Diese Gläser mit Huhn und Reis könnte man zwar essen, sie sind aber eigentlich für Hunde gedacht (Foto: Edenfood)
11.10.2016
Hund und Katz'

Zum Fressen gern

Natürlich wollen wir immer nur das Beste für unsere Lieblinge und verwöhnen Hund und Katze auch gern beim Fressen. Was auf vielen Dosen draufsteht, klingt fast nach Gourmetküche. Leider nur fast. Von Julia Romlewski

Was darf es denn heute sein? Rind mit Brennnessel und Tomate in Soße oder Huhn mit Gemüse und Zichorie? Die Hersteller von Hunde- und Katzenfutter lassen sich viel einfallen, um unsere Vierbeiner zufriedenzustellen. Doch es geht nicht nur um die Lust am Fressen. Gesund soll das Futter auch sein und unser Haustier mit allem versorgen, was es braucht für ein glänzendes Fell, gesunde Zähne und Knochen. Schließlich sollen wir ja noch lange Freude an unserem Haustier haben. Aber was steckt eigentlich drin im Fertigfutter?

Wenn man den Herstellern glauben darf, nur das Allerbeste. "Im Futter für Heimtiere darf nur Fleisch von Tieren enthalten sein, die auch für den menschlichen Verzehr geeignet sind", schreibt der Deutsche Verband für Tiernahrung DVT auf seiner Homepage. Nur: Nicht in jeder Dose steckt auch viel Fleisch. Prozentangaben sind freiwillig.

Einzige Vorgabe: Der Hauptbestandteil des Futters muss zuerst genannt werden. Oft liest man bei den Inhaltsstoffen die nebulöse Sammelangabe: "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (4 Prozent)". Das heißt: Wenn Rind groß auf der Dose steht, muss Rind mindestens vier Prozent des Fleischanteils ausmachen. Kaufe ich eine Dose Rind für meinen Hund, kann da also ziemlich viel von ganz anderen Tieren drinstecken. Vielleicht aber auch kaum Fleisch, sondern nur tierische Nebenerzeugnisse.

Billiger Abfall

Das muss erst einmal nichts Schlechtes bedeuten. Tierische Nebenerzeugnisse, das kann alles Mögliche sein, was beim Schlachten abfällt und der Mensch nicht essen mag. Im besten Fall Innereien oder Lunge. Aber auch Federn, Klauen oder Hufe - Dinge, mit denen der Stoffwechsel von Hund oder Katze ziemlich wenig anfangen kann. "Das sind minderwertige Schlachtabfälle", erklärt Tierärztin Jutta Ziegler. Mit anderen Worten: Billiger Abfall. Gemahlen und erhitzt, damit er sich doch irgendwie verdauen lässt und mit künstlichen Vitaminen und Geschmacksverstärkern aufgepeppt, damit Hund oder Katze das Futter nicht stehenlassen. Vergangenes Jahr wurden 2,6 Millionen Tonnen Schlachtabfälle in Deutschland weiterverarbeitet, so die Servicegesellschaft Tierische Nebenprodukte. Rund 340.000 Tonnen Eiweiß und Tierfett landeten in Futtermitteln für Haustiere.

In Zahlen

In Deutschland leben rund 13 Millionen Katzen und acht Millionen Hunde. Für ihr Futter gaben die Deutschen 2015 nach Angaben des Industrieverbands Heimtiernahrung mehr als drei Milliarden Euro aus. Wie groß der Bioanteil daran ist, wird nicht extra erfasst. Auch bei der Ernährung ihrer Haustiere können Verbraucher klare Marktsignale setzen und auf die Zukunft der Landwirtschaft Einfluss nehmen, wenn sie zu Bio greifen.

Bio-Futter ist nicht immer automatisch gesünder fürs Haustier. Grundsätzlich ist es für einen Bio-Konsumenten zwar nur logisch, auch beim Hunde- oder Katzenfutter Bio zu kaufen. Damit unterstützt man schließlich die Biobauern, die das Fleisch und Gemüse für das Futter liefern. Und nicht die konventionelle Landwirtschaft und die industrielle Tierhaltung. Allerdings muss man genau hinschauen. Denn auch im Bio-Futter können diverse Schlachtabfälle und Zusatzstoffe enthalten sein. Das ist zumindest nach EU-Ökoverordnung und dem deutschen Bio-Standard für Heimtierfutter nicht verboten.

