So kommt die Wurst in den Darm (Foto: Magdalena Fröhlich)
24.05.2016
Metzgerei auf dem Martinshof

Und was haben Sie im Urlaub gemacht? Wurst!

Vor 30 Jahren fing auf dem Martinshof alles an. Weil es da aber noch niemanden gab, der die Produkte nach Bioland-Richtlinien hätte verarbeiten können, machten es die Bauern selbst. Heute arbeiten allein in der Metzgerei rund 15 Leute. Werden Sie für eine Woche Teil des Teams. Von Magdalena Fröhlich

Und in der Mittagspause Ziegen streicheln (Foto: Magdalena Fröhlich)
Und in der Mittagspause Ziegen streicheln (Foto: Magdalena Fröhlich)
In der Mittagspause Ziegen streicheln? Das ist hier auf jeden Fall drin. Umgeben vom Muhen der Mutterkuhherde und dem Meckern der Milchziegen, arbeiten Sie bei St. Wendel auf dem Bioland-Martinshof fast schon in Urlaubsatmosphäre: Gleich am Hof vorbei führen herrliche Wander- und Radlwege durchs Saarland. Nur die Arbeitszeiten haben nicht so viel mit Ferien zu tun: Sie fangen um fünf Uhr morgens an und starten jeden Tag an einer anderen Station in der Metzgerei: Zunächst zeigt Ihnen Gerhard, wie ein Tier zerlegt wird. Wo setzt man das Messer richtig an, um das Fleisch vom Knochen zu lösen und wie mache ich den perfekten Schnitt, um die Muskelfasern nicht zu zerstören? Sie werden es bald lernen.

Wenn der Kutter los legt, wird es ziemlich laut (Foto: Magdalena Fröhlich)
Wenn der Kutter los legt, wird es ziemlich laut (Foto: Magdalena Fröhlich)
Ihre  nächste Station wird dann das Wursten sein. Dabei bringt Ihnen Ihr Kollege Oliver Klassiker wie Wiener Würstchen und auch echte französische Spezialitäten wie Merguez und Chipolata bei und zeigt Ihnen, was alles in den Kutter kommt. An der Abfüllmaschine lernen Sie schließlich, wie die Wurst in den Darm kommt. Natürlich erklärt Ihnen Ihr nächter Lehrer, Jörg, auch, was in der Reifekammer passiert und warum man die Salamis ab und an abwaschen muss. Insgesamt 75 Wurst- und Schinkensorten werden hier in der Metzgerei täglich hergestellt. Das Fleisch kommt dabei nicht nur von den beiden Herden auf den Hof, Schweine und Geflügel liefern andere Biobetriebe zu. Wie das alles funktioniert? Bald wissen Sie's.

Am nächsten Tag geht’s wie gewohnt wieder in Ihren Schutzanzug und durch die Hygieneschleuse. Diesmal sorgen Sie dafür, dass auch alles einwandfrei bei den Kunden ankommt. Sie lernen, wie die Lebensmittel gut verpackt werden, um lange frisch zu bleiben. Zwar gibt es auf dem Hof - übrigens gleich neben der Metzgerei - einen Laden. Das meiste wird aber mit dem "Biobus", einem Lieferservice, zu Kunden im Saarland, Teilen Rheinland-Pfalz', Luxemburg und Lothringen gebracht.

75 Spezialitäten bietet die Metzgerei an (Foto: Magdalena Fröhlich)
75 Spezialitäten bietet die Metzgerei an (Foto: Magdalena Fröhlich)
Ab circa 13 Uhr haben Sie dann Feierabend. Das heißt aber nicht, dass Sie sofort nach Hause müssen. Wer mag, darf auch beim Tiere-Füttern helfen oder Franziska, die Käserin Löcher in den Bauch fragen.

Sie sehen schon - inmitten des St. Wendeler Lands sind Sie in einem 125 Hektar großen Bio-Paradies und lernen, dass Handarbeit, moderne Technik und große Mengen keine Widersprüche sind. Dafür hat der Betrieb 2007 sogar den wichtigsten Preis der Biobranche gewonnen - den Förderpreis ökologischer Landbau des Bundeslandwirtschaftsministeriums.

Das Team vom Martinshof freut sich jedenfalls schon.

Infos: www.martinshof.de