23.08.2016
Bioabfall

Der Schatz in der Tonne

Seit 2015 sind Sie dazu verpflichtet, aber trennen Sie Biomüll auch wirklich? Nicht einmal die Hälfte der Küchen- und Gartenabfälle landet in der Biotonne. Dabei sind Ihre Kartoffelschalen viel zu schade für die Müllverbrennung! Von Julia Romlewski

Es stimmt schon, gerade im Sommer ist es nicht immer angenehm, Essensreste zu sammeln und zur stinkenden Biotonne zu tragen. Aber im Restmüll riechen sie auch nicht gerade gut, und außerdem dürfen sie dort seit Januar 2015 von Gesetzes wegen eigentlich nicht mehr landen. Wer nicht trennt, risikiert Bußgelder. Zumindest theoretisch.

Etliche Kommunen nehmen es allerdings selbst mit der Biotonnenpflicht nicht so genau und bieten ihren Bürgern gar keine Tonnen an oder nur in manchen Stadtteilen. Eine rechtliche Grauzone. Denn im Kreislaufwirtschaftsgesetz steht auch, dass die Trennung von Bioabfällen nur dann Pflicht ist, wenn sie technisch möglich und wirtschaftlich zumutbar ist. Ansonsten reicht es, eine zentrale Sammelstelle einzurichten, zu der dann brave Bürger ihre Abfälle bringen könnten, wenn sie sie nicht selbst im Garten kompostieren wollen. 

Bereits vor der Einführung der Trennpflicht gab es in vielen Städten massive Proteste. Die Befürchtungen: Gestank in den Innenstädten, Platzmangel, wenn noch eine Tonne mehr aufgestellt werden muss, höhere Müllgebühren oder mehr Fahraufwand in ländlichen Regionen.

Bioabfall hat schlechten Heizwert

So kommt es, dass von einer flächendeckenden Versorgung mit Biotonnen in Deutschland keine Rede sein kann. Nur jeder zweite Haushalt verfügt laut Bundesumweltamt über eine Biotonne.

Das ist schade, denn so landen immer noch pro Jahr fünf von insgesamt neun Millionen Tonnen Küchen- und Gartenabfällen in der Müllverbrennungsanlage. Daraus wird dann zwar Strom gewonnen, aber die meist feuchten Bioabfälle haben nur einen geringen Heizwert, und am Schluss bleiben nur Kohlendioxid, Wasser und Asche übrig, wertvolle Nährstoffe aber gehen verloren.

Wenn Sie Ihre Küchenabfälle hingegen in der Biotonne entsorgen, kommen sie in eine Kompostieranlage. Dort verrotten Ihre Bananenschalen oder Gemüsereste zu frischer Erde für den Gartenbau und die Landwirtschaft. Mit diesem nährstoffreichen Humus können Bauern dann ihre Böden auflockern und düngen. Die Küchenabfälle werden also recycelt. So kommen die Nährstoffe wieder in die Landwirtschaft zurück. Das spart Kunstdünger. Und Ihre Restmülltonne, für die Sie ja Gebühren zahlen, füllt sich auch langsamer.

Manche Kommunen lassen die Bioabfälle auch zur Stromgewinnung in Biogasanlagen bringen. Dort kann man sie sogar doppelt nutzen: Beim Vergären entsteht Energie in Form von Biogas, und die Gärreste kann man auch noch kompostieren oder als Flüssigdünger nutzen. In Berlin etwa versorgen die Küchenabfälle der Einwohner die Berliner Müllautos mit Biogas. So spart die Stadt nach eigenen Angaben 2,5 Millionen Liter Diesel im Jahr. Gut fürs Klima. Abfälle zu nutzen ist zudem umweltfreundlicher als extra zur Biogasgewinnung Mais in Monokulturen anzubauen.

