Sieht gut aus, oder? (Foto: Wibke Sommer)
19.09.2016
Wibke als Bäckerin bei Zeit für Brot

Tag 5 - Ehrliche Lebensmittel, faire Preise - das sollten mehr Bäckereien machen

Am letzte Tag lernt Wibke noch die Kornmühle kennen. Denn hier bei Zeit für Brot, wird das Mehl selbst gemahlen.

Ich treffe Amanda in der Vorbereitungsküche. Sie schmiert heute die leckeren Stullen und ich biete mich an, den Rucola zu waschen. Tomatenscheibchen braucht sie auch. Und weil ich schon mal dabei bin, kann ich ja noch die Möhren raspeln.

Auch wenn meine Woche bald um ist - zuhause werde ich mich weiter mit Teig beschäftigen (Foto: Wibke Sommer)
Auch wenn meine Woche bald um ist - zuhause werde ich mich weiter mit Teig beschäftigen (Foto: Wibke Sommer)
Amanda benötigt die Möhren für die veganen Stullen mit selbstgemachtem Hummus. Dafür steht die Kitchen Aid bereit. Die haben wir zuhause auch, daher  kann ich den Job ohne große Erklärung sofort erledigen. Amanda freut sich wie ein Sechser im Lotto, als ich ihr auch noch anbiete,  den Honigsenffrischkäse zuzubereiten. Das Rezept habe ich noch im Kopf, da ich ja bereits am Mittwoch bei Lucy diesen mega leckeren Aufstrich hergestellt habe.
Und weil es gerade so gut von der Hand geht, darf ich auch noch den Tomatenfrischkäse hinterherschieben. Das Ganze natürlich in einer riesen Menge. Leckere getrocknete Tomaten treffen auf Frischkäse und werden mit Gewürzen abgeschmeckt. Ich möchte hier nicht zu viel verraten. Aber vielleicht kommt ihr ja mal persönlich bei Zeit für Brot vorbei und probiert selbst. Es lohnt sich! Dennoch... Der Honigsenffrischkäse bleibt mein Favorit! Da wir zuhause immer gerne Freunde zum Sonntagsbrunch einladen, werden die beiden Aufstriche wohl in unser privates Repertoire aufgenommen.

Heute an meinem letzten Tag habe ich mir von Manuel gewünscht, die Kornmühle in Betrieb zu sehen. Die Roggen und Dinkelkörner werden hier nämlich je nach Bedarf in Schrot oder Mehl selbst frisch vermahlen.
Gleich nebenan steht auch die große Sauerteigmaschine. Optisch beides nicht wirklich spektakulär. Eine Kornmühle für den Hausgebrauch hätte ich zuhause auch gerne. Manuel schafft es in der Woche auch mein Interesse für Sauerteig zu wecken. Seine Leidenschaft fürs Brotbacken ist so herrlich ansteckend!
Wenn ich wieder in meinem normalen Leben angekommen bin, werde ich mich auf jeden Fall mit Sauerteig beschäftigen.
Aus der Vorbereitungsküche in der Backstube angekommen, werde ich für die Eier eingeteilt. Ich hole mir zwei Kartons im Lager und schlage alle 360 Eier nacheinander auf. Das ergibt, wie meine aufmerksamen Leser bereits wissen, exakt 20 Liter Flüssigkeit.

Die Mühle habe ich mir spektakulärer vorgestellt (Foto: Wibke Sommer)
Die Mühle habe ich mir spektakulärer vorgestellt (Foto: Wibke Sommer)
Und noch ein Highlight! In der Backstube darf ich heute richtig ranklotzen. Ich darf den Teig für den Roggenbauer abwiegen und arbeite somit Costa zu, der den Teig wirkt und in die Gärkörbchen legt. Die letzten sechs mache ich dann ganz alleine fertig. Also wiegen, wirken und ab ins Körbchen. Später darf ich auch bei den Stadtweck, Mohn- und Sesambrötchen helfen.

