Für einen Kompost im Garten braucht man nicht viel Platz (Fotos: Julia Romlewski)
23.08.2016
Schwarzes Gold des Gärtners

Kompostieren - so geht's

Wenn Sie Ihre Küchenabfälle in die Biotonne werfen, wird daraus Komposterde gemacht. Die können Sie dann wieder einkaufen, um Ihre Gartenpflanzen damit zu düngen. Oder Sie nehmen das Ganze selbst in die Hand. Das spart auf Dauer Geld und klappt sogar auf dem Balkon. Von Julia Romlewski

Alles, was man im Garten anbaut, entzieht der Erde mehr oder weniger viele Nährstoffe. Tomaten und Zucchini zum Beispiel zehren den Boden stark aus. Darum braucht er immer wieder eine Frischkur - er muss also gedüngt werden. Am besten macht man es wie die Biogärtner und verwendet nicht chemisch-synthetischen Flüssigdünger aus dem Gartencenter, sondern Komposterde. Das Tolle an diesem umweltfreundlichen Dünger: Man kann ihn auch selbst herstellen. Denn Komposterde besteht aus recycelten organischen Küchenabfällen und Grünschnitt. Also aus dem, was etwa beim Kartoffelschälen oder Rasenmähen ohnehin abfällt. Wer selbst kompostiert, spart sich aber nicht nur den Einkauf von Dünger oder Erde. In vielen Gemeinden können Kompostierer auch einen Rabatt auf die Müllgebühren bekommen.

Viel Arbeit macht das Kompostieren nicht, denn das meiste erledigen ja die Bodenlebewesen für uns: Sie wandeln die Abfälle in Humus (fruchtbare organische Erde) um. Der Kompost versorgt unser Gemüse und andere Pflanzen im Garten nicht nur mit Stickstoff, Phosphor, und Kalium und vielen anderen wichtigen Nährstoffen, er lockert den Boden auch und verbesser ihn.

Dieser Humus ist noch etwas grob
Vor allem braucht man Geduld, denn im eigenen Garten dauert es viel länger, bis die Abfälle verrottet sind als in einer Kompostieranlage - zwei, drei Jahre muss man sich zum Teil gedulden. Einen guten Humus erkennt man an der dunklen Farbe, am angenehmen Geruch und an der feinkrümeligen Konsistenz. Man bringt ihn im Frühjahr oder im Herbst aus. Wuseln noch Regenwürmer darin herum, ist er noch nicht ganz fertig. Es gibt aber auch Pflanzen, die unfertigen Humus mögen. Die Zucchini etwa.

Und so geht's:

Richtigen Platz auswählen: Nicht zu weit weg vom Haus und den Beeten, damit man auch bei schlechtem Wetter gerne hingeht. Der Kompostbehälter sollte nicht auf Beton stehen, damit keine Staunässe entsteht und die Abfälle nicht anfangen zu faulen. Halbschatten ist gut. Wer Probleme mit Wühlmäusen hat, kann unter den Kompost ein feinmaschiges Drahtgitter legen.

Passenden Behälter finden: Welcher sich am besten eignet, hängt von den Mengen ab, die man kompostieren will, und vom Platz. Auch für den Balkon gibt es eine Lösung.

  • Hat man sehr viel Platz, bietet sich eine Kompostmiete an. Das ist ein offener 1,5 Meter breiter und beliebig langer Komposthaufen mit schrägen Seiten an einer schattigen Stelle. Der Boden unter dem Komposthaufen sollte bereits humusreich sein, damit viele Regenwürmer und Co. übersiedeln. Man schichtet die Abfälle etwa 30 Zentimer hoch auf und gibt ab und zu einen Spaten Erde dazu. Später streut man dann Kalk auf die oberste Schicht und deckt den Kompost mit 5 Zentimeter Erde ab. Darauf kommt wieder eine 30 Zentimeter hohe Schicht Kompost und eine Erdschicht. Das wiederholt man noch einmal. Ist der Haufen einen Meter hoch, deckt man ihn rundherum mit Erde ab. Nach einem Jahr sollte man die alte Miete umsetzen, das heißt den Boden nach oben schichten, um den Kompost aufzulockern. Nach zwei bis drei Jahren ist der Humus fertig. Die Kompostmiete darf nie austrocknen, aber auch nicht zu nass werden. Regnet es wochenlang, deckt man sie besser ab.

