Lupinen machen nicht nur optisch etwas her, in ihren Samen stecken auch wertvolle Nährstoffe (Foto: Alexander Kögel)
22.11.2019
Lupine

Heimisches Superfood

Hülsenfrüchte erleben in Deutschland ein Revival - als wertvolle Eiweißlieferanten. Während die Sojabohne schon in zahlreichen Produkten zu finden ist, ist ihre heimische Alternative noch immer relativ unbekannt: die Lupine. Von Désirée Thorn

Die meisten kennen die Lupine wohl eher als giftige Zierpflanze, die bis zu 1,50 Meter hoch wächst und ihre bunten Blüten in aufrechten Ähren trägt. Was in ihrer ungefährlichen Verwandten, der Süßlupine, steckt, wissen aber wohl die wenigsten: Die Samen der Lupine enthalten mit bis zu 40 Prozent genauso viel Protein wie Sojabohnen und zudem essenzielle Aminosäuren, Vitamine und Mineralstoffe wie Kalium, Calcium, Magnesium und Eisen.

Ihre Blüten trägt die Süßlupine in aufrechten Ähren (Foto: Alexander Kögel)

Gleichzeitig stecken in Lupinensamen weniger Kohlenhydrate und Fette als in Sojabohnen, stattdessen enthalten sie mehr Ballaststoffe. Diese fördern die Verdauung und schützen so vor Krankheiten wie Diabetes oder sogar Darmkrebs. Und der hohe Gehalt an ungesättigten Fettsäuren zeichnet das Öl der Lupine aus. Ein echtes Superfood also. Aber warum stehen die Lupinensamen so selten auf unserem Speiseplan?

Adé Bitterstoffe

Während Lupinen im Mittelmeerraum bereits 2000 v. Chr. zu den alltäglichen Lebensmitteln gehört haben, ist der Anbau der eigentlich anspruchslosen Pflanze in Deutschland nicht sehr weit verbreitet. Das liegt unter anderem daran, dass die Wildform der Pflanze einen hohen Gehalt an giftigen Bitterstoffen, den Alkaloiden, hat. Diese mussten früher erst herausgewaschen oder -gekocht werden. Die Lupine wurde daher in Deutschland vorrangig nur zur Düngung eingesetzt. Erst seit den Dreißigerjahren werden bitterstoffarme Süßlupinen gezüchtet, die auch ohne Einweichen und Abkochen verzehrt werden können.

Dass es dennoch zurzeit nur vergleichsweise wenige Lupinenfelder in Deutschland gibt – auch wenn die Bundesrepublik das größte Lupinenanbauland der EU ist –, liegt laut der Gesellschaft zur Förderung der Lupine auch daran, dass der Anbau von Marktfrüchten wie Getreide oder Raps für viele Landwirte lukrativer ist. Seit 2015 steigen die Anbauzahlen jedoch wieder. Vorwiegend wird die Hülsenfrucht in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt angebaut, weil sie sich auf den sandigen Böden im Osten Deutschlands wohlfühlt.

Ein Glücksfall für nährstoffarme Böden

Apropos Böden: Auch für die ist die Lupine ein Gewinn. Die Pflanze bindet Stickstoff aus der Luft im Boden und schafft so perfekte Bedingungen für nachfolgende Pflanzen, die den Stickstoff dringend benötigen, wie zum Beispiel Kartoffeln. Deshalb spielen Hülsenfrüchte wie die Lupine, die sogenannten Leguminosen, auch eine große Rolle im ökologischen Landbau. Sie werden in bestimmten Zeitabständen angebaut, um den Boden wieder mit Stickstoff anzureichern.

Die Knöllchenbakterien, die sich an den Wurzeln der Lupine bilden, binden den Stickstoff aus der Luft (Foto: Alexander Kögel)

Für die menschliche Ernährung bringt die Lupine übrigens viele wertvolle Nährstoffe mit, wenn sie möglichst pur verwendet wird. Man kann die Samen etwa als Beilage oder in Suppen einsetzen, in Portugal und Italien werden die in Salzwasser eingelegten Samen außerdem gern als Snack gereicht. Aber auch als Mehl, Schrot oder Flocken kann die Hülsenfrucht in Backwaren, Soßen oder Müslis zu einer ausgewogenen Ernährung beitragen. Vergleichsweise verbreitet ist zudem der Einsatz von gerösteten Lupinen als koffeinfreie Kaffee-Variante.

Allergiker aufgepasst!

Auch viele industrielle Produkte wie Joghurt oder Burgerpatties werben mit dem Eiweiß der Lupine, etwa als Ersatz für tierische Lebensmittel. Durch die weiteren eingesetzten Zutaten ist der Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen in solchen Produkten jedoch oft stark beeinträchtigt. Vorsicht ist außerdem für Allergiker geboten, denn die Lupine gehört zu den 14 Hauptallergenen, die in der EU gekennzeichnet werden müssen. Wer gegen Erdnüsse allergisch ist, reagiert häufig auch auf Lupinen.

Für die Mehrheit der Menschen ist die Lupine aber eine wertvolle und vor allem ökologisch sinnvolle Nährstoffquelle, kurz: ein Superfood.

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