Die Dürre lässt die Getreidepflanzen in Mecklenburg-Vorpommern alt aussehen (Foto: imago)
14.06.2018
Wetter

Die große Trockenheit

Für Landwirte scheint 2018 kein leichtes Jahr zu werden. Das Frühjahr und auch die ersten Vorsommertage waren viel zu trocken. Das haben auch Gartenbesitzer gemerkt. Während einige Regionen Deutschlands jetzt allerdings gerade absaufen, warten andere immer noch auf Regen. Von Julia Schreiner

Jens Rasim fährt gerade von den DLG-Feldtagen von Sachsen-Anhalt zurück ins westliche Mecklenburg-Vorpommern. Vorbei an Feldern, die offenbar noch mehr vertrocknet sind als bei ihm zu Hause. Auf der Pflanzenbau-Fachmesse war das Wetter natürlich auch Gesprächsthema. "Seit Ende April bis Ende letzter Woche hat es bei uns in Gallin praktisch überhaupt nicht geregnet. Dann kamen 15 Liter auf einmal herunter", so der Bioland-Bauer. Jetzt aber wartet er auf weiteres Nass von oben. Irgendwie ziehen die Regenwolken gerade immer an seinen Feldern vorbei.

Seit 20 Jahren führt er Buch übers Wetter. "Das ist die schlimmste Trockenheit, die wir je hatten." Das Getreide hat sich nach dem Regenguss etwas erholt. Es braucht aber schnell weiteren Regen, damit die Schäden nicht noch größer ausfallen. Kleegras muss Bauer Rasim auf jeden Fall komplett neu aussäen. Das selbst angebaute Futter wird für seine Rinderherde wohl diesmal nicht reichen. Er will die Herde nun um 50 Prozent reduzieren. "400 Mastrinder bringe ich so nicht durch den Winter."

Der Landwirt rechnet mit einem Schaden im sechsstelligen Bereich - allein beim Getreide. Das klingt existenzvernichtend, ist es für Gut Gallin aber nicht. Der Hof ist mit 1000 Hektar einer der größten Biobetriebe Deutschlands und rechnet in anderen Dimensionen als ein kleiner Hof. "Die erwarteten Einbußen sind keine Bedrohung für uns", so Rasim. Der Betrieb steht gut da, die vergangenen drei Jahre lief es gut. Doch Rasim macht sich Sorgen um seine Kollegen. "Für viele kleinere Betriebe wird es kritisch."

"Wir hatten Glück"

In weiten Teilen Nord- und Ostdeutschlands herrscht seit Wochen Dürre. Der Süden und Südwesten Deutschlands bekommen inzwischen immerhin einiges an Regen ab. Mancherorts allerdings viel zu viel. Rheinland-Pfalz etwa kämpft mit Unwettern und Überschwemmungen. Hagel hat so manchem Weinberg zugesetzt. Von Gewitterregen haben viele Landwirte auch nicht viel. Sie bräuchten stetigen mäßigen Dauerregen, damit sich die Bodenspeicher füllen. Gewitterregen füllt vor allem Hauskeller.

Schwer von der Trockenheit betroffen ist auch Niedersachsen. Es kommt allerdings darauf an, wo man lebt. "Wir hatten Glück und haben ein bisschen Regen abbekommen", sagt Michael Kruse, Bioland-Bauer in Bramsche bei Osnabrück. "Die Kartoffeln sehen noch erstaunlich gut aus."

Weiter im Osten von Niedersachsen hatten die Landwirte weniger Glück. Bioland-Bauer Michael Cordts hat in Schnega den ganzen Mai keinen Regen gesehen. Genau wie sein Kollege in Mecklenburg. "Das ist nicht lustig." Die Kartoffeln kann er zwar künstlich bewässern. "Bei über 30 Grad bringt das irgendwann aber auch nicht mehr viel."

Erdbeerüberschuss

Cordts musste auch schon Gras an die Kühe verfüttern, das er eigentlich für den Winter aufheben wollte. "Auf der Wiese wächst ja auch nichts mehr." Wie seine Roggenernte dieses Jahr ausfallen wird? Schwer abzuschätzen. Alles hängt davon ab, was die nächsten Tage und Wochen bringen.

Der Deutsche Raiffeisenverband hat schon mal eine Prognose abgegeben. Er rechnet mit mehr als einer Tonne Getreide weniger in Deutschland als 2017. Dabei war auch das vergangene Jahr schon kein gutes Getreidejahr. "Letztes Jahr war es zu nass. Wir hatten Dauerregen", so Bauer Cordts.

Auch die Spargel- und Erdbeerbauern sind nicht wirklich zufrieden. Allerdings vor allem mit den Preisen. Weil  Erdbeeren und Spargel wegen der Wärme so schnell reif wurden, kam viel zu viel auf einmal auf den Markt. "Die Qualität hat allerdings auch unter dem Wetter gelitten", so Simon Schumacher, Geschäftsführer des Verbandes Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer. Die Erdbeeren fallen eher klein aus. Nur dem Hopfen scheinen die Wetterextreme nichts auszumachen. Der mag's.