich jedoch keineswegs sagen, dass man nicht auch dort nette Weine kaufen kann. Es kommt eben ganz darauf an, was man möchte. Ein toller Wein muss nicht zwangsläufig zehn Euro kosten.

Das bin ich: Sonja Lukenda
Wein ist auch durch den kleinen Weinberg meiner Großeltern in Kroatien ein Thema bei uns. Bewirtschaftet und gepflegt wird er allerdings schon lange nicht mehr, zuletzt zu Lebzeiten meiner Großeltern. Für so etwas fehlt uns dann doch die nötige Erfahrung. In der Familie interessieren wir uns alle für guten Wein und bei besonderen Gelegenheiten und Familienzusammenkünften gibt es auch immer solch einen zum Essen. Man kann schon sagen, dass wir Weinliebhaber sind.

Wieder in Stuttgart haben wir allerdings das Glück von Weinbergen umgeben zu sein: Mit den historischen Innenstadtweinbergen gehen sie sogar bis in die Stadt hinein. Hier gibt es schöne Weinwanderwege. Wenn man die Gelegenheit hat, so eine Weinwanderung zu machen, sollte man das unbedingt tun. Es ist wirklich wunderschön! Man könnte sagen: Wir in Stuttgart sind vom Wein gesegnet, aber vor allem sind wir die einzige deutsche Großstadt, die ein eigenes Weingut besitzt und das will schon einmal etwas heißen. Stuttgart ist nicht nur für seinen innerstädtischen Feinstaub, eine Stadtbibliothek, die von außen wie ein grauer schnöder Bücherknast anmutet oder den Bau eines unterirdischen Bahnhofs bekannt. Wir können auch Wein machen.

Das Thema "Genuss" ist mir, wie Sie sehen, also schon bestens vertraut und sowohl auf dem Blog als auch privat kein unwichtiges Thema. Ich freue mich wirklich schon sehr auf eine aufregende Woche bei Familie Stritzinger! Was genau erwartet mich jedoch dort? Was habe ich für Erwartungen? Dafür habe ich momentan noch überhaupt kein Gefühl. So etwas mache ich zum ersten Mal. Allerdings fand ich die Blicke meiner Freunde und Bekannten stets recht amüsant, wenn ich erzählt habe, was ich in der Woche vom 15.-21. September so machen werde.

"Was, du gehst zur Weinlese in Deinem Urlaub? Das ist aber ganz schön anstrengend! Bist Du sicher, dass Du das machen willst? Da muss man ganz schön fit sein und ordentlich mit anpacken können." Ja, ich weiß und genau das möchte ich ja auch. Ich möchte etwas Neues sehen, lernen und erleben. Ich möchte mein Wissen vertiefen. Wer es schafft mit einem halbwegs kühlen Kopf eine zweiwöchige Jugendfreizeit mit 30 pubertierenden, anstrengenden Teenagern in Spanien durchzustehen, der wird ja wohl auch eine fünftägige Weinlesewoche überstehen.

Was soll ich nur alles einpacken?

Ich möchte anpacken, auch wenn ich vielleicht nicht so aussehe als könne ich das besonders gut. Ich werde aber genau das tun, helfen, fotografieren, viele Fragen stellen, lernen und über all das hier schreiben. Was soll ich nur alles einpacken? Ich bin outdoortechnisch nicht wirklich gut ausgestattet, habe bis vor ein paar Tagen noch nicht einmal ordentliches, festes Schuhwerk besessen. Um ehrlich zu sein: sogar alles andere als das. Deshalb musste das nun als erstes her. Ein weiterer Punkt, den ich nun also auf meiner Liste abhaken kann. Ich glaube, das war es auch schon mit den neuen Anschaffungen.

Die Hänge des Weingut Stritzingers (Foto: Jessica Maron)
Natürlich habe ich Winzerin Anja Stritzinger vorab bereits gefragt, was ich alles brauchen werde und unbedingt mitnehmen muss. Festes Schuhwerk habe ich ja nun, ansonsten darf Kleidung mit, die gerne auch mal dreckig werden darf. Nicht gerade die übliche Kleidungswahl für einen Urlaub, wenn Sie mich fragen und von daher auch eine sehr willkommene Abwechslung. Im Weinberg muss man nicht hübsch aussehen, sondern funktionelle Kleidung tragen und eine Regenjacke ist da sowieso immer von Vorteil. Bei Regen werden bei Familie Stritzinger zwar keine Trauben gelesen, aber morgens kann es durch den Tau schon mal feucht sein, deshalb sollte man mit seinen Schuhen nicht nur einen guten Tritt haben, sie sollten auch wasserfest sein. Mit nassen Füßen wird das sonst schnell sehr ungemütlich und kalt am Hang.

