Die Isotopenanalyse verrät, wo Weizen-Proben herkommen. Rot die Ergebnisse der italienischen Proben, blau-türkis die Werte hessischer Proben (Grafik: Fibl Deutschland e.V.)
21.06.2016
Wissenschaft

Bio-Betrügern auf der Spur

Bio erzielt gute Preise. Das lockt auch Betrüger an. 2014 etwa gelangte pestizidbelastetes ukrainisches Futter nach Deutschland. Eine Ökokontrollstelle deckte den Schwindel auf. Nicht immer aber ist der Betrug offensichtlich. Trotzdem könnte es für Kriminelle bald schwerer werden. Von Julia Romlewski

2014 fand eine deutsche Ökokontrollstelle bei einer Routineuntersuchung mehrere Pestizide in einer Charge Sonnenblumenkuchen. Ein niederländischer Händler hatte das Futtermittel aus der Ukraine importiert. Es war für deutsche Bio-Legehennen bestimmt. Kriminelle hatten das günstig hergestellte konventionelle Futter umdeklariert, und mit gefälschten Zertifikaten als Biofutter verkauft. Dass der Schwindel aufflog, spricht für das deutsche Kontrollsystem.

Nicht immer aber ist der Betrug so offensichtlich. Besteht ein Anfangsverdacht - etwa weil eine Ware seltsame Umwege geht - kann es dauern, bis die Herkunft der vermeintlichen Bio-Ware ermittelt ist. Zertifikate müssen überprüft, Lieferbeziehungen durchleuchtet und Transportwege rekonstruiert werden.

Aber was, wenn sich ganz einfach und schnell im Labor feststellen ließe, ob wirklich bio drin ist, wo bio draufsteht? Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (Fibl) hat wissenschaftliche Methoden zur Herkunftsermittlung auf ihre Tauglichkeit für die Biobranche hin getestet. Welche kriminalistischen Methoden gibt es?

  • Isotopenmassenspektroskopie (IRMS): Dabei wird untersucht, wie sich stabile Isotope wie Wasserstoff, Stickstoff oder Kohlenstoff zum Beispiel in einer Karotte verteilen. Das nämlich hängt von den Gegebenheiten am Herkunftsort ab. Der Stickstoff gibt auch Auskunft darüber, wie die Karotte gedüngt wurde. Wenn der Biobauer mit Leguminosen (Eiweißfutterpflanzen wie Kleegras) gedüngt hat, wird es allerdings schwierig. Denn der Stickstoff, den Pflanzen aus Leguminosen aufnehmen, ähnelt dem synthetischen Stickstoffdünger sehr. 

  • Fluoreszenz-Anregungs-Spektroskopie (FAS): Bei der FAS wird eine Lebensmittelprobe mit Licht bestrahlt und dann gemessen, wie die Probe das Licht zeitabhängig wieder abgibt. Ein Bio-Weizen gibt das Licht dabei in anderen Wellen ab als ein konventioneller. Die Methode gilt als zeitaufwändig und noch verbesserungsfähig.

  • Profiling-Techniken: Beim Profiling werden nicht nur einzelne Inhaltsstoffe analysiert, sondern zum Beispiel die Gesamtheit der Stoffwechselprodukte und der Proteine auf Besonderheiten untersucht. Diese Methode ist zurzeit noch nicht ausgereift.

Die Labore, mit denen das Fibl zusammenarbeitete, ermittelten zunächst Referenzwerte für ausgewählte Lebensmittel ökologischer und konventioneller Herkunft. 

Weizen-Probe fürs Labor (Foto: Fibl Deutschland e.V.)
Dann bekamen die Labore Proben von Eiern, Weizen und Karotten und sollten herausfinden, was bio war und was nicht. Das gelang laut Fibl mit der Isotopenanalyse bei den Eiern zu 78 Prozent und beim Weizen zu 90 Prozent. Mit der Lichtanalyse lagen die Forscher bei den Eiern zu 90 Prozent richtig und beim Weizen zu 77. Die Kosten für eine IRMS-Vollanalyse liegen bei 350 Euro pro Probe. Die FAS-Metode kostet 50 Euro pro Probe. 

Hundertprozentige Gewissheit bringen Labortests also nicht. Sie könnten Kontrolleuren aber dabei helfen, die Angaben zu einem Lebensmittel zu überprüfen. Die Isotope verraten zwar nicht sicher, ob etwas bio ist oder nicht, aber geben ziemlich genau Auskunft über die Herkunft. Steht also Bio aus Land A auf der Verpackung und ergibt die IRMS-Untersuchung, dass Land A gar nicht infrage kommt, dürfte es sich um ein gefälschtes Bio-Produkt handeln. Die Methode ist so genau, dass auch Betrügereien mit Regionalprodukten aufgedeckt werden könnten. Dafür müssen allerdings erst einmal Referenzdatenbanken aufgebaut werden. In Hessen hat das Fibl schon einmal begonnen und Referenzwerte für Milch, Kartoffeln, Äpfeln oder Soja ermittelt. Für eine Region braucht man pro Produkt mindestens 100 Referenzproben.

Das kostet. Das Fibl will nun einen anderen Weg gehen - mit Isotrace. Das ist eine Weiterentwicklung der IRMS-Analyse, mit der man einzelne Lieferanten identifizieren kann. Isotrace geht so: Erzeuger von regional ausgelobter Ware geben Proben ab, die erst einmal nur eingelagert werden. Die Proben werden gefriergetrocknet. Auch das entzogene Wasser wird aufbewahrt. "Die Proben sind so lange lagerfähig", erklärt Rolf Mäder vom Fibl. Die Einlagerung kostet je nach Probe 10 bis 20 Euro. Der Vorteil: Man spart sich hohe Anfangskosten zum Aufbau einer Referenzdatenbank, denn die Analysekosten fallen sukzessive an. Erst wenn Zweifel bestehen, dass zum Beispiel eine Packung Karotten wirklich von Bauer XY stammt, kramt man die alten Proben von Bauer XY aus dem Labor, analysiert sie und vergleicht sie mit Stichproben aus der Karottenpackung.

Wichtiger als aufwändige Laborkontrollen ist aber ein gutes Qualitätsmanagement der Einkäufer. Dazu gehören direkte Lieferbeziehungen zu Landwirten im Ausland. Dann haben betrügerische Zwischenhändler keine Chance.

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