In Märchen wie Rotkäppchen kommt der Wolf immer schlecht weg (Foto: imago)
28.02.2017
Wissenswertes über den Hunde-Vorfahren

Ich such mir einen Wolf!

Wie kann man Wölfe und Hunde unterscheiden und was meinen Experten, wenn sie von Ranz oder Losung sprechen? Ein kleines Wolfs-Glossar. Von Julia Romlewski

Der Wolf hat kleine dreieckige Ohren (Foto: imago)
Aussehen: Ist das jetzt ein Wolf oder ein großer Hund? Dumme Frage? Nicht unbedingt. Die Unterscheidung ist nicht immer einfach. Es gibt wolfsähnliche Rassen, und gerade im Winter sieht der Wolf mit seinem Winterfell sehr wuschelig aus. Im Sommer ist er an seiner hageren Gestalt zu erkennen. Was den Wolf noch auszeichnet: Seine hohen Beine, sein hängender Schwanz, seine kleinen dreieckigen Ohren und die eher hellen Augen. Er hat einen breiteren Kopf, und sein Fell ist grau-bräunlich.

Spurenlesen: Die Pfotenabdrücke eines Wolfes sind eher länglich, die vom Hund eher rund. Außerdem laufen Wölfe anders. Sie setzen die Hinterpfoten in der Regel genau in die Spuren der Vorderpfoten. Das nennt man geschnürten Trab, weil die Spuren schnurgerade verlaufen. Mit dieser Lauftechnik kann der Wolf sehr gleichmäßig und lange laufen. Hundespuren sind in der Regel unregelmäßiger, sie wirken verspielter. Hunde laufen selten längere Strecken geschnürt.

Sinne: Wölfe hören (wie Hunde) Töne im Ultraschallbereich, die wir nicht wahrnehmen können. Sie können Fledermäuse hören. Das Heulen von Artgenossen kann der Wolf etwa neun Kilometer weit hören. Auch die Wolfsnase ist super: Beutetiere kann er aus mehr als zwei Kilometern Entfernung riechen. Außerdem bekommt der Wolf fast alles mit, was hinter ihm passiert. Sein Blickwinkel beträgt nämlich 250 Grad - beim Menschen sind es nur 180 Grad.

Nachwuchs: Die Welpen, in der Regel sind es vier bis sechs, werden im April/Mai geboren und bleiben bis zu zwei Jahre bei den Eltern. Welpen, Jungwölfe (sogenannte Jährlinge) und die Eltern bilden zusammen ein Rudel von acht bis zehn Tieren. Die Jungwölfe helfen den Eltern bei der Aufzucht der Welpen und schaffen Futter heran. Echte Familientiere.

Geschichten: Der Wolf hat nicht gerade den besten Ruf,  in den Märchen kommt er entsprechend schlecht weg: Er wird als böse, gefährlich, hinterlistig und stets hungrig dargestellt. So frisst er Rotkäppchens Großmutter und gibt sich dann als selbige aus, um auch noch das Mädchen zu fressen. Oder er frisst Kreide, damit seine Stimme heller klingt und ihn die sieben Geißlein hereinlassen. In "Der Wolf und die drei kleinen Schweinchen" stellt er drei jungen Schweinen nach, die ihm nur knapp entkommen. Und auch in dem berühmten russischen Musikstück "Peter und der Wolf" ist es ein Wolf, der Ärger macht. Und auch in der Mythologie gibt es Wölfe, die Angst einjagen: Werwölfe - Menschen, die sich in Wölfe verwandeln können. In der römischen Mythologie hat der Wolf hingegen eine positive Rolle: Es ist eine Wölfin, die die ausgesetzten Babys Romulus und Remus - die späteren Gründer von Rom - findet und säugt. Auch das Findelkind Mogli in "Das Dschungelbuch" wird von einem Rudel Wölfe großgezogen.

Redewendungen: Jemand, der ausgiebig, aber erfolglos etwas sucht, sucht sich einen Wolf. Einem Wolf im Schafspelz kann man nicht trauen, und ein einsamer Wolf ist kein Mann zum Heiraten. Ziemlich unangenehm kann es werden, wenn einen jemand durch den Wolf (Fleischwolf) dreht, also einem ordentlich zusetzt. Wolfskinder sind Menschen, die in jungen Jahren isoliert aufwuchsen (angeblich in Obhut wilder Tiere) und sich daher auffällig benehmen. Nach dem Zweiten Weltkrieg nannte man auch Kriegswaisen aus Ostpreußen so. Das waren Kinder, die sich auf der Flucht in den Westen alleine durchschlagen mussten.

Im Kot von Wölfen stecken meist Haare und Knochenreste (Foto: imago)
Fachsimpeln: Sie möchten mit Ihrem Wissen angeben? Dann benutzen Sie diese Ausdrücke: Sagen Sie Losung, wenn Sie im Wald Kotspuren vom Wolf gesehen haben und Ranz statt Paarungszeit. Sprechen Sie nicht von gerissenen Tieren, sondern von Rissen und von Trittsiegeln, wenn Sie Pfotenabdrücke meinen. Sagen Sie Caniden, wenn Sie von Hunden sprechen. Und natürlich wissen Sie genau, wie ein Wolf zubeißt: Er hat es auf Hals und Kehle abgesehen. Der Kehlkopfbiss ist typisch für ihn. Die Bissverletzungen sind nie flächig, dafür tief, und der Abstand zwischen den Eckzähnen beträgt etwa 4,5 Zentimeter. Der Wolfsbiss beim Menschen ist eine Bindegewebserkrankung, bei der man rote Flecken im Gesicht bekommt - ein bisschen als sei man vom Wolf gebissen worden. Mediziner sprechen von Hautlupus - übrigens eine Autoimmunerkrankung.

Begegnungen mit dem Wolf: Vor Menschen hat der Wolf in der Regel Respekt. Meistens riecht er sie  frühzeitig und macht sich davon, ehe man ihn bemerkt. Es sei denn der Wind steht schlecht, dann kann es sein, dass man sich doch einmal einem Wolf gegenüber wiederfindet. Dann soll man laut Wolfsexperten zufolge Ruhe bewahren, stehen bleiben und den Wolf ansprechen, damit er einen bemerkt und sich davon macht. Man kann sich auch langsam rückwärts bewegen und dabei laut reden. Nähert sich der Wolf wider Erwarten, soll man ihn anschreien, klatschen oder notfalls etwas nach ihm werfen. Für Hunde kann der Wolf gefährlicher sein als für den Menschen. Darum den Hund anleinen und eng bei sich führen.

Mehr zum Thema

Auf bioland.de:

Im Netz:

Ein interessantes Wolfs-Quiz findet man auf der Seite vom Nabu