Mit Nicolai und Costa darf ich dann zum Abschluss noch die Käsedings herstellen (die heißen wirklich so).Ich mische in einer großen Schüssel Gouda mit Kürbiskernen. Nicolai rollt die "Dings" (noch ohne Käse), Costa und ich wälzen die "Dings" in der Käsemischung, bis schön viel Käse kleben bleibt. Die Käsedings bestehen übrigens aus 100 Prozent Weizenmehl.

Ich mache mir Gedanken über mein persönliches Fazit. Bei Zeit für Brot werden ausschließlich hochwertige Biozutaten verarbeitet. Die meisten davon von Biolanderzeugern. Es geht nicht darum, auf Kosten der Rohstoffe möglichst billig zu produzieren. Das Konzept hochwertige, etwas andere Produkte anzubieten geht in meinen Augen auf. 0815 Bäcker gibt es an jeder Ecke. Zeit für Brot ist etwas ganz Besonderes.
Die Bäcker in der Backstube machen einen großartigen Job. Rumstehen und Langeweile gibt es nicht. Permanentes Gewusel ist angesagt. Die Backstube in Frankfurt ist recht klein. Da ist zusätzliches Organisationstalent gefragt. Ich würde mir wünschen, dass sich möglichst viele Bäckereien von diesem Konzept anstecken lassen und wir in Deutschland wieder mehr Wert auf ehrliche Lebensmittel zu fairen Preisen
legen. Zeit für Brot zeigt erfolgreich wie es geht!

Der Abschied steht bevor. Fünf ereignisreiche Tage gehen zu Ende. Ich habe meine Kollegen lieb gewonnen und werde sicher noch lange an mein Praktikum zurückdenken. Jeder Einzelne im Team war total nett! Ich danke euch für die tolle Zeit!!!

Leider konnte ich in der kurzen Zeit nicht alle Produkte durchprobieren. Ein Grund bald mal wieder vorbeizukommen. :-)

 

Tag 4 - Roggenteig hat es in sich!

Am vorletzten Praktikumstag darf Wibke endlich selbst Brot backen. Aber auch Fleißarbeit ist wieder gefragt: 360 Eier soll sie aufschlagen.

Heute bin ich bei Tag 4 angelangt. Wahnsinn! Mir kommt es wie eine Ewigkeit vor. Das frühe Aufstehen, die Pendelei nach Frankfurt in einem überfüllten Zug, die Hitze in der Backstube. Auf der Heimfahrt bin ich wieder im Zug eingeschlafen. Als ich die Augen kurz öffne, schlafen die beiden Herren mir gegenüber ebenfalls. Ich bin also in guter Gesellschaft.

Zuhause angekommen werde ich von meiner Familie bereits sehnsüchtig erwartet. Es ist Schneckenzeit! Die ganze Familie ist mittlerweile Schneckensüchtig. Was machen wir nur nächste Woche?

In der Backstube treffe ich  auf Christina. Wie schön! Sie war die ganze Woche in der Frühschicht und ist eine ganz tolle Frau. Ich helfe ihr bei den süßen Rosinenknoten. Viele kleine Teigportionen warten auf ihre Verarbeitung. Sie werden zu einer "Wurst" gerollt und dann zu einem Knoten verschlungen. Je 35 Knoten werden auf einem Blech verteilt. Die fertigen Bleche kommen dann zum Reifen in den Kühlraum und werden bei Bedarf mit einer Eiermilch bepinselt und im Ofen gebacken. Knoten knoten gehört zu meinen Lieblingstätigkeiten. Wobei mir gerade beim Schreiben auffällt, dass ich bisher noch keinen einzigen fertigen Knoten probiert habe. Das muss ich an meinem letzten Tag unbedingt nachholen. Zuhause backen wir immer wieder mal einen großen Hefezopf. Beim nächsten Mal werde ich aus dem Teig viele kleine Knoten machen und mit einem Lächeln an meine Zeit in der Backstube zurückdenken.

Ich schlage 360 Eier auf

Im Anschluss helfe ich Christina bei den Streuselkuchen. Heute darf ich sogar den Teig ausrollen, während Christina die Formen zusammenbaut und einfettet. Es gibt Apfel- und Zwetschgenstreuselkuchen mit vielen dicken Streuseln. Später steht dann ein Abschied auf Raten an. Christina hat  an meinem letzten Tag frei.