Wer sicher gehen will, dass er seinem Haustier wirklich etwas Gutes tut, sollte das Futter bei Anbietern kaufen, die sich an strengere Vorgaben halten - etwa an die von Bioland. Denn wer das Logo des Bioanbauverbandes verwendet, darf zwar auch Schlachtabfälle verwenden, muss allerdings genau angeben, was im Futter enthalten ist, und darf es nicht mit Aromen und künstlichen Vitaminen aufpeppen.

Allerdings findet man Bioland-Futter meistens nur in Fachgeschäften oder im Internet und kaum in Bio-Supermärkten. Deren Preiskonditionen seien zu schlecht, heißt es etwa bei Edenfood, einem Bioland-Hersteller von Katzen- und Hundefutter mit Sitz in Bayern. Bio-Supermärkte würden in der Regel nur deutlich günstigeres EU-Biofutter listen, bestätigt ein Branchenkenner. Alles andere gilt als Spezialfutter.

Bio-Futter bei Darmkrankheiten

Mindestens 50 Prozent Fleischanteil ist im Edenfood-Hundefutter Standard. Viel Muskelfleisch, Herz und Leber. Der Rest besteht aus Gemüse und etwa Reis, denn anders als Katzen brauchen Hunde auch Ballaststoffe. "Wir stellen selbst her und bieten tierische Nebenprodukte nur als Ergänzungsfutter an. Ein bisschen davon ist in Ordnung, aber es sollte dosiert werden und nicht überall automatisch drinsein", erklärt Firmenchefin Daniela Edenhofer. Wer mag, kann auch reine Fleischportionen kaufen und selbst mit Gemüse mischen. Mit einem Kühlwagen fahren die Edenhofers die Bioland-Höfe selbst an. Rinder und Ziegen werden für Edenfood auf Bestellung geschlachtet. Viele ihrer Kunden sind aufs Bio-Futter gekommen, weil ihre Hunde an Darmkrankheiten litten. Solche Kunden nehmen für eine Hunde-Mahlzeit auch Kantinenpreise in Kauf.

Rechtliches

Es gibt noch keine speziellen EU-Verarbeitungsrichtlinien für Haustierfutter. Daher gelten vorerst einzelstaatliche Vorschriften oder anerkannte private Standards. In Deutschland ist das der Private Standard Heimtierfutter als Mindestanforderung an die Hersteller von Heimtiernahrung. Der Private Standard orientiert sich an dem, was die EU-Ökoverordnung für Futtermittel allgemein vorschreibt. Allerdings dürfen im Bio-Haustierfutter auch uneingeschränkt Bio-Schlachtabfälle der Kategorie 3 (Tiermehl aus Federn, Borsten oder Füße etwa) stecken. Erlaubt sind darüberhinaus Zusatzstoffe, die auch in Bio-Lebensmitteln enthalten sein dürfen.

Auch Terra Pura in Rheinland-Pfalz stellt Bioland-Futter für Hund und Katze her. Man bekommt es in einigen Läden in Berlin, München und Herne oder im Onlineshop. Eingekauft wird bei Bioland-Bauern aus der Umgebung. Das Unternehmen nimmt ihnen vor allem Gemüse mit Schönheitsmängeln ab, das sie sonst nur schwer losbrächten. Auch das Fleisch, das Inhaberin Michaela Fohmann einkauft, ist meist nicht für den Handel bestimmt. Es sind Überschüsse oder Innereien wie Leber und Niere.

Manche Kunden essen bei ihren Tieren auch gerne mal mit. „Eine Kundin macht sich tatsächlich manchmal selbst ein Gläschen warm", sagt Edenhofer. "Das schmeckt halt wie Babynahrung, weil es ungewürzt ist. Und Lunge ist natürlich Gewöhnungssache."

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Auf bioland.de:

 Im Netz:

  • Bioland-Partner: In Kay Klein's Hundekeksmanufaktur gibt es nicht nur Leckerlis für Hunde, sondern auch für Katzen. Hier geht es zu den Verkaufsstellen.

  • Ergänzungsfutter auf Kräuterbasis in Bioland-Qualität findet man bei Zwergnase