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Für Kinder ist der Kontakt zu Tieren ein tolles Erlebnis. Gewisse Fähigkeiten erlernen sie im Kontakt ganz nebenbei (Fotos: Sonja Herpich)

"Wir Ziegen trainieren das Durchsetzen."

Bauernhoftiere und ihre therapeutischen Talente

15.03.2018

Von sanft und gelassen bis aktiv und neugierig: Die Eigenschaften von Bauernhoftieren sind so vielfältig wie bei uns Menschen – und dabei genauso hilfreich. Wie sie zusammen mit Therapeut*innen sowohl hyperaktiven als auch schüchternen Kindern, Menschen im Rollstuhl oder sogar größeren Gruppen helfen, erklären Huhn, Kuh, Schaf und Co. am besten selbst.

Von Jutta Schneider-Rapp

Schafe schaffen fast alles

Wir Schafe sind die Königstiere der tiergestützten Arbeit. Dank unseres dicken Wollmantels vertragen wir auch ungeschickte Berührungen. Wir selbst sind bei der Kontaktaufnahme jedoch sehr sensibel. Erst beschnuppern, dann folgen zarte Maulberührungen. Im Gegensatz zu Ziegen wissen wir genau, wo der Pulli aufhört und das "Menschenfell" anfängt. Deshalb sind wir ideal für unsichere Kinder. Da wir selbst bei Stress weder beißen noch treten, sind auch Menschen mit schweren Behinderungen bei uns sicher aufgehoben. Menschen im Rollstuhl können uns buchstäblich auf Augenhöhe begegnen.

In unseren achtstündigen Fresspausen vermitteln wie beim Wiederkäuen Ruhe, Zufriedenheit und Schmusebereitschaft. Das beruhigt hyperaktive Kinder. Unser starkes Wir-Gefühl in der Herde lehrt zudem soziales Verhalten. Und nicht zuletzt schult unsere Wolle die Feinmotorik: waschen, kämmen, filzen, spinnen und weben - keine andere Tierart bietet so viel Stoff.


Hühner schulen alle Sinne

Wir Hühner bieten so viele Sinneserfahrungen wie Sand in unserem Staubbad ist: Wir lassen viel von uns riechen, hören und sehen. Wir krähen, glucksen, gackern und gurren. Unser Federkleid, unser harter Schnabel und unsere rauen Krallen bieten ganz eigene Streichelerlebnisse. Wir eignen uns aber auch als Pädagog*innen, weil wir unser Gegenüber exakt spiegeln. Sind die Menschen zu laut oder grob, reagieren wir sofort mit ängstlichem Gackern oder gar der Flucht. So merken sie sofort, ob ihr eigenes Verhalten passt. Wer uns auf den Arm nehmen will, lernt sich selbst zurückzunehmen und zur Ruhe zu kommen.

Allein schon das Beobachten, wenn wir eifrig im Boden scharren und unseren normalen Alltag leben, macht Spaß. Wenn die Kinder unsere Eier sammeln dürfen, sind sie tierisch begeistert. Bei uns ist jeden Tag Ostern. Nur Eier auszubrüten und Küken schlüpfen zu sehen, kann noch schöner sein.


In der Kuh(e) liegt die Kraft

Wir Kühe sind sehr feinfühlige und soziale Lebewesen. Da wir nur halb so schnell wie Menschen sind, passen wir wunderbar zu Kindern mit körperlichen Einschränkungen. Unsere gemächlichen Bewegungen beim Führen helfen ihnen, ihre eigene mangelnde Koordination in einen Rhythmus zu bringen. Gerne bringen wir Kindern Einfühlungsvermögen und Geduld bei. Denn mit Druck, Geschrei und Gewalt läuft bei uns nichts. Dann "streiken" wir. Das fordert die hohe soziale Kompetenz, unsere Bedürfnisse zu reflektieren und gegebenenfalls die eigenen Verhaltensweisen zu korrigieren.
Wir fressen viel und lange. Beim Wiederkäuen sind uns Menschen zum Streicheln und Schmusen sehr willkommen. Mit unserer Ausgeglichenheit beruhigen wir sowohl ängstliche als auch hyperaktive Kinder und sogar größere Gruppen. Darüber hinaus verschaffen wir Jung und Alt unvergessliche, sinnliche Erlebnisse: vom Motorik fördernden Melken über den Genuss kuhwarmer Milch bis hin zur Milchverarbeitung.