Heute ist für mich Brottag! Bisher durfte ich bei der Brotherstellung nur zuschauen. Heute sollte sich das ändern. Ich darf mit Manuel die Roggenbauerbrote herstellen. Das ist recht knifflig, weil der Teig extrem weich ist. Ich versuche die Teigportionen fachgerecht rund zu wirken. Dann zwei mal falten und die kaum zu bändigende Teigmasse in die bemehlten Gärkörbchen legen. Das ist schwieriger als gedacht. Bei den kleinen Gärkörbchen bekomme ich es dann schließlich hin. Juhuuuu! Der Teig reift noch einige Zeit in den Gärkörbchen, wird dann später gestürzt, zweimal mit einem Messer eingeschnitten und im Ofen gebacken.

Die Brote werden gewälzt
Da heute ja mein Brottag ist, darf ich auch bei der Körnerkrusten Herstellung helfen. Ein Natursauerteigbrot aus 75 Prozent Weizen und 25 Prozent Roggen. Als Vorbereitung mische ich Leinsamen, Haferflocken, Sesam und Kürbiskerne. Manuel portioniert den Teig und formt gleichmäßige Kugeln. Die Teigkugeln werden von mir mit Wasser befeuchtet und in der Körnermischung gewälzt. Es kommen immer acht Stück auf ein Backblech. Ich drücke sie noch ein wenig platt, damit die klassische flache Brotform entsteht. Aus dem restlichen Teig entstehen noch zwei Bleche Körnerbaguette.

Die Kunden lieben Schnecken

Und dann sind da noch die Eier! In einer Backstube werden extrem viele Eier benötigt. Ich habe heute zwei Kisten Eier für die Weiterverarbeitung aufgeschlagen. Zwei Kisten bedeutet 360 Eier - das sind ca. 20 Liter!

Natürlich haben Manuel und ich heute auch wieder Schnecken produziert. Die sind ja offensichtlich extrem beliebt bei den Kunden (und bei meiner Familie). Da ich davon aber gestern bereits ausführlich berichtet habe, erwähne ich das an dieser Stelle nur, um euch die Vielfältigkeit der Tätigkeiten in einer Backstube näher zu bringen.

Erkenntnis des Tages: Roggenteig hat es in sich! Obwohl das Walken bei den Profis so "chillig" aussieht... Ich bin beeindruckt!

 

Tag 3 - Ab in den Keller!

Zur Bäckerarbeit gehört nicht nur Teigkneten. Heute heißt es für Wibke: Ab in den Keller und Gemüse schneiden. Erst danach darf sie wieder nach oben und beim Schneckenbacken helfen - ihre Lieblingsbeschäftigung.

Tag 3! Langsam gewöhne ich mich an meinen neuen Tagesablauf. Auf dem Bahnsteig sehe ich sogar einige "bekannte" Gesichter. Also, nicht dass wir uns wirklich kennen würden. Aber zumindest haben wir seit Montag denselben Arbeitsweg. Wie die Ameisen strömen wir in den bereits gut gefüllten Zug Richtung Frankfurt. Heute gibt es zur Belohnung für das frühe Aufstehen einem wunderschönen Sonnenaufgang.

Meine Schicht beginnt wie gewohnt um 8 Uhr. Heute morgen mal nicht in der Backstube. Ich unterstütze Lucy in der Vorbereitungsküche. Sie ist bereits seit 3 Uhr am Werkeln und freut sich über meine Unterstützung. Die Küche ist ein kleiner Raum im Keller mit Neonröhren. Vier Kühlschränke heizen die Luft auf. Es gibt schönere Arbeitsplätze. Dennoch ist die Stimmung gut.

Hier unten werden die leckeren Stullen erschaffen. Ich schneide erst einmal die Tomaten. Genau genommen sind es zwei extrem große Kisten Tomaten. Auch dafür gibt es wieder mal ein Helferlein. Tomate waschen, Strunk ausschneiden, Tomate in das Gerät einlegen und schwupps... die Scheibchen werden in einer großen Schüssel gesammelt. Geht einfach ist aber bei der Menge durchaus zeitaufwändig.

