Ganz schön neugierig - selbst das Wort "kapriziös - eigenwillig" soll sich von lateinisch "capra" ableiten (Foto: Magdalena Fröhlich)
26.07.2016
Ziegenwissen

Warum stinkt der Bock?

Ziegen finden es sexy, wenn sich der Bock bepieselt. Und nein - wir nehmen Sie gerade nicht auf die Hörner. Kurioses aus dem Ziegenstall. Von Magdalena Fröhlich

1. Warum riecht der Ziegenbock so streng?

Damit er die weiblichen Ziegen (Geißen) anlockt. Riechen die Damen diesen Duft, werden sie paarungsbereit. Der strenge Geruch kommt vor allem aus den Talgdrüsen hinter den Hörnern. Bei kastrierten Tieren ist das nicht so. Sie nennt man übrigens "Mönche". Weil Ziegenmilch schnell die Düfte der Umgebung annimmt, können auch Ziegenmilchprodukte manchmal bockig riechen.

2. Warum haben Ziegen einen Bart?

Bei den Ziegen haben die männlichen und die weiblichen Tiere einen Bart. Der Bart der Böcke ist aber ausgeprägter. Er dient als Duftfänger. In den langen Barthaaren der Böcke bleibt ihr Geruch gut haften. Doch um sich wirklich komplett einzuparfümieren und damit die Geißen schon von weiten den Bock riechen, bepinkeln sich die männlichen Tiere. Sie urinieren auf ihre eigenen Vorderbeine, die Brust und den Bart. Mit dem Bart streichen sie dann über ihre Geißen - zur Markierung. Warum auch die Ziegendamen einen Bart haben, ist nicht geklärt.

3. Was hat es mit der Leitziege auf sich?

In der Struktur einer Ziegenherde hat eine weibliche Ziege das Sagen, sie ist die Leitziege und als solche sollte sie der Ziegenhalter auch behandeln. Wenn sie merkt, dass man eher die kleinen, süßen Kitze bevorzugt oder sich mit den schwächeren Tieren solidarisiert, dann ist sie beleidigt. Dann versucht sie etwa auszubüchsen oder akzeptiert den Menschen nicht mehr als Leittier. Übrigens kann man eine Ziegenherde nicht treiben - da ist es so: Der Mensch als Leittier geht voraus, wenn eine Ziege versucht, ihn zu überholen, hält man ihr einen Stock vor, um so eine Grenze zu signalisieren.

4. Wie schaffen Ziegen es, selbst steilste Wände hochzuklettern?

Das klappt, weil sie ihre Klauen (man spricht nicht von Hufen) spreizen können. Ziegen sind Paarhufer, die Klaue ist also gespalten. Dabei darf man nicht gleich an den Teufel denken, denn aus der Hölle könnte eine Ziege leicht herausklettern. Sie kann sogar fast senkrechte Wände hoch steigen. Die Klauen sind innen weich und an der Außenseite hart, außerdem lassen sie sich gegeneinander verschieben. Die Ziege krallt sich also somit fest. Auch auf Bäume klettern Ziegen, um an Futter zu kommen. In Marokko staunt man nicht schlecht, wenn man in der Baumkrone mehrere der kleinen Wiederkäuer sieht. Weil sie am trockenen Boden kaum Gräser finden, klettern sie in die Arganbäume und fressen dort neben den Blättern vor allem die Früchte. Für den Menschen sind diese ungenießbar, sie sind nämlich ziemlich bitter. Trotzdem ist das für die Bauern praktisch. Die Kerne scheiden die Tiere nämlich aus. Diese werden aufgesammelt und zu Arganöl verarbeitet - eines der teuersten Öle der Welt.

5. Warum haben Ziegen Hörner?

Bei den Ziegen haben sowohl die männlichen als auch die weiblichen Tiere Hörner. Auch wenn Ziegen Fluchttiere sind, dienen die Hörner zum Kampf. Zum Beispiel, wenn es um die Rangordnung in der Herde geht. Aber auch gegenüber Feinden - etwa dem Wolf - setzen die Ziegen ihre Hörner zur Verteidigung ein. Wie bei Kühen auch, bildet sich im Horn der Geiß jedes Mal eine Kerbe, wenn sie ein Zicklein geboren hat.