 

Jedes Tier hat seine speziellen Eigenschaften, die für unterschiedliche Menschen und Therapien hilfreich sind

 

Ziegen fördern Vitalität und Durchsetzungskraft

Wir Ziegen sind sehr muntere und lebhafte Tiere. Wir klettern gerne und springen mit Vorliebe auf erhöhte Gegenstände. Ohne Mühe lernen wir kleine Tricks und Kunsttücke. So ein Ziegensportprogramm macht vor allem aktiven und bewegungsfreudigen Kindern Spaß. Da wir sehr eigenwillig sind, eignen wir uns aber auch für Kinder, die sehr viel Rückmeldung brauchen. Denn wir reagieren viel schneller als andere Bauernhoftiere, wenn uns etwas nicht passt.

Mit unserer Eigenwilligkeit können wir aber auch Schüler*innen mit geringem Durchsetzungsvermögen trainieren. Wenn wir zum Beispiel Schnürsenkel oder Reißverschlüsse aufmachen, lernen die Kinder klar Stopp zu sagen. Aber natürlich können sie uns auch ganz nah kommen. Am besten, wenn wir es uns zum Wiederkäuen auf der Weide liegend gemütlich machen.


Minischweine: mobil & munter

Wir Minischweine sind genau wie unsere Vorfahren, die Wildschweine, stets aktiv: Von Natur aus schnüffeln und wühlen wir tagsüber eigentlich immer und überall nach Futter. Allein uns zu beobachten ist die reine Freude. Alles, was man uns vor den Rüssel hält, erkunden wir sofort. Mittels leckerer Futterhäppchen können wir über pendelnde Wippen laufen, Teppiche ausrollen, mit einem Ball spielen, durch einen Tunnel kriechen und vieles mehr. So motivieren wir Kinder, selbst aktiv zu werden.

Daneben sind wir sehr kommunikativ: wir können grunzen, quieken und laut schmatzen. Das gefällt Jung und Alt und muntert in sich gekehrte Menschen auf. Dank unseres authentischen Wesens sind wir Schweine wertvolle Co-Therapeut*innen. Mit ärgerlichem oder ängstlichem Quieken oder zufriedenem Grunzen signalisieren wir unmissverständlich, wie wir uns fühlen. So bekommen die Kinder sofort eine Rückmeldung, ob sie sich schweinegerecht verhalten.


Foto: Wokandapix auf Pixabay

Esel berühren Herz und Seele

Wir Esel sind gelassene Zeitgenossen. Das haben wir von unseren Vorfahren, die im kargen, bergigen Gelände überleben mussten. Unsere demütige Körperhaltung und unsere großen Augen öffnen das Herz vieler Menschen. Unsere ruhige Ausstrahlung und unser ruhiges Tempo beim Gehen fördern besonders bei hyperaktiven Kindern die Konzentration und Geduld.

Trotz unserer sanftmütigen Art sind wir aufgeschlossen und lernwillig. Deshalb sind wir ohne Probleme bei verschiedensten Tätigkeiten wie Eseltrekking, Eselkutschfahrten und Kunststücke dabei. Am liebsten gehen wir gemeinsam mit den Kindern in die Natur. Wenn sie nicht mehr können, tragen wir sie oder übernehmen ihre Lasten. Aber auch unser besonnenes Verhalten bei Gefahr lässt sich pädagogisch gut nutzen. Während Pferde panisch die Flucht ergreifen, bleiben wir eher stehen und handeln überlegt. Deshalb sollte es kluger und nie sturer Esel heißen.


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