Wer hat eigentlich den Kaffeefilter erfunden? (Foto: imago)
07.06.2016
Kaffee-Wissen kompakt

Wer hat's erfunden?

Von Julia Romlewski

Koffeinfrei: Der Bremer Kaufmann Ludwig Roselius verbrachte sicher einige schlaflose Nächte, bis er herausfand, wie man das Koffein aus dem Kaffee bekommt. Er machte das Koffein nämlich für den Tod seines Vaters verantwortlich. 1906 ließ er sich ein Verfahren patentieren: Er entzog dem Kaffee das Koffein mithilfe von Benzol. Heute macht man das mit weniger giftigen Lösungsmitteln (zugelassen sind Dichlormethan und Ethylacetat), mit Aktivkohle oder mit Kohlendioxid. Bio-Kaffee wird nicht mit chemischen Lösungsmitteln behandelt. Die ungerösteten Bohnen werden mit Wasserdampf geöffnet und in mehreren Durchgängen so lange mit Kohlendioxid gespült, bis der Koffeingehalt unter 0,1 Prozent gefallen ist. Das ist zwar aufwändig und kostet Energie, dafür kommen keine schädlichen chemischen Mittel zum Einsatz. Auch Roselius' Firma Haag (Kaffee Haag) stieg später auf das Kohlendioxid-Verfahren um.

Pflanzen: Es gibt mehr als hundert bekannte Kaffeepflanzensorten, auf dem Kaffeemarkt durchgesetzt haben sich vor allem Arabica- und Robustasorten. Die Kaffeepflanze wächst strauchartig und kann bis zu 50 Jahre alt werden. Sie trägt rote Kirschen. Kaffeebohnen sind die gerösteten Samen dieser Kirschen. In jeder Kirsche stecken übrigens zwei Samen.

"Kaffeeschnüffler": Das Geschäft mit Kaffee war unter Friedrich dem Großen im 18. Jahrhundert streng reglementiert. Nur staatliche Betriebe durften Kaffeebohnen rösten. "Kaffeeschnüffler" spürten Gesetzesbrecher auf.

Arabica-Bohnen: 70 Prozent des Kaffees weltweit werden aus Arabica-Bohnen aus den Bergen gemacht, 30 Prozent aus Robusta-Bohnen. Oft bekommt man aber Kaffeemischungen. Arabica-Bohnen sind kleiner, flacher und ovaler und enthalten weniger Koffein. Sie gelten als milder, hochwertiger und besser verträglich als Robusta-Bohnen. Arabica-Pflanzen sind jedoch auch empfindlicher, sie vertragen Temperaturschwankungen schlecht. Wilde Vorkommen in Äthiopien sind vom Aussterben bedroht, Klimawandel und Waldschwund machen ihnen zu schaffen. Damit schwindet auch die genetische Vielfalt, die für neue Züchtungen wichtig ist.

Kaffeehäuser: In Wien lässt sich Kaffee besonders gut genießen, denn die Stadt ist bekannt für ihre traditionsreichen Kaffeehäuser. Wie wäre es mit einem Melange (Kaffee mit aufgeschäumter Milch), einem Kapuziner (einem kleinen Espresso mit etwas Schlagobers), einem Einspänner (Espresso/Mokka mit viel Schlagobers) oder einem Verlängerten (Espresso mit heißem Wasser serviert)? Dass die Wiener bei der Belagerung durch die Türken 1683 Kaffeebohnen erbeuteten, ist wohl eine Legende. Der Kaffee war zu der Zeit längst in Europa angekommen. Fest steht jedoch, dass die Wiener nach dem Abzug der Osmanen auf den Geschmack kamen: 1685 eröffnete das erste Kaffeehaus in Wien. Da gab es anderswo in Europa längst Kaffeehäuser. Niemand aber pflegte die Kaffeekultur in den darauffolgenden Jahrhunderten so wie die Wiener. Die Wiener Kaffeehäuser sind inzwischen sogar Unesco-Weltkulturerbe.

Filter: Wie war das eigentlich, als es noch keinen Kaffeefilter gab? Grässlich! Fand jedenfalls die Dresdner Hausfrau Melitta Benz und bastelte sich 1908 kurzerhand einen Kaffeefilter aus Löschpapier. Daraus wurde dann ein ganzes Unternehmen namens Melitta.

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