Festes Schuhwerk, eine Regenjacke und Klamotten, die dreckig werden dürfen. Das scheint also das Wichtigste zu sein, was ich im Koffer dabei haben sollte. Klingt machbar. Der so genannte Zwiebellook ist auch im Weinberg von Vorteil, da es morgens sehr frisch und mittags wiederum sehr warm werden kann im September. Von anderer Seite habe ich noch weitere nützliche Tipps bekommen: So macht es wohl auch Sinn, einige Einweghandschuhe mitzunehmen, denn die Weinlese kann eine sehr klebrige Angelegenheit werden, wenn die Trauben reif sind. Ob Gummistiefel oder wasserfeste Schuhe, das ist so ein Dilemma. Ich denke, dass ich auf Gummistiefel verzichten werde, da diese oftmals kein gutes Profil haben und ich es mir auch nicht besonders angenehm vorstelle, mich damit an einem steilen Hang gut bewegen zu können.

Vorab schon mal die fränkische Küche probiert

Mit der Weinregion Franken habe ich mich im letzten Beitrag für meinen Blog bereits etwas beschäftigt, denn ich hatte schon vor ein paar Wochen ein kulinarisches Genusspaket mit Lebensmitteln aus der Region (Wein, Öl, Honig, Pralinen, Spargel etc.) zum Probieren erhalten. Wussten Sie, dass scheinbar schon im 8. Jahrhundert in Franken Weinbau betrieben wurde?

Natürlich habe ich mir vorab auch ein wenig über das Weingut Stritzinger und seine Geschichte angelesen, ich möchte schließlich wissen, wo und bei wem ich diese eine Woche verbringen werde und nicht ahnungslos und von nichts wissend dort aufkreuzen. So habe ich beispielsweise gelesen, dass bereits der Ur-Ur Großvater von Winzerin Anja Stritzinger Weinküfer war und sich somit besonders gut mit dem Weinanbau und der Herstellung von Weinfässern auskannte. Oder aber, dass das Weingut mit 40 Jahren noch zu den sehr jungen Gütern zählt.

Ob ich bei dieser Gelegenheit auch die Schweinfurter Schlachtschüssel kosten werde?

Mein Ausflug nach Franken geht am Samstag, den 13. September los und auf dem Weg nach Klingenberg und wenn ich schon einmal in der Ecke unterwegs bin, schaue ich noch auf einem anderen Weingut in Zeilitzheim vorbei, wo ich auch meine erste Nacht in Franken im Zeilitzheimer Barockschloss verbringen werde. Spannend! Da ich in Schweinfurt zusätzlich noch jemanden kenne, möchte ich die Stadt bei dieser Gelegenheit natürlich auch noch ein klein wenig erkunden - selbstverständlich wie es sich für eine Foodbloggerin gehört sowohl kulinarisch als auch im Rahmen einer kleinen Stadtführung. Wenn ich schon einmal dort bin, dann soll sich das Ganze ja schließlich auch lohnen. Ob ich bei dieser Gelegenheit auch die Schweinfurter Schlachtschüssel kosten werde? Wohl eher nicht. Auf die regionale Küche, die ich während dieser einen Woche hoffentlich ausgiebig probieren werde, freue ich mich allerdings schon sehr. Es geht eben auch mal ohne Kuchen und Süßkram.

Welche Dinge beschäftigen mich so kurz vor meiner Abreise noch? Neben dem üblichen Kram, was ich so mitnehmen soll, was mich sowohl unterwegs als auch auf dem Weingut erwartet, wie ich mich mit der Familie verstehen, wie ich mich wohl so anstellen werde bei der Weinlese etc., frage ich mich natürlich auch wie es den anderen Weinlesern gerade ergeht. Machen sie das auch zum ersten Mal oder wissen sie schon längst wie der Hase im Weinberg läuft? Was werden sie so erleben während dieser Woche auf "ihren" Weingütern in Baden-Württemberg und in Südtirol? Ich bin gespannt auf ihre Erfahrungen, ihre Erlebnisse zu lesen und ihre Bilder zu sehen.

Nun verabschiede ich mich aber erst einmal für heute, denn schon bald geht es los und ich nehme Sie mit nach Franken! Bis dahin muss noch alles verstaut und besorgt, der Akku für die Kamera geladen und der Laptop eingepackt werden. Die letzten Tage vor der Abfahrt sind dann doch immer etwas stressig und hektisch. Ich freue mich aber schon auf das kleine Weinberg-Abenteuer, darauf Sie in den kommenden Tagen über meine Erlebnisse auf dem Laufenden zu halten und Sie mit vielen Bildern aus Klingenberg zu versorgen.

Bis bald im Weinberg,

Sonja Lukenda

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