Mario Binder und Ulrich Glemnitz in ihrem Foodtruck: Hier verkaufen sie vegane Bio-Burger, seit kurzem gibt es diese auch im Restaurant (Foto: Hardt)
17.09.2015
Interview über Schwarmfinanzierung

"Crowdfunding ist ein gutes Marketinginstrument"

Wo gibt es Geld für ein veganes Bio-Burger-Restaurant? Im Internet! Die beiden Betriebswirte Mario Binder und Ulrich Glemnitz haben eine Crowdfunding-Plattform genutzt, um an Kapital zu kommen. Das hat geklappt. Wie, erklärt Mario Binder im Interview.

Die Crowdfunding-Kampagne des Bunte-Burger-Restaurants

  • Das Bunte-Burger Team hatte drei Monate Zeit, um Geld auf der Crowdfunding-Plattform Startnext für ein veganes Bio-Burger-Restaurant in Köln zu sammeln.

  • Als Ziel haben die Initiatoren 80.000 Euro festgelegt. Eine Funding-Schwelle, also eine Art Etappenziel lag bei 45.000 Euro. Der Hintergrund: Je mehr Geld zusammenkommt, desto mehr kann das Bunte-Burger-Team auf Nachhaltigkeit bei Möbeln, Geräten und anderer Ausstattung achten. Denn diese kosten meist mehr als weniger nachhaltige. 

  • Jeder, der Geld gibt, erhält ein "Dankeschön", zum Beispiel Essensgutscheine oder sogar ein Wohnzimmerkonzert. Die Plattform bietet die Möglichkeit, Feedback an die Initiatoren zu geben. Direkte Mitbestimmungsrechte für die Geldgeber gibt es aber nicht.

  • Insgesamt gingen rund 46.000 Euro ein. Von diesem Betrag ging nicht alles direkt ins Restaurant: Marketing und Ausgaben für die "Dankeschöns" müssen abgezogen werden. So flossen rund 16.000 Euro direkt ins Restaurant.

Weitere Infos, wie Crowdfunding funktioniert, gibt es hier: Wer ist diese Crowd und warum bekomme ich da Geld?

IM FOKUS: Wieso holen Sie sich ihr Geld bei Ihren Kunden und gehen nicht einfach zur Bank?

Binder: Banken kamen für uns nicht in Frage. Zum einen fanden wir die Konditionen nicht gut. Und zum anderen wollten wir uns von niemanden das Messer auf die Brust setzen lassen und einen immensen Druck haben, alles Geld zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückzahlen zu müssen. Im Gastrobereich kann man ja nie hundert prozentig garantieren, dass das Konzept auch funktioniert. Crowdfunding ist außerdem eine gute Möglichkeit, die Kunden von Anfang an mit einzubeziehen. Da merkt man also: Ok, wer spendet, wird bei uns bestimmt mal was essen gehen. Wir haben aber nicht nur auf Crowdfunding gesetzt. Der größte Teil stammt aus Privatdarlehen aus der Familie und dem Bekanntenkreis.

IM FOKUS: Spenden für ein Unternehmen - warum machen die Leute das?

BInder: Die Leute spenden für Unternehmen, wenn sie sich mit dem Konzept identifizieren. Das hat auch etwas Motivierendes zu sehen, dass man mit einer Spende dazu beitragen kann, dass etwas aufgebaut und umgesetzt wird. Gerade wenn jemandem das Thema auch persönlich am Herzen liegt.

IM FOKUS: Ist Crowdfunding also auch ein erstes Indiz, ob eine Idee überhaupt marktreif ist?

Binder: Ja, das gibt Auftrieb, wenn man sieht, dass die Leute bereit sind, etwas zu unterstützen, das noch im Werden ist. Als Ziel haben wir 80.000 Euro angegeben, als Schwelle, sozusagen als Minimum, 45.000. Insgesamt sind rund 46.000 Euro zusammengekommen - und das innerhalb von rund drei Monaten. Auch außerhalb unseres Einzugsgebietes von Köln, sogar aus Österreich, Frankreich, der Schweiz  und Luxemburg, sind Spenden eingegangen - da merkt man dann schon: Vegane Bio-Burger zu verkaufen scheint eine gute Idee zu sein.

IM FOKUS: Was wäre denn passiert, wenn Sie die Schwelle von 45.000 Euro nicht erreicht hätten?

Binder: Dann hätten wir trotzdem die Idee von unserem Bunte-Burger-Restaurant verwirklicht. Wir haben so kalkuliert, dass das Geld aus dem Crowdfunding das I-Tüpfelchen ist. Dadurch konnten wir alles nachhaltiger gestalten. So haben wir zum Beispiel Möbel von einer Schreinerei aus der Region bezogen, die nur Holz aus dem Kölner Stadtwald verwendet. Oder einen Naturkautschukboden, der extrem langlebig ist, verlegt. Ohne das Geld aus der Crowd hätten wir da wohl Abstriche machen müssen. Wenn wir unterhalb der 45.000 Euro geblieben wären, dann hätten unsere Unterstützer ihr Geld zurückbekommen - und wir hätten gar keines von der Crowdfunding Plattform Startnext bekommen. Denn bis die Schwelle erreicht ist, bleibt alles auf einem Treuhandkonto von Startnext. Man kann also nicht einfach anfangen, Geld auszugeben.