Ich werde schneller

Dann wasche ich drei Paletten Rucola und trockne ihn in einer übergroßen Salatschleuder. Lucy schmiert neben mir Käse und Schinkenstullen. Meine Tomaten und auch der Rucola kommen sofort zum Einsatz.

Als nächstes darf ich nach Rezept das Bircher Müsli zubereiten. Dafür brauche ich Äpfel. 2100 Gramm geschälte und in kleine Stückchen gewürfelte Äpfel. Also schäle ich erstmal. Da in der Backstube auch täglich einige Äpfel benötigt werden (Streuselkuchen, Apfelzimtschnecken) schäle ich gleich zwei große Kisten voll.

Dann geht es weiter mit dem Bircher Müsli. Apfelstückchen, Joghurt, Zitronensaft, Müsli.... alles wird in einer großen Schüssel gemischt und in Becher abgefüllt. Stopp! Vorher noch eine Handvoll Himbeeren in den Becher geben. 35 Becher kann ich mit meinem Müsli füllen. Die Stullen werden entweder mit Senfhonigfrischkäse, Humus oder Frischkäse mit getrockneten Tomaten bestrichen und dann individuell belegt. Die Aufstriche werde alle selbst hergestellt. Der Senfhonigfrischkäse ist besonders lecker und gerade ausgegangen. Da bin ich extrem neugierig auf das Rezept und biete mich sofort an, das zu übernehmen. Man nehme acht  Gläser Zwergenwiese Ganzkorn Senf (Der ist soooo lecker! Den verwenden wir zuhause auch für allerlei Dips), ewig viel Frischkäse und Honig.

Mittlerweile ist in der Backstube Schneckenzeit! Ich verabschiede mich aus der Küche und eile in die Backstube. Manuel rollt den Teig aus und bestreicht ihn mit der entsprechenden Füllung. Der Teig wird aufgerollt und dann kommt mein Einsatz! Ich teile die Rolle mit einem großen, scharfen Messer in 28 gleich große Teile und verteile je sieben Stücke in vier eingefettete Backformen. Diese werden dann zum Reifen im Kühlraum aufbewahrt und später bei Bedarf frisch gebacken.

So machen wir nacheinander Kirschmarzipanschnecken, Apfelzimtschnecken, Zwetschgenzimtschnecken, Schokoschnecken und Walnussschnecken (meine allerliebsten Lieblingsschnecken). Mittlerweile habe ich in der Schneckenproduktion sogar eine ganz passable Geschwindigkeit. Das ist auch wichtig, damit der Hefeteig bei der Verarbeitung nicht zu warm wird. Dann würde alles nur noch klebrig und ließe sich nicht mehr optimal verarbeiten. Außerdem muss ich meine Teigrolle verarbeitet haben, bevor Manuel die nächste Rolle fertiggestellt hat, um sie mir auf meinen Arbeitsplatz zu legen. (Das ist zumindest meine persönliche challenge :-) ) Klappt nicht immer - aber zumindest bei aufwändigeren Füllungen habe ich eine reelle Chance.

Erkenntnis des Tages: Es ist sooo toll für ein paar Tage in ein anderes Leben zu schlüpfen! Ich liebe dieses Projekt!

 

Saftbrot hat es mir angetan, nicht nur, weil die Körner so lustig durch die Luft fliegen
Tag 2- Die Körner fliegen durch die Luft

Dienstag, 5.15 Uhr! Mein Wecker klingelt. Die Nacht war kurz, viel zu kurz. Mein Bericht gestern hat mich länger aufgehalten als geplant. Dennoch, ich freue mich riesig auf einen weiteren Tag in der Backstube.

Vorher gibt es allerdings noch ein leckeres Frühstück. Ich durfte mir gestern ein Vollkorn-Saftkorn-Brot mitnehmen. Es ist ein Kastenbrot aus 80 Prozent Roggenvollkorn, 20 Prozent Dinkelvollkorn und Natursauerteig. Gestern quasi frisch aus dem Ofen war es extrem saftig und lecker. Heute, einen Tag später, ist kein wirklicher Unterschied festzustellen. Das "Saftkorn" macht seinem Namen alle Ehre und ist unverändert saftig und mega lecker. Eine dicke Schicht Frischkäse und ich bin glücklich.

