Winzer Achim Stilz: "Wein ist für mich nicht nur ein Lebensmittel" (Foto: Jessica Maron)
07.07.2014
Württemberg

"Wir ziehen los, schwätzen und essen jede Menge Trauben"

Wenn Achim Stilz durch seine Weinberge streift, ist er in seinem Element. Seine sonnengegerbte Haut verrät bereits, dass er viel Zeit hier draußen verbringt. Schließlich kümmert er sich auch meist alleine um die insgesamt sechs Hektar. Außer in der Weinlesezeit: Dann zieht er mit Freunden und Familie gemeinsam durch die Weinreben. Und dieses Jahr vielleicht mit Ihnen. Von Jessica Maron

Blick vom Weinberg ins Remstal (Foto: Jessica Maron)
Zwischen den Weinreben hat Stilz zahlreiche Flächen mit Grünstreifen gepflanzt, die jetzt in den buntesten Farben blühen - Klee, Weidelgras, verschiedene Kräuter. Das sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch noch praktisch: Denn sie schützen den tonigen, trockenen Boden des Remstals vor Auswaschung und fördern ein reichhaltiges Bodenleben. Zugleich bieten die Pflanzen Insekten und Bienen jede Menge Nahrung. Eine wichtige Voraussetzung für ein stabiles Ökosystem und, wie Stilz erklärt, auch für die Qualität seiner Weine unverzichtbar: "Unsere Böden sind richtig bewirtschaftet besonders reichhaltig an Mineralien. Das macht unsere Weine dichter und mineraliger als beispielsweise jene in der Pfalz. Allerdings erfordern die Böden dadurch auch viel Fingerspitzengefühl. Es muss immer etwas wachsen, damit sie nicht austrocknen."

In den sechziger Jahren, als noch Stilz' Vater zwischen den Reben am Hang stand, waren Grünstreifen alles andere als normal im baden-württembergischen Weinstadt-Schnait. Doch die reichen Weinerträge bestätigten schließlich das Experiment. In den folgenden Jahren engagierte sich Stilz' Vater immer mehr im ökologischen Anbau. Seit 1990 wird das Gut nach Bioland-Richtlinien bewirtschaftet.

Achim Stilz vor seinem Familienhaus (Foto: Jessica Maron)
"Wein ist für mich nicht nur ein Lebensmittel, sondern eine Kultur." Am sichtbarsten wird das für Stilz in der Zeit der Weinlese. Statt mit einer Erntemaschine zwischen den Reben durchzufahren, setzt er auf Handarbeit - und auf ein Gemeinschaftserlebnis, zu dem Freunde und Verwandte aus ganz Deutschland anreisen: "Die Traubenlese ist immer der Höhepunkt im Jahr. Gemeinsam ziehen wir dann mit einer 300-Liter-Wanne durch die Felder, schwätzen und essen jede Menge Trauben. Um die Mittagszeit setzen wir uns zusammen und machen Vesper im Feld", erzählt Stilz.

Im Weinkeller präsentiert Achim Stilz seine Weine (Foto: Jessica Maron)
Insgesamt kann Familie Stilz auf eine mehr als 400-jährige Geschichte im Weinbau zurückblicken. Diese lange Tradition hindert den Winzer jedoch nicht daran, einschneidende Neuerungen zu wagen: Vor ungefähr zehn Jahren begann Stilz die ersten pilzwiderstandsfähigen Rebsorten (Piwis) auf seinem Weingut anzubauen. Dabei wusste er weder, wie sich die Reben auf seinem trockenen Boden entwickeln, noch wie sie dann letztlich bei seinen Käufern ankommen würden. Schließlich sind die Piwi-Sorten vom Namen nicht so geläufig wie beispielsweise Riesling. Doch die Risikobereitschaft zahlte sich aus: Die Weine fanden guten Absatz. Mittlerweile hat Stilz fünf Piwi-Weine im Sortiment.

Wer sich selbst von der Qualität und dem Geschmack der Piwi-Weine überzeugen will, kann sich ab sofort als Weinleser auf dem Weingut Im Hagenbüchle bewerben.

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Homepage vom Weingut Im Hagenbüchle: www.weingut-im-hagenbuechle.de