  • Beliebt ist auch der Lattenkompost (siehe Foto oben). Er besteht aus zusammengesetzten Holzlatten, die Luft und Regen durchlassen. Kann man kaufen oder auch selbst bauen. Am besten stellt man zwei Komposte auf, in dem zweiten kann man Abfälle zwischenlagern. Ganz unten in den Lattenkompost kommt grobes Material - also etwa grob gehäckselte Äste. Dann schichtet man im Wechsel feuchte und trockene Abfälle im Verhältnis 2 zu 1 übereinander. Zwischen die einzelnen Lagen kann man bereits fertigen Kompost mischen, um das Verrotten zu beschleunigen. Ab und zu sollte man den Kompost umschichten - von innen nach außen. 

  • Wer wenig Platz hat, kann auch einen geschlossenen Schnellkomposter aus Plastik aufstellen. Sieht aus wie ein Mülleimer. Der Nachteil: Darin wird es schnell feucht und stickig. Damit die Abfälle nicht anfangen zu faulen, sollte man immer kleine Äste dazwischen legen und nicht zu nasse Abfälle hineinwerfen. Außerdem muss man sich Kompostwürmer besorgen, sonst tut sich wenig im Komposter.

  • Will man nur ein bisschen Erde für seine Blumenkübel und Topftomaten "züchten", kann man eine Wurmkiste aufstellen. Das ist eine gute Lösung für Balkongärtner. Man darf allerdings keine zu empfindliche Nase besitzen. Für das Kompostieren im kleinen Stil braucht man eine Holzkiste (zum Beispiel 60x40x30 Zentimer) mit dicken rauen Brettern (die nehmen die Feuchtigkeit besser auf) und etwa 6 Millimeter dicken Löchern im Boden als Wasserabfluss. Dann fehlen nur noch ein paar hundert Kompostwürmer, die man beim Gärtner oder im Handel bekommt. Zunächst füllt man die Kiste nur bis zur Hälfte - mit Gartenerde, Gemüseresten und Obstschalen, um die Würmer anzufüttern. Am Anfang darf man die Würmer nicht überfordern - also nicht mehr als 200 Gramm Abfälle (nicht zu nass!) pro Tag dazugeben. Die deckt man am besten mit Sägemehl oder Pappe zu. Sonst hat man bald jede Menge Fruchtfliegen auf dem Balkon. Im Winter muss man die Wurmkiste vor Frost schützen. Nach drei Monaten kann man die erste Erde "ernten". Dazu müssen aber erst mal die Würmer raus aus der Erde, denn die will man ja in der Kiste halten. Das geht mit einem Trick: Man schaufelt den fertigen Humus auf eine Seite und legt  frische Abfälle in die andere Ecke der Kiste. Nach ein paar Tagen sind die hungrigen Würmer von selbst umgezogen. Zum Schluss siebt man die frische Erde noch.

Kaffeesatz ohne Filter, Bananenschalen und Gemüsereste verrotten im Garten gut
Was in den eigenen Kompost darf: Nicht alles, was in die Biotonne gehört, darf auch auf den Hauskompost. Denn im eigenen Garten verrotten manche Abfälle aus Küche und Garten nicht so schnell wie in einer großen Kompostieranlage. Auf den Kompost dürfen Gemüse- und Obstreste und Eierschalen, aber auch dünne Schichten Gras und Pflanzenreste aus dem Garten. Bei Laub sollte man vorsichtig sein, das verrottet sehr langsam. Generell gilt: Je kleiner die Abfälle sind, desto schneller geht's. Mit Kaffeefiltern und Teebeuteln sollte man ebenfalls vorsichtig sein. Kaffeesatz verpappt im Filter und wird steinhart, Teebeutel lösen sich oft gar nicht auf. Am besten trocknet man beides und schüttet dann den Kaffeesatz ohne Filter und den Tee ohne Beutel aus.

Das gehört nicht in den Hauskompost: Alles, was schwer verrottet oder Schadstoffe und Erreger in den Humus einbringt, die man dort nicht haben will. Darum haben befallene oder kranke Pflanzenreste auf dem Kompost nichts verloren. Ebenso wenig wie Staubsaugerbeutel, Katzenstreu oder Schalen von konventionellen Zitrusfrüchten und Bananen, da diese stark Pestizidbelastet sein können. Käse, Fleisch, Brot und Gekochtes sollte man auch nicht nehmen, um keine Ratten anzulocken. Unkraut besser auch nicht. Es sei, denn man möchte künftig noch mehr jäten.

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