Warum ist diese Brot nur so wahnsinnig saftig? Die Roggen- und Dinkelkörner werden bei Zeit für Brot in der hauseigenen Mühle frisch geschrotet und ca. 12 Stunden in Wasser eingeweicht, bis sie dieses komplett aufgesogen haben. Erst dann werden die weiteren Zutaten zugefügt. Der fertige Teig ist dann immer noch extrem weich. Formen lässt er sich in diesem Zustand nicht. Es ist mehr eine klebrige Masse. Auf einer mechanischen Waage (diese wird vorher großzügig angefeuchtet, damit der Teig nicht kleben bleibt) wird die Teigmenge gewogen und in einem Trog mit einer Mischung aus Leinsamen, Haferflocken, Kürbiskern und Sesam rundum gewälzt. Die Teigportion kommt sogleich in eine Kastenform. Die Kastenform wiederum steckt in einer "Viererkastenformhalterung". Nun darf der Teig noch ein paar Stunden ruhen, bis er dann in dem großen Ofen gebacken wird.

Kleine Fleißarbeit

Wenn ich zuhause Brot backe, schütte ich immer ein Glas Wasser in den heißen Ofen. Der Dampf sorgt für ein gutes Klima und eine tolle Krustenbildung. In der Backstube konnte ich allerdings bisher nicht beobachten, dass jemand Wasser in den Ofen schüttet.  Kollege Manuel klärt mich auf: Ein professioneller Backofen gibt auf Tastendruck einen perfekten Dampf in den Ofen ab. Besonders lustig ist es, wenn die Vollkorn-Saftkorn-Brote frisch aus dem Ofen auf eine Ablage gestürzt werden und die Körner durch die Luft fliegen.

So bekommen die Brezen ihren Glanz
Ich habe meine Schicht heute wieder um Punkt 8 Uhr angetreten. Anna und Christina von der Nachtschicht formten gerade die letzten Laugenbrezeln. (Wobei es ja in diesem Stadium noch nicht wirklich Laugenbrezeln sind. Die Brezeln werden erst zu Laugenbrezeln, wenn sie in Natronlauge gelaugt werden) Da ich den nötigen Schwung bereits gestern gelernt habe, konnte ich sofort mitmachen. Die geformten Brezeln werden mitsamt Blech eingefroren. Übrigens erhalten die Laugenbrezeln ihre schöne glänzende Oberfläche, wenn sie sofort nach dem Backen mit Wasser besprüht werden. Auch dafür gibt es natürlich einen professionellen "Wasserbesprüherschlauch".

Meine nächste Aufgabe: 20 Kilo Zwetschgen entkernen (gefühlt waren es deutlich mehr). Zuhause machen wir das mühevoll mit einem Messer und viel Geduld. In der Backstube gibt es dafür einen Zwetschgenentsteiner. Das artet bei dieser Menge zwar auch in Fleißarbeit aus, geht aber deutlich schneller. Die Zwetschgen werden für die Zwetschgenzimtschnecken und den Zwetschgenstreuselkuchen benötigt.

Zusammen mit Christina darf ich heute den Streuselkuchen herstellen. Wobei der Hefeteig und die Steusel bereits von der Nachtschicht vorbereitet wurden. Daher rollt Christina den Teig aus und ich verteile die Stücke in den entsprechenden Backformen. Christina füllt ihre Formen mit Äpfeln und meine werden mit den Zwetschgen gefüllt. Dann kommt eine dicke Schicht Streusel darauf. Fertig!

Erkenntnis des Tages: Die Walnussschnecke (habe ich heute probiert) ist aktuell mein Schneckenfavorit! Mein neuer Tagesablauf ist extrem anstrengend. Ich bin heute Nachmittag sogar in der S-Bahn eingeschlafen. :-) 

Sommerliche Grüße

 

Tag 1 - Ich fühle mich gleich zugehörig

Erster Tag als Praktikantin in der Bäckerei: Wibke Sommer darf gleich Brezeln drehen und Rosinenknoten formen. Wie anstrengend die Arbeit ist, merkt sie erst auf dem Heimweg.

