26.04.2018

Bioland-Präsident Jan Plagge: „Landwirtschaft geht auch ohne Neonikotinoide“

Kommentar zur morgigen Abstimmung der EU-Mitgliedsstaaten über ein Freilandverbot von drei Neonikotinoiden

„Seit zehn Jahren ist bekannt, dass Neonikotinoide Insekten schädigen. Vor vier Jahren wurde nachgewiesen, dass die Mittel mitverantwortlich für das Vogelsterben sind. Eine zwischenzeitliche Anwendungsbeschränkung dieser Insektizide verbesserte die Situation für Insekten nicht. Erst jetzt, nachdem der massive Rückgang der Artenvielfalt in aller Munde ist, wird die Politik konkreter. Diese Trägheit hat eine Entscheidung verzögert, die überfällig ist. Das morgen in der EU-Kommission zur Abstimmung stehende Freilandverbot der drei Neonikotinoide Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam wäre ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, doch das Ziel muss ein Komplettverbot aller Neonikotinoide sein – im Sinne unserer Gesundheit, der Artenvielfalt und der Zukunft unserer Umwelt. Denn die Erkenntnis, dass ein ehemaliges Wundermittel stark gesundheits- und umweltschädlich ist, kommt nach Jahren der Anwendung für Mensch und Natur zu spät. Es verdeutlicht das Versagen der Zulassungsverfahren. Auch das Negativbeispiel des Insektizids DDT hat dies in der Vergangenheit deutlich gezeigt.
Die Kritik, dass den Landwirten durch ein Verbot Alternativen fehlen und dadurch Verluste drohen, ist nicht haltbar. Der ökologische Landbau macht vor, dass es auch ohne Neonikotinoide geht: Ausgeklügelte Fruchtfolgen statt Monokulturen sowie die Förderung von Nützlingen sind Teil eines Systems, das ohne chemisch-synthetische Pestizide erfolgreich wirtschaftet und die Artenvielfalt erhält.
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat angekündigt, als Vertreterin für Deutschland für das Freilandverbot zu stimmen. Es ist zu hoffen, dass sie ihr Wort hält.“

Hintergrund:
Am 27. April 2018 stimmt der zuständige Fachausschuss der EU-Kommission über ein Freilandverbot der drei Neonikotinoide Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam ab. Diese Entscheidung folgt auf die Bewertungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die die drei Insektizide als schädlich für Bienen einstuft. Bereits 2013 war die EU-Kommission der Einschätzung der EFSA gefolgt und hatte die Anwendung der genannten Neonikotinoide nur noch für den gewerblichen Bereich erlaubt.

Das mögliche Verbot bezieht sich nur auf den Freilandbereich; in Gewächshäusern dürften die Pestizide weiterhin angewendet werden. Die Begründung, dass Gewächshäuser geschlossene Kreisläufe sind, ist jedoch fehlerhaft: Wenn belasteter Staub oder Wasser nach draußen gelangen, können Pflanzen und Boden mit den Neonikotinoiden verseucht werden. Ein komplettes Verbot von Neonikotinoiden ist der einzige Weg, Bienen, Schmetterlinge, Vögel und andere Wildtiere vor den schädlichen bis tödlichen Auswirkungen zu schützen.

 

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