Geschenkpapier setzt Weihnachtsgeschenke hübsch in Szene - meist auf Kosten der Umwelt (Foto: Imago)
11.12.2018

Fest der Verschwendung

Rolle um Rolle wird es dieser Tage aus den Drogerien getragen: Geschenkpapier, das die Überraschung an Weihnachten versüßen soll. Unser Spaß am Schenken lässt den Müllberg zu den Feiertagen kräftig anwachsen. Das überfordert selbst die Recyclingfirmen. Von Marta Fröhlich

Es ist ein kurzer Spaß: Ein Griff unter den Weihnachtsbaum, ein Ruck, ein Riss, und schon leuchten die Augen beim Anblick des lang ersehnten Puzzles, Spielzeugautos oder neuen Smartphones. Das Geschenkpapier fällt zu Boden, glitzert unbemerkt - und landet beim Aufräumen zerknüllt in der Mülltüte. Laut dem Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung fallen zu Weihnachten im Vergleich zum Jahresdurchschnitt etwa zehn Prozent mehr Verpackungsmüll an.

Was viele nicht wissen: Die Herstellung von Papier ist ein echter Ressourcenfresser. Allein für ein Kilogramm sogenanntes Primärfaserpapier, also unrecyceltes Material, wird so viel Energie benötigt wie für die gleiche Menge Stahl. 50 Liter Wasser und 5 Kilowattstunden Energie braucht es, um aus 2,2 Kilo Holz ein Kilo weißes Papier herzustellen.

Zehn Prozent mehr Verpackungsmüll fallen um die Festtage an (Foto: Imago)
Zu richtigem Weihnachtsgeschenkpapier wird die schneeweiße Papierrolle aber erst im nächsten Schritt: Festliche Aufdrucke in kräftigen Farben verschönern das Material. Zwar ist der Einsatz von Schwermetallen in Farben in Deutschland und Europa längst ausgeschlossen, Kupfer kommt jedoch vor allem in den Blautönen immer noch zum Einsatz. "Eigentlich gilt: je weniger Farbe, desto besser", erklärt Almut Reichart vom Umweltbundesamt. Doch das sei für den Recyclingprozess - immerhin werden laut dem Amt rund 89 Prozent der Papier- und Kartonverpackungsabfälle wiederverwertet - unproblematisch. "Einlagiges Papier mit Muster ist, wenn sparsam und vielleicht sogar mehrfach verwendet, noch in Ordnung", sagt die Expertin.

Schwieriger gestaltet sich der Umgang mit Geschenkpapier, das mit Metallen oder Folien "veredelt" wurde. Dünne Beschichtungen oder Aufdrucke führen dazu, dass aus dem Monomaterial Papier ein Verbund wird, das macht Probleme in den Recyclingwerken. Ob das Geschenkpapier der Wahl beschichtet ist, ist manchmal mit dem bloßen Auge kaum erkennbar. Ein kleiner Einriss enttarnt das Material: zeigen sich an der Rissstelle kleine Fasern, ist das Papier unbedenklich. Zeigt sich eine dünne Folie, wird es aus Umweltsicht kritisch.

Besonders in Mode ist aktuell mit Aluminium versehenes Geschenkpapier. Dabei benötigt Aluminium schon in der Herstellung enorm viel Energie. Hinzu kommt, dass im Recyclingprozess zwar die Papierfasern genutzt werden können, "das Aluminium ist dann jedoch wertlos", sagt Sonia Grimminger, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Umweltbundesamt mit dem Schwerpunkt Verpackungen in der Abfallwirtschaft.

Solche Verbundmaterialien können für den Verbraucher schon beim Trennen knifflig werden. Denn zwar gehört Geschenkpapier per se in die Blaue Tonne. Sogar das mit Aluminium hauchdünn bedampfte Geschenkpapier darf im Altpapier landen. Kunststofflacke oder -folien sollten jedoch im Restmüll entsorgt werden. Hinzu kommen weitere Fallstricke wie Klebstoffe an Klebestreifen oder Schleifen und Bänder aus Kunststoff, die den Recyclingaufwand steigern. Die Stoffe lassen sich nicht gut trennen, Klebstoffreste dürfen nicht so stark zerkleinert werden wie das Papier selbst, damit sie nicht im Wasserkreislauf landen. Das lässt wiederum die Kosten für die Wiederverwertung ansteigen.

Deshalb raten die Expertinnen, auf Frischpapier zu verzichten und auf Wiederverwertung zu setzen. Recyclingpapier benötigt bei der Produktion etwa die Hälfte der Energie, die bei Primärfaserpapier verbraucht wird, die Wassermenge beschränkt sich auf 33 Prozent im Vergleich. Wer mit gutem Gewissen verpacken möchte, für den hat Almut Reichart noch einen guten Tipp: den Blauen Engel. Das Siegel garantiert, dass die Papierfasern zu 100 Prozent aus Altpapier gewonnen werden, und gibt aus Umweltsicht die beste Orientierung (siehe Kasten).

Der Blaue Engel

Der Blaue Engel ist ein in Deutschland seit 1978 vergebenes Umweltzeichen für besonders umweltschonende Produkte und Dienstleistungen. Es ist ein unparteiisch vergebenes Qualitätsmerkmal umweltgerechter Produkte. Die Kriterien werden auf wissenschaftlicher Grundlage erarbeitet und periodisch im Hinblick auf neue Erkenntnisse weiterentwickelt. Ausgezeichnet werden Produkte und Dienstleistungen, die in einer ganzheitlichen Betrachtung besonders umweltfreundlich sind und zugleich hohe Ansprüche an Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie an die Gebrauchstauglichkeit erfüllen. An der Vergabe des Zeichens sind aktuell folgende Institutionen beteiligt: Bundesumweltministerium, Umweltbundesamt, die RAL GmbH sowie die Jury Umweltzeichen.

Wer seine Umweltbilanz noch etwas verbessern möchte, verzichtet auf bedrucktes Papier. Denn bei der Altpapieraufbereitung müssen alle Verunreinigungen, darunter auch Farben, welche die Qualität des Neupapiers beeinträchtigen, abgeschieden werden. Zwar werden die Verfahren immer besser, das graue Schmirgelpapier aus der frühen Recycling-Ära wurde längst vom nahezu reinweißen Produkt abgelöst, doch der ökologischste Weg ist auch für Reichart der Verzicht.

Dabei gehört für die meisten Menschen das Verpacken fest zum Verschenken dazu. Psychologen sehen darin ein Zeichen besonderer Wertschätzung und Muße. Der Schenkende nimmt sich Zeit zum Einpacken, der Beschenkte zum Auspacken. Und: Daniel Howard, Marketingprofessor der Southern Methodist Universität in Dallas, fand bereits 1992 in einer Studie heraus: Verpackte Geschenke werden vom Empfänger mehr gemocht als unverpackte. Zur Not greift man in die Schublade mit dem Geschenkpapier vom vergangenen Jahr - ordentlich zusammengelegt wartet es dort auf einen neuen Einsatz unterm Weihnachtsbaum.

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