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Tierhaltung
Was wächst nach der Dürre im Grünland? Genau hinschauen lernten Milchviehhalter und Milchviehhalterinnen beim Praktikertag. (Foto: Brigitte Stein)

Grünland jetzt inspizieren

Bevor Kühe, Rinder, Schafe oder Ziegen die Weide wieder nutzen, lohnt es sich, die Flächen zu beurteilen, um die Nachsaat zu planen.

Auf den Regen nach der langen Trockenheit reagieren Gräser und Kräuter schnell. Das zeigte die kleine Probefläche beim Milchviehpraktikertag in Darmstadt am zweiten Wochenende im September. Dort war auf der ausgedörrten Weide eine kleine Fläche zehn Tage zuvor bewässert worden, um Gräser und Kräuter zum Wachstum anzuregen. Katharina Weihrauch vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) empfahl den Landwirtinnen und Landwirten, eine solche Gießprobe auf ihren dürren Flächen vor dem Regen anzulegen: „Im frischen jungen Aufwuchs können Sie gut beurteilen, was noch wächst. Entsprechend können Sie die Nachsaat planen.“

Notreife Gräser haben möglicherweise ausgesamt und die Samen gehen bei Regen auf. „Schauen Sie die jungen Gräser an: haben sie rote Füße, dann ist es Weidelgras und Sie können sich freuen“, sagte die Beraterin. Bei der Nachsaat könnten sich Landwirte und Landwirtinnen dann auf Komponenten konzentrieren, die im Grünland fehlen. „Der Weißklee hat die Trockenheit in der Regel nicht überstanden“, hat sie auf vielen Flächen in Hessen beobachtet. Für die Nachsaat riet sie, möglichst zwei empfohlene Sorten jeder Art und Reifegruppe zu wählen. „Damit investieren Sie in Ertragssicherheit“, betonte die Grünland- und Futterbauexpertin. Die AG Öko-Futtersaaten stehe zur Beratung bereit. Auch die bei Tieren wenig beliebten Rohrschwingel und Knaulgras sollten Landwirt:innen in die Mischungen nehmen, riet sie, denn bei der Trockenheit in diesem Jahr boten diese Arten dann doch ein wenig Futter auf den Flächen und wurden gefressen.

Zur Bodenverbesserung empfahl Weihrauch, das Grünland zu kalken und auch an die Schwefelversorgung zu denken. Aus mehr als 7.000 Bodenproben von Bio-Milchviehbetrieben weiß sie: „Viele Flächen sind unterversorgt. Bei zu niedrigen pH-Werten läuft Luzerne nicht auf!“ Kalken verbessere die Trockentoleranz des Standorts grundlegend.

Mob Grazing auf Trockenstandorten
„Die Niederschläge vor Ort entscheiden, ob Kurzrasenweide funktionieren kann“, sagte Dr. Edmund Leisen, Öko-Berater der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. „Mehr als 500 mm müssen es schon sein, damit Sie Kühe auf Kurzrasenweide ernähren können. Ansonsten: Denken Sie über Mob Grazing nach!“, sagte er. Dann allerdings müssten sich Betriebe auf eine niedrigere Milchleistung von 10 bis 12 Liter einstellen. Alternativ müssten sich Betriebe mit so wenig Jahresniederschlag über einen Abschied von der Milchviehhaltung nachdenken.

Der Vergleich zwischen Kurzrasenweide und Grünlandflächen, die viermal geschnitten wurden, zeigten keine Unterschiede. Leisen, der bundesweit Grünlandversuche auf Praxisbetrieben betreibt, ist sich sicher: „Wurzellänge, Wurzelaktivität oder Bodenfeuchte waren auf vergleichbaren Flächen identisch.“ Auch die Flächenleistung der beiden Systeme unterscheide sich nicht eindeutig.

Sortenversuche zu Kräutern geplant
Die Grünlandfläche des Hofguts Oberhof zeigte nach der Trockenheit deutlich, dass Spitzwegerich und Wegwarte mit ihren tiefen Wurzeln der Trockenheit lange trotzen konnten. „Aber es ist wichtig, dass wir mehr über die Sorten erfahren“, sagte Katharina Weihrauch beim Blick über die Bestände. Während einige Pflanzen nur schmale, kurze Blätter bildeten, zeigten andere deutlich mehr Blattmasse. Wegwartepflanzen mit wenig Blattmasse hatten Stängel und Blüten ausgebildet. „Diese Wegwartenstängel sind nicht zu unterschätzen: Sie pieksen die Tiere ins Gesicht und den Augenbereich, wenn sie an die Blätter gelangen wollen“, warnte die Beraterin des LLH. Darum plant die AG Öko-Futtersaaten ab dem nächsten Jahr Sortenversuche zu Wegwarte und Spitzwegerich, kündigten Weihrauch und Leisen an.

 

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