Armes Schwein: Hat weder Stroh noch darf es an die frische Luft (Foto: imago/Bildfunk-MV)
29.03.2016
Kommentar

Genug geredet, Herr Minister!

Von Magdalena Fröhlich

Die Schweizer machen es uns vor: Mehr Tierschutz ist möglich. In der Schweiz ist es seit Jahren verboten, Hühner in Käfigen zu halten, Rinder müssen an die frische Luft. Und wer staatliche finanzielle Förderung will, muss dafür auch etwas für Tier und Umwelt tun. Und in Deutschland? Hier spricht das Landwirtschaftsministerium zwar regelmäßig von mehr Tierschutz - aber gehandelt wird nicht.

Auf verbindliche Vorgaben wartet man aus dem Haus von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt vergeblich. Stattdessen gibt es hier ein neues Papier, dort einen neuen Arbeitskreis. Und vielleicht noch ein paar Infoblättchen. Das sieht alles ganz hübsch aus, bringt aber wenig. Vor allem, wenn es keine definierten Zielvorgaben gibt. Bestes Beispiel: Schmidts Initiative (auch ein schönes Wort für unkonkretes Handeln) "Eine Frage der Haltung". Zehn Punkte umfasst ein Papier dazu: Am Ende jedes Punktes heißt es meist "das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft wird die Akteure zusammenbringen" oder "moderiert den Prozess" oder "wird ergänzende Vorschläge unterbreiten". Also was nun? Wollen wir mehr Tierschutz oder nicht? Haben wir einen Minister oder einen Moderator?

Das Ministerium selbst erinnert sich im Vorwort der Broschüre an seine Verpflichtung: "Der Tierschutz steht seit 2002 als Staatsziel im Grundgesetz und ist damit eine verbindliche Leitlinie für das Regierungshandeln." Wohlgemerkt: Handeln! Immerhin ist viel von "Verbindlichkeit" die Rede - und von "Freiwilligkeit". "Verbindliche Freiwilligkeit", heißt es dann. Manchmal auch: "Freiwillige Verbindlichkeit". Jeder kann es sich also so hindrehen, wie es ihm gerade in den Kram passt.

Seine Initiative hat Schmidt auch mit der "Initiative Tierwohl" des Bauernverbandes und einiger Unternehmen aus dem Handel und der Fleischwirtschaft verknüpft. Dahinter steckt ein Konzept, dass Bauern vom Handel, also von großen Supermarktketten, Geld bekommen, wenn sie ihre Tiere ein klein wenig besser halten: Und ihnen zum Beispiel Beschäftigungsmaterial und Tageslicht bieten. Das ist ein erster Schritt. Und er zeigt: Eigentlich wären gern viel mehr Landwirte dazu bereit, ihren Tieren ein artgerechteres Leben zu bieten - sofern sie das auch entlohnt bekommen. Denn die Warteliste interessierter Bauern, die gern in den Genuss der Förderung kämen, ist lang. Es ist zu wenig Geld im Topf, als dass es für alle Bauern reichen würde. Zuletzt sind Mitte März 300 Schweinebetriebe nachgerückt.

Und: Es reicht auch nicht, um wirklich etwas Grundlegendes in der Tierhaltung zu ändern. Selbst wenn es den Tieren etwas besser geht - ist das noch immer nicht gut. Wer meint, mit vier bis acht Cent pro Kilo Fleisch lasse sich der Tierschutz deutlich verbessern, wie es die Tierwohlinitiative behauptet, der lügt sich in die Tasche. Das sagt auch der wissenschaftliche Beirat des Ministers. Mindestens drei bis fünf Milliarden bräuchte es jährlich für einen Umbau in der Tierhaltung - und echten Tierschutz, der über ein bisschen Schweinespielzeug hinausgeht.

Für wirklichen Tierschutz fehlt aber sowohl das Geld als auch ein wirksames Tierschutzrecht. Bio macht vor, wie die Strategie aussehen könnte: Weniger Tiere, dafür mehr Platz in Stall. Mehr Qualität und Verbraucher, die bereit sind, dafür auch mehr zu bezahlen. Und gesetzliche Vorgaben. Denn Bio-Förderung bekommt nur, wer sich an die gesetzliche Vorgaben hält.

Mehr zum Thema

Auf bioland.de:

Im Netz:

Eine Frage der Haltung: www.bmel.de

Initiative Tierwohl: www.initiative-tierwohl.de