Bioland-Bauern möchten, dass es ihren Tieren gut geht (Foto: Bioland)
10.03.2016
Kommentar zu Antibiotika

Ohne Medikamente kein Tierschutz

„Skandal“ und „Etikettenschwindel“ konnte man jüngst in der Presse lesen. Der Hintergrund: 35 von rund 1,6 Millionen Tieren auf Bioland-Höfen wurden 2015 mit Medikamenten aus einer Verbotsliste behandelt. Eine Liste, die sich Bioland nicht ohne Grund freiwillig auferlegt hat. Doch: Ist das ein Skandal? Von Gerald Wehde

Natürlich, für Biobauern gelten andere Regeln als für ihre konventionellen Kollegen. Das ist im Acker- und Gemüsebau so und auch in der Tierhaltung. Gut so, denn Biobauern verzichten gerne auf den Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide und geben ihren Tieren Auslauf und mehr Platz im Stall. Und genau das ist ja auch ihr Gütesiegel und wird von Verbrauchern geschätzt. An Biobauern werden deshalb auch andere Erwartungen gestellt.

In der Bio-Tierhaltung geht es grundsätzlich darum, durch gute Haltungsbedingungen, viel Auslauf an der frischen Luft, viel Platz und gesundes Futter Krankheiten zu vermeiden. Doch sind diese auch unter besten Bedingungen nie ganz zu vermeiden. Dann ist es nicht nur der Wunsch des Landwirts, sondern sogar seine gesetzliche Pflicht, dem Tier Leid und Schmerzen zu ersparen und dieses behandeln zu lassen. In der Regel setzen Biobauern dafür natürliche Heilmittel ein. Wenn diese nicht wirken, können synthetische Medikamente zum Einsatz kommen.

Und erst wenn die bei Bioland erlaubten Mittel nicht anschlagen oder verfügbar sind, werden bei Bioland Ausnahmegenehmigungen für Wirkstoffe ausgesprochen, die auf der Bioland-Verbotsliste stehen. Betriebe anderer Verbände oder solche, die nach EU-Öko-Verordnung wirtschaften, brauchen solche Ausnahmegenehmigungen nicht, weil der Einsatz kritischer Wirkstoffe hier gar nicht erst eingeschränkt ist. Es war unglücklich, dass Bioland in seinen Richtlinien nicht explizit auf die Möglichkeit von Ausnahmegenehmigungen hingewiesen hat. Dass es die Ausnahmegenehmigungen geben muss, ist aber aus Gründen des Tierschutzes unerlässlich. Die Richtlinien werden entsprechend ergänzt.

Bioland war bei Medikamenten immer schon besonders streng: Bestimmte in Deutschland generell für Tiere zugelassene Antibiotika sind bereits seit über 20 Jahren verboten, da sie als Reserveantibiotika in der Humanmedizin gelten. Damit haben die Bioland-Bauern die Problematik der zunehmenden Resistenzen mit als Erste erkannt und gehandelt. Und zwar lange bevor dieses Thema in der gesellschaftlichen Debatte angekommen ist.

Inzwischen wird der tonnenweise Antibiotika-Einsatz in der Massentierhaltung von vielen Seiten kritisch gesehen. Die Forderung nach einer absolut antibiotikafreien Biotierhaltung ist allerdings überzogen. Wer die Grundsätze einer ökologischen Landwirtschaft unterstützt, sollte sich genau überlegen, ob er ausgerechnet diejenigen an den Pranger stellen möchte, die sich bereits seit Jahrzehnten mit alternativen Methoden für das Wohl ihrer Tiere einsetzen und alles tun, um dem Grundsatz des Tierschutzes gerecht zu werden: "Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schaden zufügen."

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