Tierhaltung

Den neuen Netztyp in schwarz-weiß kann der Wolf deutlich sehen. Gute Erdung sorgt für Wirkung. (Foto: Benny Trapp)

Verbesserte Weidezäune gegen den Wolf

Gemeinsam bringen Naturschützer und Schafzuchtverband den Herdenschutz voran. Neue Zaunmodelle, ein Beratungskonzept und gemeinsame Botschaften sind Ergebnisse aus Baden-Württemberg.

Ein marktreifes, wolfsabweisendes Elektronetz ist eines der Ergebnisse aus einer langjährigen Kooperation zwischen dem Landesschafzuchtverband (LSV) und dem NABU Baden-Württemberg. Das Elektronetz mit Erdungslitze, das mit Testbetrieben und Zaunherstellern entwickelt wurde, funktioniert stabiler als bisherige Netzzäune, bestätigt LSV-Vorsitzender Alfons Gimber. Zudem entstanden gemeinsam mit Testbetrieben Lösungen für die Erdung der Zäune in schwierigem Gelände, also beispielsweise auf trockenen oder felsigen Böden. Denn die Erdung von Stromnetzen und -zäunen ist entscheidend, damit ausreichend Strom durch sie fließt.

Eine weitere Verbesserung soll die neue Farbgebung der Zäune bringen: sie sind schwarz-weiß, damit die Wölfe sie besser erkennen. Denn Wölfe haben, ähnlich wie Wildschweine oder Hirsche, eine Rot-Grün-Sehschwäche und erkennen die bisher meist orange gefärbten Netze nur sehr schlecht. „Unsere Betriebe im Wolfsgebiet Schwarzwald arbeiten damit sehr erfolgreich“, bestätigt LSV-Geschäftsführerin Annette Wohlfarth.

Gemeinsame Position für den Umgang mit dem Wolf
In der Kooperation gaben die LSV und Nabu Schulungen und forcierten das Thema Herdenschutz. Denn eine langfristig konfliktfreie Koexistenz von Weidetierhaltung und Wolf, der in immer mehr Regionen Deutschlands vorkommt, ist das Ziel der beiden Verbände, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ist die Basis ihres Erfolgs. Zum jetzigen Projektende haben die beiden Verbände gemeinsame Botschaften veröffentlicht. Darin nennen sie noch ungelöste Herausforderungen sowie Aufgaben für die Politik. Sie wenden sich gegen Falschmeldungen und Hetze in sozialen Medien und wollen weiter den lösungsorientierten Dialog suchen. Die Anwesenheit des Wolfes sei zu dulden, aber eine schnelle und sichere Entnahme von Einzeltieren müsse möglich sein, so zwei weitere ihrer Botschaften.

Außerdem testeten die beiden Verbände mit ihren Testbetrieben Zaunmessgeräte, Warngeräte und andere technische Hilfsmittel praxisnah. Davon bewährte sich zum Beispiel ein Warngerät am Zaun. Dieses schickt den Tierhaltenden eine SMS, wenn die Stromspannung plötzlich abfällt.

Auch eine Entwicklung aus Dänemark konnte überzeugen: Ein Festzaun, der aus einem patentierten Kunststoff-Gummi-Gemisch besteht. Kadmiel Schweikle, Betreiber des Island-Gestüts Schlosswaldhofs, hat es ausprobiert: „Durch den Gummischutz hält der Zaun die Stromspannung auch dann, wenn Pflanzen die unterste Litze überwuchern. Wir müssen den Zaunbereich dadurch viel seltener frei mähen und sparen in unserer ohnehin arbeitsintensiven Woche kostbare Zeit.“

Baden-Württemberg sorgt für Beratung und fördert Herdenschutzhunde
Die Integration von Herdenschutzhunden ist besonders am Anfang zeitaufwändig, funktioniert nach ein bis zwei Jahren aber gut, sofern es gelingt die richtigen Rahmenbedingungen dafür zu schaffen. Das Land fördert auf Empfehlung von LSV und Nabu inzwischen den laufenden Unterhalt der Hunde.Eine weitere Anregung aus dem Projekt setzt das Land Baden-Württemberg um: Eine unabhängige Beratungsstelle für Herdenschutz gibt Weidetierhalterinnen und -haltern praxisnahe und individuelle Tipps vor Ort.

„Herdenschutz bleibt in Baden-Württemberg eine besondere Herausforderung, vor allem auf stark verbuschten Flächen und steilen Hängen im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb. Dies muss bei der Entwicklung von Maßnahmen und der Landesförderung weiter berücksichtigt werden“, betonen LSV und Nabu in ihrem Abschlussbericht.

 

 

 

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