Montag, 6.20 Uhr! Ich verlasse das Haus und mache mich auf den Weg nach Frankfurt. Lange durfte ich mich auf diesem Tag freuen. Endlich ist es soweit. Eine Woche Praktikum bei Zeit für Brot. Ich sitze gespannt im Zug und freue mich auf nette Kollegen und den Duft von frisch gebackenem Brot. Der Himmel färbt sich leuchtend rot, die Sonne geht auf.

Um 8 Uhr beginnt mein erster Arbeitstag. Das ist eine recht humane Uhrzeit. Wie ich später erfahre, haben einige Kollegen bereits um Mitternacht ihre Nachtschicht begonnen. Respekt! Mein erster Eindruck, als ich den Verkaufsraum im Oeder Weg 15 betrete... WOW! Ist das schön hier. Die Auslage gut gefüllt mit allerlei leckerem Dies und Das. An kleinen gemütlichen Tischen wird bereits gefrühstückt.

Weiter hinten im Laden die Backstube. Mein neuer Arbeitsplatz! Abgetrennt durch eine Glaswand. Die Kunden und Gäste im Café haben freien Blick und können alles beobachten. Wie nett! Ich werde freundlich begrüßt und bekomme meine Arbeitskleidung. Hose, T-Shirt, Schürze und Bäckermütze. Perfekt! Ich fühle mich gleich zugehörig und bin bereit für meinen ersten Arbeitseinsatz.

Meine Brezeln bestehen die Kontrolle

Die Backstube ist recht klein. Dafür befindet sich auf engstem Raum all das, was ich auch zuhause zum Brot backen verwende. Nur in XXXL. Meine Küche ist eine Puppenküche im Vergleich zu den Geräten in der Profibackstube. Zahlreiche Gärkörbchen stapeln sich im Regal, große Säcke mit feinsten Biozutaten warten auf ihren Einsatz. Ich vermische mehrere Kilo Leinsamen, Kürbiskerne, Sesam und Haferflocken in einer übergroßen Schüssel.

Im Anschluss übe ich mich in der Laugenbrezelherstellung. Viele kleine Teigportionen warten auf ihre kunstvolle Verarbeitung. Nach einigem Probieren habe ich den Dreh raus. Wobei es bei den Profis noch etwas eleganter wirkt. Dennoch bestehen alle meine Brezeln die optische Qualitätskontrolle des Bäckermeisters und warten dann im Kühlraum auf ihre weitere Verarbeitung.

Ohne Pause folgen dann die Rosinenknoten. Wieder warten viele kleine Teigbällchen auf ihre Verarbeitung. Immer wieder gönne ich mir einen Blick in den Verkaufsraum. So schön es für die Kunden ist die Geschehnisse in der Backstube beobachten zu können, so empfinde ich den Blick nach draußen auch als extrem motivierend. Die Nähe zum Kunden, zu sehen, für wen man die vielen Leckereien produziert ist für mich ein besonderes Erlebnis. Ein tolles Konzept! Da können sich die vielen Backfabriken eine dicke Scheibe abschneiden.

Ich nehme Schnecken mit nach Hause

Besonders begeistert mich die Tatsache, dass alle Produkte zu 100 Prozent bio sind und ohne unnötige Zusätze hergestellt werden. Ich beneide alle, die diese tolle Bäckerei in der Nähe haben. Dieses Glück habe ich nicht und daher heißt es gut aufpassen, viel lernen und dann zuhause das neue Profiwissen umsetzen. Da wir seit einiger Zeit bereits fast ausschließlich unsere eigenen Brötchen backen, werde ich durch dieses Praktikum viele neue Inspirationen mit nach Hause nehmen dürfen.

Schnecken haben es meiner Familie und mir angetan
Als Nächstes werde ich in die Geheimnisse der Schneckenherstellung eingeweiht. Darauf habe ich mich besonders gefreut. Meine Familie hat auch bereits ihre Bestellung bei mir in Auftrag gegeben. Zimtschnecken, Apfelzimt oder doch lieber die Mohnschnecke? Ich bringe eine Auswahl mit nach Hause und meine drei hungrigen Schneckentester sind begeistert.