IM FOKUS: Hat es sich finanziell gelohnt?

Binder: Mit der ganzen Summe kann man natürlich nicht kalkulieren. Da muss man noch die Mehrwertsteuer und den Aufwand fürs Marketing abziehen: Also Flyer, Ausgaben für die Dankeschöns, da hatten wir neben Essensgutscheinen zum Beispiel auch ein Fotoshooting und ein Wohnzimmerkonzert sowie Handyhüllen aus recycelten Materialien. Das muss natürlich alles bezahlt werden. Die 45.000 waren also ein Minimum für den ganzen Aufwand. Wenn wir stattdessen nur 30.000 als Schwelle angegeben hätten, dann hätte sich das finanziell nicht gelohnt. Man muss also schon so kalkulieren, dass man noch einen Überschuss macht.

IM FOKUS: Kann man beim Crowdfunding einfach ausprobieren, ob eine Idee ankommt und wenn nicht - dann ist auch nichts verloren? Marketing muss man ja so und so betreiben.

Binder:  Ja, das stimmt. Aber das Crowdfunding an sich ist auch ein tolles Marketing. Man bekommt viel leichter die Presse ins Boot, wenn man erzählt, dass man nur ganz wenig Zeit hat, um ziemlich viel Geld zu sammeln, und man setzt sich selber mehr unter Druck. Während die Aktion läuft, versucht man alles Mögliche, um viele Unterstützer zu gewinnen: Email-Verteiler erstellen, Updates verschicken, Flyer verteilen, Poster aufhängen, in den Social-Media-Kanälen darauf hinweisen. Wenn man das Geld bei einer Bank leihen würde, dann hätte man mehr Zeit, würde alles etwas langsamer machen - aber so ist es eine konzertierte Aktion, eine Kampagne. Das kommt viel besser an.

IM FOKUS: Wie hoch ist denn der Aufwand für die PR genau?

Binder: Wir haben rund 8.000 Euro für eine PR-Beratung ausgegeben, die mit uns Mail-Verteiler erstellt, Flyer entworfen und das Video für die Plattform gemacht hat. Dann kommen natürlich noch Druckkosten für Poster und Flyer dazu sowie das Geld für die Dankeschöns. Diese hatten im Schnitt die Hälfte des Gegenwertes der Spende.

IM FOKUS: Und wie lange hat das alles gedauert?

Binder: Im Oktober haben wir alle Maßnahmen vom Flyer bis zum Mailtext mit unserer PR-Beraterin durchgesprochen, Mitte Januar ging das Projekt bei Startnext los und lief bis Mitte März. Im Januar haben wir dann mit den Arbeiten am Restaurant begonnen, die Grundfinanzierung aus unseren eigenen Mitteln stand ja. Man muss bei der Plattform immer genau angeben, wann es losgeht. Die Leute wollen schließlich bald Ergebnisse sehen.

IM FOKUS: Was sollte man beim Crowdfunding auf jeden Fall beachten?

Binder: Am wichtigsten ist ein gutes Video auf der Plattform und dass man klar kommuniziert, was man eigentlich vorhat. Es sollte außerdem alles auf einer persönlichen Ebene stattfinden, die Leute müssen sich angesprochen fühlen. Und dann kommt es auf ein gutes Marketing an, das heißt: regelmäßig Newsletter verschicken, auf die Medien zugehen, Flyer verteilen und so weiter.

IM FOKUS: Es gibt ja zig Crowdfunding Plattformen. Wie soll man sich da entscheiden?

Binder: Wir haben uns für Startnext entschieden, weil wir ein kommerzielles Projekt machen, kein rein gemeinnütziges. Außerdem gibt es bei Startnext viele Projekte im nachhaltigen Bereich - da sprechen wir also direkt unsere Zielgruppe an.

Die Fragen stellte Magdalena Fröhlich

Über Bunte Burger

Weil die beiden Sandkastenfreunde Mario Binder (36) und Ulrich Glemnitz (37) als Manager, Berater und Internet-Unternehmer nicht glücklich wurden, und sie es schwierig fanden, leckeres veganes Essen auf der Straße zu bekommen, haben die beiden ihre Jobs an den Nagel gehängt. Vor rund zwei Jahren gründeten sie "Bunte Burger" und fuhren mit einem Foodtruck durch Köln. Das ist ein Imbiss-Wagen mit Fast-Food in Gourmet-Qualität. 

Seit Frühjahr diesen Jahres gibt es die Bunten Burger auch in einem eigenen Restaurant. Dazu haben Binder und Glemnitz Geld auf der Crowdfunding-Plattform Startnext gesammelt.

Website der Bunten Burger: www.bunteburger.de

Die Bunten Burger auf der Crowd-Fundning-Plattform startnext: www.startnext.com

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Auf bioland.de:

Im Netz:

www.bunteburger.de