Die Hörner sind von vielen Nervenströmen durchzogen und auch durchblutet. Wer einmal ein Horn angefasst hat, weiß, dass es warm ist. Allerdings könnte das die Ziege nicht unbedingt als Neugierde interpretieren, sondern als Aufforderung zum Kampf. Deshalb sollte man sie eher nicht beim Horn packen. Laut Tierschutzgesetz ist das Enthornen verboten. Anders als bei Rinderrassen gibt es bei Ziegen bislang kaum Zuchterfolge für hornlose Tiere: Diese werden oft als Zwitter geboren, man ist aber dabei, andere Linien zu suchen, den nicht bei allen Böcken tritt dieses Problem auf.

6. Sind Ziegen zickig?

Ziegen haben einen ausgeprägten Charakter und sind ziemlich frech und sehr neugierig. Und manchmal sind sie eben auch ein wenig störrisch - man könnte auch bockig sagen. Sie machen halt nicht immer, was der Bauer will. Geklärt ist das zwar nicht hundertprozentig, es klingt aber logisch: Anders als Schafe, die sich immer in der Gruppe bewegen, sind frei lebende Ziegen im Gebirge auch einmal auf sich allein gestellt, wenn sie etwa gerade auf einem Felsen stehen. Lauert Gefahr, muss die Ziege für sich selbst denken und entscheiden was zu tun ist - unabhängig von der Herde.

7. Meckern Ziegen nur, wenn ihnen etwas nicht passt und blöken, wenn es ok ist?

Man hört es am Ton, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Ein lautes "Baaaah", bedeutet das passt der Ziege nicht. Ein leises vor sich "Hinkekkern" mit leicht aufgestelltem Schwanz bedeutet: Die Ziege fühlt sich rundum wohl.

8. Warum mögen Ziegen keinen Regen?

Anders als etwa Schafe, haben sie keine Talgdrüsen, die ihr Fell vor Nässe schützen. Bevor sie also krank werden, suchen Ziegen lieber schnell einen Platz im Trockenen. Sie fressen auch ungern nasses Gras - dann lieber gar nichts. Deshalb geben Ziegen an Regentagen auch weniger Milch.

9. Warum vertragen manche Menschen Ziegen- aber keine Kuhmilch?

Das liegt an der unterschiedlichen Struktur des Milcheiweises. Laktose ist aber auch in Ziegenmilch enthalten.

10. Wird auch das Fell der Ziegen genutzt?

Ja, für Wolle. Dazu werden Kaschmirziegen gehalten - das ist keine spezielle Rasse, sondern eine Rassengruppe, und meint Ziegen mit einer sehr feinen Unterwolle. Diese Tierhaare zählen zu den feinsten überhaupt. Deshalb ist die Wolle so besonders weich. Kaschmirziegen kommen ursprünglich aus der Himalaya-Region um Tibet, heute hält man sie auch auf großen Farmen in Australien, Neuseeland und China. In Europa findet man sie fast nur in Schottland, in Deutschland spielen sie keine Rolle. Meist werden diese Tiere nicht wie Schafe geschoren, das feine Unterfell wird ausgekämmt. Eine Ziege liefert somit jährlich nur ein paar hundert Gramm Wolle. Das erklärt auch, warum sie so teuer ist. Übrigens gibt es nicht nur Angora-Kaninchen, sondern auch Angora-Ziegen. Diese Ziegen werden in Europa aber ebenfalls so gut wie nicht gehalten, da sie es lieber warm und trocken mögen. Ziegenleder verwendet man übrigens oft zur Herstellung von Trommeln.

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Informationen zu verschiedenen Ziegen- und Schafrassen

Website des Bundesverbandes der deutschen Ziegenzüchter

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