Erkenntnis des ersten Tages: Die Arbeit in der Backstube ist für mich ein tolles Erlebnis und zugleich eine totale Reizüberflutung. Nach Ende meiner Schicht sitze ich mit einem Lächeln im Zug. Erst jetzt merke ich, wie anstrengend die Stunden als Bäckerin waren. Wenn ich meinen Bericht geschrieben habe, falle ich müde ins Bett. Soviel ist sicher.

 

Vor der Anreise, Wibke stellt sich vor, Mehlstaub statt Romantik

Unsere Leserin Wibke Sommer ist eigentlich Hochzeitsfotografin. Eine Expertin für perfekte Augenblicke also. Richtiges Timing ist auch in der Backstube wichtig. Wir schicken Wibke als Praktikantin in die Bioland-Bäckerei Zeit für Brot in Frankfurt:

Eine Woche in ein anderes Leben schlüpfen und den Arbeitsalltag in einer Backstube erleben. Ein wahnsinnig tolles Projekt. Mein Name ist Wibke Sommer. Im wirklichen Leben bin ich glücklich! 44 Jahre, Mutter von zwei tollen Mädchen und mit meinem Traummann verheiratet.

Wir leben in Wölfersheim, nördlich von Frankfurt. Als selbständige Fotografin beschäftige ich mich mit den schönen Dingen im Leben: Hochzeitsreportagen und glückliche Menschen sind meine Leidenschaft.

Unsere kleine Familie liebt es lecker zu kochen. Am Wochenende stehen wir alle zusammen in der Küche und kreieren unsere sich laufend ändernden Lieblingsgerichte. Unsere aktuellen Highlights sind: Gefüllte Nudeln mit Ricotta und Birnen an Salbeibutter, Risotto mit Zucchini und frisch gehobeltem Parmesan oder ganz simpel: Erbsenpüree und natürlich meine geliebte Zitronentarte.

Wir leben unseren kleinen Boykott

Manchmal träumen wir davon unser eigenes Kochbuch aufzulegen. Im letzten Jahr haben wir uns einen Gasgrill gekauft und gehören seitdem offiziell zu den Wintergrillern. Seitdem experimentieren wir mit vegetarischen Burgern, leckerem Grillgemüse und Süßkartoffelpommes.

Wir lieben gutes Brot und backen gerne unsere eigenen Brötchen. Als wir uns vor einigen Jahren wegen einer Lebensmittelunverträglichkeit unserer Tochter mit der Zutatenliste der Bäckerei um die Ecke beschäftigen mussten, waren wir schockiert. Seitdem backen wir unser Brot einfach selbst und sind zu 99 Prozent Selbstversorger. Wir leben so unseren kleinen Boykott gegen den 0815-Bäcker um die Ecke. Alleine schon der Duft von frisch gebackenem Brot macht süchtig! Und wenn es dann so frisch und warm aus dem Ofen kommt, findet sich schon bald jemand, der es  unbedingt sofort probieren muss.

Eine Woche echtes Bäckerhandwerk zu erleben ist für mich eine wahnsinnige Bereicherung. Ich freue mich auf die vielen neuen Eindrücke und die leckeren Düfte und bin schon ganz gespannt auf meine neuen Kollegen bei Zeit für Brot. Eintauchen in das Bäckerhandwerk, die Abläufe in der Backstube kennenlernen und von den Profis lernen. Stapelweise Gärkörbchen, Mehlstaub in der Luft, beste Biozutaten und köstliches Brot. Wunderbar!

Wow, 1000millionenmaldankeschön an Bioland und Zeit für Brot. Ich freue mich riesig! Liebe Leser, vielleicht seid ihr ja genauso neugierig wie ich? Natürlich werde ich euch ab dem 12. September täglich von meinen Erlebnissen bei Zeit für Brot in Frankfurt berichten!

P.S. Ob es wohl ok ist, wenn ich (heimlich) ein bisschen Teig nasche?

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