Zerkleinerter frischer Bioabfall in der Biogasanlage in Gütersloh (Foto: Kompostwerk Gütersloh)
Die Kompostieranlagen sind im Grunde nichts anderes als ein technisch optimierter Hauskompost. Hohe Temperaturen sorgen dafür, dass die Abfälle aus Küche und Garten innerhalb weniger Wochen verrotten - also viel schneller als im eigenen Garten. "Dadurch werden die Abfälle auch hygienisiert", erklärt Sebastian Böhme, Betriebsleiter im Kompostwerk in Gütersloh. Dort werden Kompost und Blumenerde hergestellt und Biogas erzeugt. Maschinen sieben und zerkleinern die Bioabfälle und sortieren Störstoffe wie Kunststoff aus. Dann vergärt der Biomüll drei Wochen unter Luftabschluss. Dabei entsteht Gas, das dann ins Stromnetz eingespeist wird. 5,5 Millionen Kilowattstunden pro Jahr sind es in Gütersloh. In etwa der Jahresverbrauch von immerhin 2400 Single-Haushalten. Die Reste, die beim Gären übrig bleiben, werden mit geschredderten Gartenabfällen vermischt und kompostiert. Rund 25000 Tonnen Erde ergibt das pro Jahr.

Manche Verbraucher nutzen ihre Biotonnen zwar, aber falsch, und werfen auch Plastik oder Blumentöpfe hinein. Mit Schwermetallen gebe es hingegen kaum Probleme, so Böhme. Nur wer die Grenzwerte für Blei, Quecksilber oder Kadmium einhält, darf seinen Kompost mit dem gängigen Gütesiegel RAL der Bundesgütegemeinschaft Kompost verkaufen.

Auch Biobauern dürfen Kompost aus Haushaltsabfällen verwenden - die EU-Ökoverordnung verbietet das nicht. Mit regionalen Abfällen zu düngen entspricht ja dem Kreislaufgedanken des Biolandbaus - auch wenn das, was in den Biotonnen landet, meistens nicht aus dem Bioladen stammt. Reiner Bio-Dünger wäre zwar wünschenswert. Doch dafür müssten viel mehr Landwirte und Verbraucher auf Bio umstellen.

Bei Bioland war Biotonnen-Kompost eine Zeitlang verboten - man hatte  Bedenken wegen möglicher Schadstoffe in der Erde. Seit Kurzem dürfen auch Bioland-Bauern wieder Siedlungskompost kaufen, der Verband hat aber strenge Kriterien entwickelt. Kompostwerke, die Bioland-Bauern beliefern wollen, müssen viele Untersuchungen machen und niedrigere Grenzwerte einhalten als fürs RAL-Gütesiegel. So können wichtige Nährstoffe, die vom Acker auf den Teller wandern, auch wieder zurück aufs Biofeld gelangen.

Was darf in den Biomüll?

Alles, was verrottet, aber nicht zu unhygienisch ist. Stellen Sie sich einfach vor, Sie müssten mit dem, was Sie in die Biotonne werfen wollen, Ihre geliebten Tomaten oder die schönen Orchideen im Wohnzimmer düngen. Windeln, Tierkot, tote Tiere oder Katzenstreu kommen da sicher nicht infrage.

Erlaubt sind rohe und gekochte Küchenabfälle - also Gemüse, Obst, Fleisch, Wurst und in Papier eingewickelter Fisch, aber auch Kaffeefilter und Teebeutel. Nicht erlaubt sind Flüssigkeiten wie Milch oder Suppen, denn dann nässt der Kompost durch und fängt an zu schimmeln. Auch Grünabfälle aus dem Garten darf man in die Biotonne werfen: Topfpflanzen (ohne Topf natürlich), kleine Äste, Laub oder trockenen Rasenschnitt. 

Wenn man sich unsicher ist, einfach im Internet nach dem Abfallwirtschaftsbetrieb der eigenen Kommune suchen oder "Biotonne" und den eigenen Wohnort eingeben. Viele Kommunen erklären anhand von gut aufbereiteten Infografiken, was in die Biotonne gehört. Die Angaben auf den meisten Biotonnen selbst sind leider nur spärlich, und auf vielen Biomülltüten stehen oft nur Tipps für Eigenkompostierer. Die Regeln für Hauskompost sind aber viel strenger, weil die Abfälle im eigenen Garten viel langsamer verrotten als in einer geschlossenen technischen Anlage.

Plastiktüten sollte man nicht mit in die Biotonne werfen. Auch wenn kompostierbar draufsteht, verrotten sie meist nicht oder nicht schnell genug. Auch Papiertüten sind nicht ideal. Am besten kippt man den Biomüll lose in die Tonne und wäscht diese ab und zu aus, rät Sebastian Böhme vom Kompostwerk in Gütersloh.

Mehr zum Thema

Auf bioland.de:

Im Netz:

Studie des Bundesumweltamtes zur Biotonne und ihrer Verbreitung (2015)