Pflanzenbau
Den Pflaumenwickler verwirren Pheromonfallen im Öko-Zwetschgenanbau. In einem Verbundprojekt erprobte ein Forscherteam ergänzende Maßnahmen, um den Schädling einzudämmen. (Foto: Reyhaneh Eghbal)

Mittel gegen Spitzendürre, Monilia und Pflaumenwickler

Forscher erproben neue Strategien gegen Schaderreger im ökologischen Steinobstanbau

Forscherteams aus vier verschiedenen Versuchsanstalten in Deutschland haben neue Ansätze gegen tierische und pilzliche Schaderreger im ökologischen Steinobstanbau getestet. In den einzelnen Projekten zeigten zum Beispiel Präparate wie Neu 1143 F und Kumar eine gute Wirkung gegen Monilia in Sauerkirschen. Gegen den Pflaumenwickler erwiesen sich Extrakte aus Beifuß und anderen Kräutern sowie der Einsatz von Wellpapperingen als vielversprechend. Die von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg koordinierten Projekte wurden vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) finanziert.

In überdachten und eingesetzten Anlagen mit Süßkirschen kann sich die Schwarze Kirschenlaus gut vermehren, weil keine Nützlinge zufliegen können. Das Forscherteam setzte gezielt Nützlinge frei und untersuchte die Wirkung. Potenzial sehen die Fachleute beim Einsatz der Berry-Protect-Mischung. Sie setzt sich aus verschiedenen Schlupfwespenarten zusammen und wird häufig im Beerenanbau eingesetzt.

Bei Versuchen zur Regulierung von Monilia-Pilzerkrankungen in Sauerkirschen erreichten die Versuchsansteller mit dem Präparat Neu 1143 F in einem Freilandversuch einen Wirkungsgrad von 96 Prozent. Das in Deutschland noch nicht zugelassene Präparat ist damit laut dem Forscherteam ein geeigneter Baustein zur Minimierung von Kupfer in der Spritzfolge.
Auch Kumar und Extrakte oder Tees aus der Schlüsselblume, Zanthoxylum, Zistrosenkraut oder Kurkuma, zum Teil kombiniert mit dem Netzmittel TS forte, zeigten im Halbfreiland eine gute Wirkung gegen Monilia.

Bierhefe beschleunigt Laubabbau
Falllaub, das mit Bierhefeextrakt behandelt wurde, hat in Versuchen den Sprühfleckenpilz vorbeugend gut eingedämmt. Das Mittel beschleunigte den Abbau von pilzbefallenem Laub erheblich, wenn es vier bis sechs Wochen nach dem Blattfall ausgebracht wurde.
Ein Prognosemodell der Michigan State University ist ein weiterer Baustein gegen die Sprühfleckenkrankheit. Mit dem Modell lassen sich Infektionstermine und die Intensität des Befalls auf Basis der Blattnassdauer und der Durchschnittstemperatur während einer Nässephase ableiten. So können Anbauer notwendige Behandlungen zum optimalen Zeitpunkt vornehmen. Die Firma Fruitweb bietet seit dem Frühjahr 2020 eine modifizierte Version des Modells an. Ob die abgeleiteten Prognosen auch unter mitteleuropäischen Wetterbedingungen zutreffen, muss noch geprüft werden.

Wellpapperinge wirksam gegen Pflaumenwickler
Mit Ringen aus Wellpappe, die am Stamm der Bäume angebracht werden, konnten im Pflaumenanbau in drei Versuchsjahren pro Baum bis zu 60 Larven des Pflaumenwicklers abgefangen werden. Das galt allerdings nur für die zweite Generation des Schädlings. Die erste Generation nach dem Winter nahm die Pappe als Quartierdagegen kaum an. Das Forscherteam empfiehlt diese Maßnahme deshalb für den Zeitraum August/September, tendenziell eher für spätreifende Sorten wie Presenta. Bündel aus Tonkinstäben erwiesen sich in den Versuchen als wirkungslos. Zur weiteren Eindämmung des Pflaumenwicklers zeigten Auszüge von Beifuß, Eberraute, Wermut, Rainfarn und Ginkgo Blatt gute Wirkung. Sie wurden als Repellentien gegen die Eiablage ausgebracht.

Download des Abschlussberichts des Projekts „Entwicklung einer Kombinationsstrategie gegen tierische und pilzliche Schaderreger im ökologischen Steinobstanbau unter besonderer Berücksichtigung der Kupferminimierung“ hier

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